Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Schon so lange

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 14. Januar 2009 @ 20:16

GPS? Ja, hab ich schon da. Portabel aber nur eines und das ist sehr teuer. Aber es ist auch eines der besten.“
„Eines der besten habe ich selber schon, auch teuer. Das ging genau drei Wochen und seit dem tut es was es will – meistens gar nichts.“
Wenn du Montag oder Dienstag wieder kommst habe ich andere da. Einfache Geräte und viel billiger.“
„So lange kann ich nicht warten, da bin ich schon wieder weg.“
Ohne GPS is aber nicht gut. Wo kommst ´n Du eigentlich her?
„Überhaupt, oder jetzt gerade?“
Na ja, so.“
„Überhaupt komme ich von der Türkei hoch und jetzt gerade von Paxos rüber.“
Paxos, die Bucht Lakka – kenne ich gut. Aber ohne GPS, heute bei dem Wetter, das war nicht so lustig, oder? Wie lange hast Du da rüber gebraucht?“
„Fünf und eine halbe Stunde“, sage ich zu ihm.
Das mache ich in genau fünfundvierzig Minuten, mit dem Jet Ski. Das mache ich im Sommer öfter, ich habe da drüben zu tun. Schwimmweste an, ohne Helm und Zack! rüber. Fünfundvierzig Minuten. Was machst Du dann eigentlich den ganzen Tag auf deinem Boot, wenn Du so lange unterwegs bist?
„Segeln.“
Also ich bewundere euch Jungs ja schon. Da nehmt ihr einfach euer Boot und seid weg, einfach so.
„Ja, so ungefähr.“
Hör zu! Ich kenne da einen, der wollte auch los, nach Brasilien. Vom Südpeleponnes nach Brasilien – keine Ahnung, der wußte nichts über Brasilien. Vielleicht gefiel im der Klang so – Brasilien. Der hatte auch ein Segelboot, sechseinhalb Meter. Von Navigation keine Ahnung, hatte auch keine Lizenz, ging ja nur sechs Jahre zur Schule. Das war damals eben so. Der wollte nach Brasilien und wußte nur, daß das im Westen irgendwo hinter dem Mittelmeer liegt. Also ist er los – war eines Tages einfach weg. Ein bißchen Geld in der Tasche und ein kleines Kofferradio. Und weil er von Navigation keine Ahnung hatte, oder auch nur eines dieser Geräte bei sich, hat er jeden Abend kurz das Radio angeschaltet und daran rum gedreht, ob er einen Sender findet. Als er dann in Landnähe kam und einen Sender erwischte, versuchte er so zu steuern, daß der Sender klarer zu hören war. Und dann war er auf einmal in Brasilien. Das gefiel ihm so gut, daß er eine Weile blieb. Stell Dir vor, ein junger Grieche mit seinem sechseinhalb Meter Boot in Brasilien. Aber er kam danach nicht nach Hause, er blieb weg, reiste weiter. So viele Länder – auf den Philipinen blieb er über drei Jahre weil es da so viel zu sehen gab – so viele Länder.
Nach sechzehn Jahren kehrte er wieder heim, und da war dann das erste Mal auf seiner ganzen Reise, daß er Schwierigkeiten bekam, mit Behörden. Zu Hause sozusagen, mit den eigenen Leuten. Und warum? Weil er keine scheiß Steuernummer hatte. Stell dir vor, der hatte keine Ahnung von so was, und bei der Einreise in Griechenland haben sie ihn nach seiner Steuernummer gefragt, aber er hatte ja keine, wußte gar nicht, daß man so was braucht.
Und Du kannst nicht am Montag noch mal kommen und die anderen Geräte ansehen?

„Nein, das sind ja noch vier Tage, ich will weiter nach Italien.“
Ich weiß auch nicht, irgendwie muß ich mal was tun. Ich sitze schon viel zu lange hier rum.“ Reibt sich dabei ausnehmend über den Bauch. „Vielleicht sollte ich auch mal los.“
Er steht auf, reicht mir die Hand und sagt „freut mich daß wir uns getroffen haben, freut mich wirklich sehr. Paß auf Dich auf und alles Gute.“

