Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Da unten

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 10. Juni 2010 @ 18:27

was denn schlimmer sei, „den Arm brechen, oder von denen da reparieren zu lassen“, oder „ach wie schrecklich! Wie hast Du das bloß überstanden“, wurde ich gefragt, in Telefonaten und aufgrund des voran gegangenen Postings.

Dazu kann ich sagen, daß ich mich in der Universitätsklinik in Sofia zu jeder Zeit gut versorgt fühlte, gut beraten, trotz anfänglicher Sprachbarriere und bei den behandelnden Ärzten gut aufgehoben fühlte. Ein herbei gerufener Narkosearzt, von dem man wußte, daß er Jahre im Augsburger Klinikum gearbeitet hatte, schrieb mir seine private Nummer auf, für den Fall daß es mit der Verständigung schwierig wird.
Schon klar, daß einige vom lokalen Promoter leicht locker gemachte Konzertkarten die Entscheidung für sofortiges Operieren enorm erleichterten und ich somit an ich weiß nicht wie viel mindestens ebenso akuten Fällen vorbei nach vorn geschoben wurde.
Es ist aber auch klar, daß die Umstände himmelschreiend sind, die Ausrüstung auch eines solchen Hospitals unfaßbar dürftig und veraltet. Die später für die Nachsorge konsultierten österreichischen Ärzte bescheinigten unabhängig voneinander den Bulgaren ausgezeichnete Arbeit.

Die offene Ignoranz der Wohlhabenden und Reichen zu allen anderen unterhalb eines entsprechenden Niveau ist eklatant. Ob nun wirklich, oder nur aus dem westlich geprägten Blick des Betrachters resultierend, erscheinen Wohlhabende wohlhabender und Reiche reicher zu sein als andernorts. Und angesichts der vielen Milliarden , die im Westen skandalösen Bankern hinterher geschoben werden – was wären da ein paar Milliarden, zusammen gelegt von den reichen EU-Ländern, um einem neueren Mitglied direkt ein paar moderne Krankenhäuser zu spendieren und so eine gute medizinische Versorgung für alle zu gewährleisten.

Bodenlos

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 6. Juni 2010 @ 09:59

An sich war ich gewillt und genötigt, im Frühling wieder meine Arbeit aufzunehmen. Das Boot in Spanien an Land gestellt, Aufgaben verteilt und weitere notiert – Rückflug nach Deutschland. Somit sind die Geschichten vom Wasser eigentlich bis auf weiteres im Sommerschlaf. Richtig ranklotzen die nächsten vier oder fünf Monate über, damit sich der Spaß auch wieder finanzieren läßt. Für mindestens zwei Monate stand auch schon wage ein Arbeitsplan fest, das Team auch – frohgemut und sorgenfrei in den Sommer.

Am 12. Mai dann der Sturz. Sofia/Bulgarien. Dabei, mit einem Kollegen eine Gefahrenstelle abzusichern – ein falscher Tritt oder auf dem nassen Deck ausgerutscht, wer weiß das schon, stürzte ich durch die Öffnung.  Freier Fall, nein, Aufschlag auf die drunter liegende Gittertraverse.
Und seit dem?

Bergung unter erheblicher Selbstbeteiligung, der rechte Arm hängt dabei wie leblos an mir herab. Kein Gefühl, keine Bewegung möglich, die Gedanken dazu sind schrecklich. Mit der Fahrt ins Krankenhaus kommen auch die Schmerzen. Jede Unebenheit der Straße, jeder Randstein schlägt direkt durch in den Körper. In der Unfallaufnahme viele verletzte, meist ältere Bulgaren. Viel Leiden, Schmerzen, Jammern.
Dann, ein Arzt mit einem Röntgenbild in der Hand, „Ich habe schlechte Nachrichten für Sie. Der Arm ist mehrfach gebrochen, man muß das operieren. Schmerzen. Die Entscheidung, vor Ort operieren zu lassen oder Rücktransport nach Deutschland um dort weiter zu organisieren, wird mir belassen. Ich will von ihm nur wissen, ob sie das hier ohne weiteres machen können und wann. Das mache keine Schwierigkeiten, meint er. Ich stimme zu und so wird ein OP-Termin am nächsten Tag in Aussicht gestellt.