Wieder unterwegs

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 9. Januar 2009 @ 10:32

Nach einigen Tagen mit wenig Wind und annähernd glatter See, wenn man morgens aus der geschützten Bucht schaut und weit draußen ausgedehnte Schaumstreifen zu sehen sind, ist man fast versucht, eine Beschäftigung zu finden, noch einen Tag zu bleiben.
Was in dem Fall aber ein grobes Versäumnis wäre, der Wind ist nämlich moderat, mit 4 – 5, und auch noch mit fast 90 Grad zum geplanten Kurs. Aber wo kommt nur diese Welle her? Ein bis zwei Meter – anfangs sind die zwei Meter noch selten, später aber, aus der Landabdeckung heraus, sind schon auch mal höhere dabei.
Um fünf Grad den Kurs ändern, damit sie mehr von schräg vorn kommen – so läßt sich das gut abreiten. Mein Haus, das schwimmt, und manchmal vollführt es Bocksprünge.

Alles gut, solange die Navigation paßt und die Orientierung nachvollziehbar bleibt. Doch die Wolken hängen tief, zuweilen verringern ausgedehnte Regenschleier die Sicht auf unter eine Meile.
Für alle Fälle habe ich nochmal ein GPS Gerät geliehen. Ein sehr altes Gerät, auch ein MAGELLAN wie mein stationäres, welches seine Arbeitstage mit der Suche nach Satelliten verbringt, um dann vielleicht (nicht jeden Tag) eine Position abzugeben, die dann allerdings etwa drei Meilen abseits der tatsächlichen liegen kann. Und auch ein MAGELLAN, wie mein nagelneues, portables. Heiß beworben – TRITON 1500 – es sei das Beste und Feinste vom Besten und Feinsten. Tatsächlich aber ist der TRITON 1500 noch nicht mal den Sauerstoff wert, der nötig, um den Namen auszusprechen.
Viele Stunden hat ein Freund in Lefkas mit seinem Rechner im Netz verbracht, um Software Updates und Verfeinerungen auf das Gerät zu laden, zu reparieren. Mit aller Mühe und Sorgfalt – das Ergebnis: zwei Stunden astreiner Betrieb und dann eine ausgeklappte Fehlermeldung mit der Aufforderung, man möge doch gefälligst der Programmverkäufer kontaktieren. Man stelle sich diesen Moment auf hoher See vor.
Nun, das geliehene Gerät tut es schon soweit, findet nach dem Einschalten innerhalb einer Stunde seine Position, welche dann auch recht exakt ist. Was den MAGELLAN Geräten aber allesamt zuwider zu sein scheint, ist Bewegung, also genau das, weswegen man sich ein auf Signalen von Satelliten beruhendes, weltweit funktionierendes Hilfsmittel zur exakten Navigation oder Ortsbestimmung anschafft. Also, solange man sich mit meinen Geräten still an einem Ort …., aber soll ich den geneigten Leser mit der Ausführung solcher Gedanken langweilen?

In besagtem Fall ist es also schon etwas Nerven aufreibend, sich mit Karte und Fernglas an einer Küste entlang zu hangeln, wenn die Okulare nur graue Suppe zeigen. Das wäre fast zum Mäuse melken, gäbe es nicht da noch, und das fordert jeden Steuermann immer wieder heraus, die Tiefenlinien der Karte. Sehr interessant an der Südostküste von Korfu, da die zehn Meter Linie bis zu zwei Meilen vor der Küste entlang läuft. Und dann sind da noch hingeworfene Steine – das Spiel der Götter.

Lefkas

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 4. Januar 2009 @ 08:10

Ankunft am Tag vor Silvester. Ende des ersten Teils oder nur Station, wer weiß das? Jedenfalls Gelegenheit, inne zu halten und darüber nach zu denken, was denn da eigentlich vor sich geht. Auch Gelegenheit, längst fällige Dinge zu erledigen.
Lange Gespräche mit Freunden, Bestandsaufnahmen. Doch ein Endpunkt, einen Platz für das Boot für die nächsten drei Monate, Flugmöglichkeiten einholen?
Zwei Tage später liegen schon neue Karten auf, der Zirkel wandert, Handbücher aufgeschlagen neben dem Morgenkaffee. Die Angst, fest zu wachsen, nicht mehr los zu kommen sitzt schon im Nacken. Um den Eindruck zu verstärken knallt ein Hoch mit 1031 aufs Wasser, läßt den blanken Winterhimmel auf dem glattesten aller Spiegel prangen – nicht das leiseste Kräuseln.
Zwei Gründe nur, die einen in die Heimat treiben: die Sehnsucht nach dem geliebten Weibe und dann vielleicht, schwindende Barschaft. Der Erste rechtfertigt jede Unvernunft, jede Missetat und jede Flucht; der Zweite, nichts.

Schwarze Räuber

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 24. Dezember 2008 @ 19:40

Mit verschieden farbigen Augen, meist eines davon hellblau und einen Blick drauf – zum Steine erweichen.
Am Rande des wilden Hafens von Mesalongi – ich bezeichne ihn mal als wild, obwohl einige Anstrengung unternommen wird, um genau diesen Eindruck zu vermeiden – dort, wo jeder tut was er will und jeder den anderen sein läßt, verwilderte Salzbrachen, Salzgräser, Wiesen, dort leben die wilden Hunde.
Zwei Rudel, nein, Banden sind da unterwegs. Hundebanden, wie Buben Banden bilden und um die Gärten ziehen. Gekläffe, Gebell laut und sehr Respekt erheischend, dabei treffen sie sich einfach dann und wann tagsüber, ziehen aneinander vorbei. Es ist ein beschauliches, sinnliches Hundebandenleben. Zu essen gibt es genug, man muß nicht darum kämpfen. Keiner hat ernstliche Verletzungen oder Kampfspuren. Man zieht eben umher, täuscht Gefährlichkeiten vor. Lagern unter Büschen, am Wegrand, lümmeln  sich an Baumstämme.
Einige sondern sich ab, in verschiedene Richtungen, haben Nachwuchs und erinnern sich an Rudelleben. Ein wenig mißtrauisch die Alten, haben die Jungen keinerlei Berührungsangst, suchen geradezu, erforschen Kontakt. Tapsen um den Zweibeiner, verdrehen ihre Köpfe nach oben. Kann eigentlich irgend jemand jungen Hunden widerstehen? Nein, jungen Hunden rennt man hinterher, man wird erlegt von ihnen, wirft sich hin, begreift, begrabscht und zauselt das weiche Hundekinderfell, während sie siegesbewußt auf einem turnen, beschnüffeln und die Ohren lecken.
Man wird erlegt von jungen Hunden, oder gibt den Harten, schüttelt sich den Staub aus der Hose und zupft die Halme vom Pullover. Setzt eiligen, festen Schrittes seinen Weg fort, auch was vortäuschend, ein fernes dringendes Ziel.
Wenn abends dann die Sonne vom winterklaren Himmel getaucht, noch kaum die Dunkelheit erfüllt, kommt noch so eine Erinnerung vom frühen Leben – sie heulen, singen gemeinsam ihr Lied in die Nacht.

All empty, all gone

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 23. Dezember 2008 @ 13:31

Meine Gasflasche neigt sich dem Ende, sie leert sich. Besonders unangenehm spürbar ist das, wenn man am Morgen des Badetages merkt, daß schon das Kaffeewasser nicht so recht warm werden will. Außerdem ist es, seit der Isthmus von Korinth durchquert wurde, deutlich kühler geworden, was den Gedanken an so ein heißes Bad gleich noch verlockender macht.
Bei der Besorgung einer frischen Gasflasche – glücklicher Umstand ohnehin, daß es erst in einem Hafen soweit ist – gibt es mehrere Möglichkeiten. Einmal kann man sich die Leere schultern in die Stadt tippeln und nach einem Supermarkt oder sonst  einer Verkaufsstelle suchen, mit der Möglichkeit, in einer falschen Richtung zu suchen und so Wege weit, und mehrfach gehen zu müssen. Andernfalls kann man auch erst mal los gehen, um eine Verkaufsstelle zu suchen. Dabei wird man den Weg, vielleicht auch weit, aber mindestens zwei Mal gehen. Fest steht, in der näheren Umgebung des Hafens gibt es keine. Also mehrfach gehen, weit oder nicht weit, mit oder ohne Pulle am Buckel.
Immerhin treffe ich an einer Lagerhalle einen Mann, der,
„nein, Englisch eigentlich nur ein bißchen. Gas, was meinst Du? Ach so, Gaas! Ja, kochen muß ja schließlich jeder mal, selbst Du armer Hund, der offensichtlich kein zu Hause zu haben scheint. Also da vor, …“.
Irgendwas mit Kilometer sagt er noch und schnippst dabei mit dem Daumen über die Hälfte seines Zeigefingers – meint also fünfhundert Meter. Das ist ja dann, wenn es stimmt, nicht so weit.