Wie ich später erfuhr: Rich Barr, unser SiteCo, schickte den lokalen Promoter los, alles zu unternehmen, damit „der Mann sofort operiert wird. Einen Tag zu warten ist unverzeihlich“. Eine Stunde später stehen vier Ärzte, einschließlich dem Klinikleiter um das Bett, der Begriff VIP ist heraus zu hören – VIP, das Zauberwort, ansonsten heftiger bulgarischer Wortwechsel aus dem ich nur Dobro (gut) verstehe. Am Ende übersetzt der Ich-werde-Sie-operieren dann ins englische: Man wird Sie jetzt fertig machen, in einer Stunde wird operiert.
Als ich vom Bett auf den OP-Tisch gehoben werde, durchzieht mich rasender Schmerz, als würde ich in Stücke gerissen. Auf dem Tisch liegend, die letzte Wahrnehmung vor der Dunkelheit: über mir an der Raumdecke Blutspritzer, viele hundert. Blutspritzer verschiedener Dichte und Intensität von vielleicht dreißig Jahren.

Beim Erwachen, zurück im Zimmer, der Arm am Bett fixiert. Stef, der Crew Chef, und Tilo stehen am Fußende und sie lächeln. Vielleicht wollen sie damit zeigen, daß ich nicht ganz so schlimm aussehe. Aus beiden Armen führen mehrere Schläuche.

Ans Bett, im Sinn des Wortes , gebunden, nur eine Liegestellung möglich, kommen nach einem Tag schon zu denen im Arm, Schmerzen im ganzen Rumpf.
Nach zwei Tagen, die Kostenübernahme ist wieder ungeklärt, da das Schreiben der Versicherung verschwunden ist. Ein junger Arzt, der sich alle Mühe gibt, blöd und arrogant zu wirken – was ihm auch gelingt – löchert mit Fragen, die längst an anderer Stelle beantwortet wurden. Mehrere der Rückfragen beantwortet er mit „Ich weiß nicht“. Als er dann gefragt wird, wer denn das wüßte, wer denn für Verwaltung und Rechnungsstellung zuständig wäre, antwortet er auch darauf, daß er das nicht wisse. Man sagt ihm nun, langsam und ganz deutlich, wenn er das alles nicht wüßte und eigentlich für das alles nicht zuständig sei, solle er doch bitte jetzt gehen und nicht die wertvolle Genesungszeit verschwenden. Darauf hin verliert er die Fassung und wird laut. Stef und Anna, die Dolmetscherin, haben einiges zu tun, ihn zu beruhigen und aus dem Zimmer zu schicken.

Am Freitag Morgen, kommt nochmal der Operateur, kündigt Verbandwechsel an und stellt in Aussicht, daß ich noch vor Mittag nachhause könne, nicht noch, wie geplant einen weiteren Tag bleiben müsse. „Es liegt bei Ihnen. Ihre Werte sind gut, auch kein Fieber, also spricht nichts dagegen.“
Stef bekommt einen Text mit den Neuigkeiten. Zwei Stunden später steht er mit einem Sack voll Geld im Krankenhaus, Anna im Geleit und beginnt alle Zahlstellen abzuklappern und Rechnungen einzusammeln.

Neue Füllung

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 26. Februar 2010 @ 12:19

Ich weiß ja nicht, wohin das führen wird, aber mein Netzmeister hat zu Beginn dieser Arbeit
unter anderem die Kategorie Technik eingefügt. Und seit heute ist da
nun ein erster, bescheidener Artikel drin.
Mal sehen, ob ich weiterhin auch in Sachen Technik das Eine oder Andere zu sagen habe.

Cartagena

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas @ 11:59

Wenn in der Schule – was schon eine ganze Weile her ist – vierunddreißig Mitschüler eine andere Ausarbeitung der Hausarbeiten hatte als ich, so war ich mir immer sicher der einzige zu sein, der richtig lag. Egal, ob das Hausarbeiten oder Schulaufgaben, mathematische oder schriftliche Ausarbeitungen, oft schien es so, daß ich der mit der einzig richtigen Lösung war. Ich war jedoch in Wirklichkeit der einzige mit der falschen Variante.
Wenn ich jetzt die Wettervorhersagen lese, und mir darüber klar werde, daß wir noch eine ganze Woche zu bleiben haben, bevor der Wind wieder dreht, ich gleichzeitig aber mitbekomme, daß drei andere Segler, von denen mindestens zwei in die gleiche Richtung wollen wie wir, überkommt mich wieder das Gefühl von den Hausaufgaben. Aber kann das denn sein, daß die so weit aufkreuzen wollen, bzw. heute Nacht ohne Wind dümpeln wollen?

CartagFassade059_N Derweilen bleibt Cartagena anzuschauen, und das lohnt sich allemal. Geschichtsträchtig, dessen bewußt, neugierig und übermütig – welches Adjektiv paßt da nun nicht zu einer Stadt? Einige hochrangige Museen, daraus hervor zu heben besonders, das MUSEO NACIONAL DE ARQUEOLGIA SUBNAUTICO. Vom Architekt schon gleich in den Keller, gleich Sub, gesetzt, die oberirdischen Gebäudeteile dienen nur der Zuführung von Tageslicht und urbanem Gesamtbild. Auf den ersten Blick nahezu leere Räume, wenige ausgesuchte und teils neu gefertigte Exponate an der lichtgefluteten Seite. Assoziative Lichtführung per LED-Video Panele durch Diffusionsfolie erweckt, wandfüllend, in den niederen, dunklen Raumbereichen. eine solche Wand unterbrochen durch großformatige Bildschirme, welche die unterschiedliche Arbeit der Unterwasserarchäologen zeigen. Auf einander aufbauende Stationen und dann, etwas unvermittelt, ein Schaukasten mit restaurierten Fundstücken. Weiter hinten dicke Glaszylinder, salzwassergefüllt und temperiert, mit Fundstücken im Fundzustand.
Interaktive Bildschirme auf Inseln angereiht, bis hin zur quadratmetergroßen Gesamtansicht des Mittelmeeres mit Stichwortspots, ebenfalls interaktiv per darüber hängendem Videobeamer. Da ist nirgends staubige, muffige Altlageratmosphäre.

CartagFaces_02_N Und dann – Architektur, urbanes Gesamtbild, die hier arbeitenden Planer schrecken wirklich vor nichts zurück. Historisches Stadtbild, ja, aber deswegen darf man ja trotzdem mit heutigem Wissen und zur Verfügung stehenden Technik arbeiten. Lebhafte, lebenswerte Modernität, Architekts Playground. Hier zeigen sie, was möglich ist und dazu gehören schon auch jene, die genehmigen müssen.
Modern, in Form von Moder ansetzen scheint hier wirklich keinen Platz zu haben. Es erfreut, beglückt mein Auge, der ich aus einer Gegend komme, in der Zuständige wie auch Architekten und Bauherrschaften vor lauter Historischen-Gesamtbid-Gequatsche schon in ihre Sessel hinein modern.

Ich verstehe zu wenig davon und es ginge zu weit, sich auch noch über die Kunst auszulassen. Jede Disziplin hat ihren Platz, jedoch die Skulpteure und die Sprayer fallen, weil im öffentlichen Raum, am meisten auf. Wie schon zuvor auf den Balearen auffiel – Spanien scheint seine Künstler nicht nur leben zu lassen, sondern gewährt ihnen auch Brot und etwas drauf zu schmieren.

Marilyn auf Cabrera

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 18. Februar 2010 @ 10:07

Cabrera, Ziegeninsel. Als solche eingerichtet von den Römern – ein lebender Vorratsschrank in präfrigeratorischer Zeit. Stille, Zurückgezogenheit, der perfekte Gegensatz zur Polis Palma. Wind, Berge, das Meer, alles geht sehr viel langsamer.
Cabrera_001_1 Nationalpark, zu dem man Genehmigung braucht. Wir sehen das nicht so eng, beantragen sie zwar, aber als aus dem zuständigen Büro in Palma keine Antwort kommt,  segeln wir trotzdem hin. Es ist ja Winter und solche Massen werden sich dort wohl nicht aufhalten wollen, nehmen wir an. Als wir uns im Inselbüro anmelden, werden wir nach der Genehmigung gefragt, sagen unser Sprüchlein auf und bekommen mit etwas peinlichem Ausdruck die Antwort, daß das leider sehr normal sei. Alba, eine der Angestellten übersetzt den verantwortlichen Schichtführer.
„Aber wir wollen das auch nicht so eng sehen, und Du hast ein großes Lächeln von mir, wegen der Marilyn“, meint er zu mir gewandt. Was immer da aus einer spanischen Redewendung ins englische übersetzt wurde, es hatte seine Bewandtnis damit, daß ich, sofort nachdem wir den Fuß an Land gesetzt hatten, im offenen Fenster eines Zimmers im ersten Stock des Hauptgebäudes eine Bildserie der MM entdeckte und durch mein Teleobjektiv genauer betrachtete. Das wiederum hat der Schichtführer bemerkt und sich gefreut. Er kam zu dieser Serie vor über fünfunddreißig Jahren, als er als Lehrbub der spanischen Nationalparkbehörde auf Lanzarote arbeitete. Es gibt da eine Verbindung: Marilyn, der Photograph, Lanzarote. Möglich, 1957, als sie mit Arthur Miller nach Europa kam, im Zuge der Dreharbeiten zu “The Prince and the Showgirl” mit Laurence Olivier. Weiß ich aber nichts darüber.
Jedenfalls, wir sind willkommen, man zeigt uns die Wege, welche wir allein gehen dürfen, welche, die nur in Begleitung und, dasSkeltt_oo1_1 Museum ist Winters geschlossen, aber wenn wir wollen sperre man für uns auf. Nach drei Tagen wollen wir und „man“ ist Alba und weiblich.  Auf dem wenigen Raum des ehemaligen Sitzes der letzten auf Cabrera lebenden Familie zeigt architektonischer Feinsinn Geschichte: Von durchgedrehten Mönchen des Mittelalters, die sich gegenseitig abmurksten, napoleonischen Gefangenen, die zu Tausenden – was wirklich schwer  vorstellbar ist anhand der Inselgröße – ohne ausreichend Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung hier gehalten, JBoeckler_001_1 schließlich verscharrt und vergessen wurden. Johannes Böckler, dem Flieger, dessen DO 127 in einer Nacht 1944 an Cabreras Küste runter ging und er wahrscheinlich nicht überlebte, seine Leiche aber als einzige nicht gefunden wurde. Er treibt sich seit dem nächtens um das Kastell herum, wissen die Bewohner, und daß er ein Guter sei, vor dem man sich nicht ängstigen müsse;
Wirtschaft, durch – inzwischen ehemalig – Landwirtschaft, auch mit dem Versuch von Weinbau, Fischerei, durch angestammte Rechte bis in die Gegenwart in einem präzisen Rahmen betrieben;
Flora und Fauna, einst und jetzt, mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen und praktischen Arbeit seit zwanzig Jahren. Mehrere natürliche Quellen machen diesen auf den ersten Blick gottlosen Felsen fast zum Paradies.
Ein Fischadler stürzt nicht weit neben dem Boot durch die Wasserdecke und hebt mit Beute in den Fängen gleich wieder ab. Einzig gestört durch die Kostgängerei der Korallenmöven.