Einschneidender als eine leere Gasflasche ist allerdings die Tatsache, daß seit dem Kanal das GPS Gerät nicht mehr arbeitet. Extra gekauft, das Neueste vom Neuen, portabel und mit allem Komfort, weil sich das alte stationäre Gerät nur noch gelegentlich zur Mitarbeit bewegen läßt. Es beschäftigt sich ansonsten all die Stunden eines Tages mit der Suche nach Satelliten. Und wenn es sich dann mal dazu herab läßt, eine Position abzugeben, so ist das mehr eine Schätzung als Berechnung. Kann ich auch.
Im ersten Moment, wenn man bemerkt, daß man nun wieder gar keines dieser wichtigen Navigationsgeräte zur Verfügung hat, macht sich schon ein mulmiges Gefühl breit. Ich habe schon gleich den Computerfreak Michl im Ohr, der mir immer von der Redundanz gepredigt hat. Aber nein! Das ist es eben nicht, nein, Michl, hörst Du mich? wahre Redundanz besteht nicht darin, sich einen voll gestopften zweiten Rechner unter´s Bett zu packen. Es sind all die anderen Techniken, deren einzelne von all den seefahrenden Völkern über unzählige Generationen entwickelt und verfeinert wurden und deren Kenntnis eigentlich Pflicht ist.
Glücklicherweise habe ich beste Papierkarten in guten Maßstäben reichlich an Bord und ein Fernglas. Mir kommt wieder lebhaft vor Augen, wie ich mich in der Prüfung mit den Navigationsaufgaben geplagt habe. Das Lesen all dieser Symbole, der Buchstabenkürzel, Linien und geographischer Andeutungen und deren Interpretation ist auf ein Mal wieder wichtig. Uhr, Zirkel, Kartendreiecke, ein paar gespitzte Bleistifte und schon sind wir wieder auf Kurs, und wie.

Nun würde mein Netzmeister, Dr. Betonblog.de sagen, völlig zu Recht übrigens,  daß sich eine Gasflasche nicht einfach selbständig leert, genauso wie eine Kugel für sich nicht selbständig jemanden tötet, sondern allenfalls ….  Aber das führte jetzt zu weit. Jedenfalls mäht im germanischen Teil Europas auch niemand am 23. Dezember Kleewiesen.

Mal eben nach Athen

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 17. Dezember 2008 @ 20:42

Da habe ich noch erheblich türkische Lira gefunden, nur will die niemand haben. Man schickt mich von einer Bank zur nächsten, aber das Ergebnis ist überall das Gleiche. “Na versuchen Sie´s mal in Piräus”. Also gut, einmal Fährticket nach Athen.
Athen ist unfassbar laut, stinkend vor Abgasen und faszinierend bunt. Und der Erste, dem ich begegnete, ein Sesamkringelverkäufer, fragte mich, als wir uns kaum fünf Minuten später noch mal sahen: “Geht´s Dir hoffentlich gut?” “Ja” sagte ich, “mir geht´s wirklich gut”. “Dann ist es gut”, meinte er. Und er konnte mir dann auch noch, nach kurzer Überlegung, sagen, wo ich in diesem irrsinnigen Gewirr die richtige Bank finde. Was kann man schon machen, wenn eine so herzliche Begegnung die Allererste ist in so einem Moloch von Stadt.

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Die kleine Bucht

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 16. Dezember 2008 @ 22:16

Da war einmal eine kleine Bucht. So, oder so ähnlich fangen ja immer die Geschichten an. Dabei gibt es besagte Bucht ja immer noch. Also da war mal, und das ist eben in gewisser Weise schon eine Weile her, diese hübsche Bucht. Schön gelegen, umrahmt von Hügeln, an welchen Zitrusfrüchte, und weiter oben Oliven wuchsen. An der Küste entlang, auf halbem Weg zwischen den großen Städten gelegen, unbeachtet von den meisten, auch den allermeisten gar nicht bekannt und gut geschützt vor all zu groben Winden.
Eines Tages kam jemand, kaufte ein Grundstück und baute ein Haus. Dann kam noch jemand und wenig später noch jemand. Schöne Häuser, nicht allzu groß, nahe am Strand gelegen, für sich und die Familie, wenn mal jemand zu Besuch kommt. Da läßt sich´s gut sein, in den Hügeln spazieren, auf´s Meer hinaus schauen, in Muse die Tage vergehen lassen.

Vielleicht hat man sein Leben im Ausland verbracht, gearbeitet und geschafft, und mit dem Ersparten ließ sich hier gut was machen. Verwandte kamen und Freunde, „schön habt ihr´s hier, so wunderbar“, sagten die, und, „laßt mich eine Weile bleiben, meine Ferien verbringen.“
Mit der Zeit kamen auch Freunde von den Freunden und wollten auch etwas bleiben. „Schön“ sagten die Leute, „laßt uns zwei, drei Hütten bauen, gleich nebenan. So schön mit Dusche und zwei Schlafräumen in jeder. Dann können die Freunde kommen und bleiben wie sie wollen, und sind auch etwas für sich, sitzen dann nicht ständig bei uns im Wohnzimmer. Das wurde sogleich gemacht, alle packten mit an und den Besuchern, die da kamen, gefiel es.

Eines Tages kamen fremde Leute mit einem schönen großen Boot an der Bucht vorbei. „Ei wie hübsch,“ sagte einer, „schau diese malerische Bucht mit den schönen Häuschen und die hübschen Hütten. Hier könnten wir doch ein schönes Ferienhaus bauen. Dann haben wir ein zweites Zuhause, brauchen nicht immer ein Hotel suchen, wenn wir nicht in der großen Stadt bleiben wollen. Und unser Boot liegt direkt unterhalb der Einfahrt zu unserem Haus.“
Das taten sie dann auch sogleich, und es wurde ein schönes großes Haus. Auch sie wurden von Freunden besucht, die das so wunderschön fanden, daß auch sie bleiben und sich ein schönes Haus an der Bucht bauen wollten. Drei, vier weitere schöne große Häuser entstanden, und als die Bauarbeiten abgeschlossen waren, ließ es sich wirklich gut sein dort und die Tage verbringen.
Eines Tages im Frühling kamen zwei Investoren mit ihrem Boot in die Bucht. „Oh wie schön, schau mal, so friedlich, so malerisch die kleinen Häuschen und auch die Villa dort und dort, schau! Hier könnten wir doch …, nein, kein Hotel, damit ist viel zu viel Umtrieb. Ein paar einfache Wohnungen nur, für Gäste, die das Schlichte, Schöne schätzen und die Ruhe dieser Bucht.
„Au ja“, sagte der andere Investor, „das machen wir. Laß uns gleich im nächsten Winter damit beginnen.“ Und so bauten sie eine hübsche Anlage, mit fünfunddreißig hübschen kleinen Wohnungen an der gegenüber liegenden Seite der Bucht, ganz nah am Strand und so gerichtet, daß alle die kommenden Gäste einen schönen Blick auf die malerische Bucht mit den hübschen Häuschen haben würden.
Dann kam ein Freund der Investoren. „Da habt ihr aber einen schönen Fleck gefunden. So hübsch gelegen und gar nicht weit von der großen Stadt. Hier will auch ich etwas bauen. Ihr werdet sehen, schön wird das werden. An die Landschaft will ich es anpassen, modern, aber doch mit traditionellen Stilelementen versehen. Das wird den Gästen gefallen, die da kommen werden, und eine hübsche Rendite läßt sich auch damit erzielen.“ Schon ein Jahr später, im Frühling, konnte eröffnet werden, und siebzig neue schöne Wohnungen erwarteten ihre Gäste.
Dann kam ein Freund des Freundes der Investoren, danach ein Konkurrent und auch dessen Freund folgten nach. Sie alle bauten schöne neue und auch gediegene Wohnanlagen, natürlich nicht, ohne vorher Kapazitäts- und Auslastungsprognosen erstellt zu haben. Auch Beteiligungsmodelle mit Renditezielen wurden besprochen.
Das Bauland am Strand wurde bald knapp. Man wollte ja auch Strandbereich erhalten, für Badende und Aktivitätsuchende, und so zog man die Hügel hinauf. Vierhundert weitere Wohneinheiten entstanden so und am Strand noch ein hübscher Kiosk für leckere Getränke und andere Erfrischungen. Auch an ein paar Spielautomaten hatte man gedacht, für die man einen hübschen Anbau an den Kiosk fügte. Bojen wurden in der Bucht verlegt, damit ein weiterer Investor mit Motorbooten und anderen Spielgeräten anlegen konnte.

Auf der Höhe eines der Hügel errichtete ein neuer, diesmal fremder Investor eine hübsche, exklusive Anlage, pflanzte Palmen und hoch wachsende Sträucher, auf großem Areal, mit wenigen, erlesenen Einheiten für gut situiertes Publikum – Time Sharing, Vollversorgung, Pflegedienste bei Bedarf, sowie geprüfte und gebriefte Outdoor- und Meditationsspezialisten im Schlepp.
Ein drei Meter hoher Zaun um die gesamte Anlage trägt viel zur Beruhigung der Bewohner bei und an dessen Außenseite sind alle paar Meter hübsche kleine Schilder angebracht, welche eventuelle Passanten über Art und Weise der Zwangsmaßnahmen unterrichten, welche jene bei ungebetenem Zutritt zu erwarten haben.

Etwas Land an der kleinen Bucht scheint noch ungenutzt – der Zaun steht schon.

Aus Tagen der Schöpfung

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 12. Dezember 2008 @ 18:10

Dem Menschen seit jeher unergründlich ist göttlicher Wille.
Was wie ein Gewirr kleiner und kleinster Inseln aussieht,
in Wahrheit von Göttern hingeworfene Steine – ein Spiel nur,
noch aus Tagen der Schöpfung

Eine Verbesserung

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 11. Dezember 2008 @ 20:28

Die alte Einholerleine unserer Rollreffanlage war schon sehr abgenützt und hielt nicht mehr richtig in ihrer Klemme. Also habe ich eine neue besorgt, und zwar gleich eine 10 mm- anstatt der alten 8 mm Leine. Und genau die sorgte bei ihrem ersten Einsatz für einigen Ärger.
Das die Neue etwas mehr Platz auf der Rolle beanspruchen würde, war mir klar, nicht aber, daß  dann die Führung der Leine direkter, d.h. sauber im rechten Winkel zur Rolle fixiert sein muß. So wurde beim Ausrollen des Vorsegels der unter Teil der Rolle schneller voll als der obere, und dadurch sprang an irgend einem Punkt die Leine von der Rolle und vertörnte sich ganz schlimm um, die Basis. So war das Segel nicht mehr einzuholen, auch nur zu reffen – daran war nicht zu denken.
Also machte ich mich auf, den Autopilot eingeschaltet, diese Rolle zu klarieren. Fünfmal war die Leine bereits um die Basis gewickelt und entsprechend verklemmt. Also mußte die Leine von hinten her gelockert und vorn zurück gedreht werden, innerhalb des Rollenkäfigs. Diese Arbeit da vorn, bei etwa zwei Meter Wellen gleicht dem Ritt auf dem Kopf eines tanzenden Rosses, das bei jedem vierten oder fünften Hub sein Gesicht vollständig in einen Wassertrog taucht. Erschwerend hinzu kommt, daß jedes gelockerte Stück Leine entgegen der Zugrichtung durch den schmalen Spalt zwischen Drahtkäfig und Rollenwandung gezwängt werden muß, was bei 8 mm vielleicht gar nicht so schwer gewesen wäre. Nach einiger Zeit waren drei der fünf Törns geschafft und ich unten rum völlig durchnäßt. Aufgegeben, erst mal, aufgeschoben auf später. Raus aus den nassen Klamotten, umziehen. Gegenüber den letzten Tagen sind die Temperaturen deutlich gefallen, was sich bei Wind und Wolken vor der Sonne noch mehr auswirkt.
Noch zwanzig Meilen Zeit, das Problem zu lösen, wenn der Wind so bleibt, in Richtung und Stärke. Aber Wind bleibt nie so, wie man das gerade mal haben will. Und so waren die nächsten Stunden – das Ziel, die Insel Levitha schon deutlich auszumachen – ständiges Höhe schinden. Abfallen, weil eine dicke Wolkenwand wieder ihre eigene Windrichtung mit bringt, und an ihrer Rückseite wieder annähernd auf Kurs hinein lügen.
Drei Stunden später, drei Meilen vor der Bucht für die folgende Nacht, ließ sich das Problem nicht mehr länger aufschieben. Den Gedanken, mit knatterndem Segel mehrere Meilen gegenan zur ruhigeren Bucht zu motoren, das Tuch zu riskieren, schob ich schnell beiseite. Schon in der Abdeckung der Insel war auch das Wellensystem verändert, in der Richtung und vor allem kaum noch Höhe. Mit der Rohrzange ging ich ans Werk, die Kratzer im Aluminiumprofil wollte ich riskieren.
In den Wind gehen, Einholerleine und Schoten lockern, und da vorn auf dem Bugspriet mit der Rohrzange als Hebel das Rollenprofil mit dem knatternden Lappen eindrehen, festhalten und mit einer freien Hand die restlichen zwei Törns aus der Verklemmung lösen und zurück in den Drahtkäfig auf die Rolle stopfen. Das war die Idee. So ganz trocken ging das aber dann doch nicht ab und zur Perfektion bräuchte es eigentlich eine dritte Hand. Aber es gelang.

Nachts im Cockpit verweilen, wenn der Schlaf nicht mehr bleiben mag, den Mond im Angesicht,
die Füße im Schlafsack, ein Glas angewärmten Wein.
Das Boot schwoit im leichten Nachtwind. In den nahen Hügeln blökt ein Schaf seinen Traum.

Nudeln machen glücklich

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 8. Dezember 2008 @ 21:27

Den ersten Tag allein, die Kabinen sind leer, keine Fragen mehr und keine Anmerkungen. Überall und zu jeder Zeit freier Durchgang, nirgends muß ich mich mal eben durchdrängen. Alles leer, ich bin einsam, mein Körper, der Geist, leer, verlangen nach Glück. Eine Art Glück jedoch, welche durch Nudeln allein nicht zu befriedigen wäre. Zu schnell, zu flüchtig der Genuss, allenfalls für einen kurzen Fieberanfall tauglich.
Etwas handfestes, bauschigflauschiges, Blickfeld verdeckendes, eine Schüssel voll. Zuhause – wo immer das auch sein mag oder gerade ist – ein wenig Heimat schaffen.
Was für ein schwülstiges Geschwätz, die ganze Kindheit hindurch mochte ich sie nie, konnte sie allenfalls in gerösteter Form ertragen. Aber auch genau so habe ich sie vor ein paar Jahren für mich neu entdeckt. Geröstet in Butter, mit oder ohne Ei, oder mit Speck. Auch frisch, aus siedendem Wasser gezogen, das kommt heute gut. Semmelknödel, und zwar im Plural, so, wie schon vor rund siebzig Jahren der Münchner Magersüchtige sehr treffend doziert hat – Semmelnknödeln. Das geht nur bayrisch. Nicht badisch oder württembergisch, was schon auch süddeutsch, aber der Weck ergibt mit Sicherheit keinen Knödel, und im Plural höchstens ein Alarmgerät. Oder schriftdeutsch Brötchen…, Singular und Plural in sich bindend, zu scheu, klar Standpunkt zu beziehen. Wer würde so was essen wollen?
Nein, es muß schon die Valentinsche Variante sein. Dessen Wortspiel klar in den Ohren, versüßt das Vorspiel, die Zubereitung. Noch nichts ahnend, begann ich schon vor einer Woche helles und weißes Brot zu horten. Die Königstochter wollte das schon den Fischen spendieren. Entrüstung darüber.
Zu sagen, ein Speiseplan vor Augen, wäre sicher zu kühn zu behaupten, aber als ich heute morgen beim Einkauf sah, daß der deutsche Discounter mit dem gelbblauroten Logo auch auf Kos ein Hirschgulasch aus Österreich in der Tiefkühltruhe bereit hält, wurde es klar.
Hirschfleisch, gewürzt auf schon schwarzbraun gebratene Zwiebelhälften geworfen – der Schauspieler Tarrach schwört darauf, weil´s auf einfache Weise dunklen Fond gibt – ebenfalls anbraten dann mit süßem Roten und harzigem Retsina abgelöscht. Kräuter, Nelken, Knoblauch, Karotten dazu, eine Kartoffel klein hacken und auch hinein.
Während das vor sich hin köchelt, muß der Wein schon anfangen zu atmen. Das tut er bestens, während er an meinem Atemorgan vorbei die Speiseröhre hinab gleitet. Dann werden aus dem inzwischen gut geruhten Semmelteig faustgroße (nach der Faust der Königstochter) Knödel geformt und in siedendes Wasser getaucht.
Sobald die letzten Knödeln in dem nur noch leicht siedendem Wasser auftauchen, ist auch die zweite Flasche Wein bereit zu atmen und das Gulasch zart genug, sich auf einem vorgewärmten Teller auszubreiten.

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