Neulich am Markt

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 16. Februar 2010 @ 09:16

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Adios Mallorca

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 6. Februar 2010 @ 08:17

Es gäbe noch so vieles zu sehen, so vieles zu besuchen. Allein, die Frühlingsströme setzen ein und somit ist es Zeit zu gehen. Die sechs Wochen Schonzeit gehen dem Ende zu. Heute morgen um Fünf war von drüben, an der Avinguda etwas Grölen zu hören.
Man sollte sich ein nächstes Mal den Winter reservieren.

Mallorca

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 4. Februar 2010 @ 11:00

Kalt, kalt, kalt. Wäre nicht der Statthalter von Palma
und seine Frau, so hätte ich mich dieses ersten Eindrucks
nicht entledigen können.
Angefangen mit der Ansteuerung am 24. Januar, wobei der Ort
sich gegen unsere Ankunft zu sträuben schien.
Wie ein Trugbild schien die Stadt für Stunden nicht
heran rücken zu wollen, verschwand immer wieder
unter windgepeitschten Wolken.

Erste Begegnung mit Marinapersonal, das nicht eine helfende Hand
als erstes reicht, statt dessen einen Rechnungsblock.
Nur mit Mühe war zu erreichen, daß die beiden wieder abzogen,
uns in Ruhe ließen, da wir zu feiern hatten – Wiedersehen
nach einem Jahr.

Zweite Begegnung mit der Marinaverwaltung, die einen Preis
aus einer Liste zog, der mir die Knie weich werden ließ.
Auf meinen Einwand, daß doch Winter sei und sonst nichts los,
bekam ich nur Schulterzucken. Tumbe, stumpfe Augenblicke,
Befehlsempfänger ohne Reflexion.
Wie einst in der Karibik, als auf den Einwand, daß die
(umgerechnet) vier Euro für zwei Tomaten doch sehr viel Geld sei
geantwortet wurde: Wenn Dir das zu teuer ist,
wozu bist Du dann überhaupt hier?

Ein bißchen Atem holen, sich umsehen, der Maschine
Aufmerksamkeit geben. Kaum an Land, ist immer gleich so viel
zu erledigen. Überwältigt vom Monster Bucht-von-Palma.
Das ist was für Erwachsene, nicht für Träumer, denn das Monster
ist gefräßig.

Und dann die Überraschung, ausgerechnet der Königliche Yacht Club,
direkt in der Stadt, unterscheidet zwischen Winter und Sommer.
Freundlich, kompetent, und auch die Frau, die am Wartesteg
erscheint, abschätzt, hilfreich Anweisungen gibt, dann Aktion
erwartet. Einen Moment später steht sie am Platz und hält
eine Leine bereit. Das macht gleich wieder Freude.

Dreimal, und dreimal unterschiedlich kam ich hier her.
Einmal mit dem Flieger, ein anderes Mal mit dem Laster auf einer Fähre
und nun mit dem eigenen Boot. Jedes hat seine eigene Qualität,
aber immer wieder Palma. Palma ist eine Großartige,
einzig schon eine Reise wert.
Und dann eine Landpartie mit dem Auto, gleich zwei
Tage hintereinander. Geruhsam ins Gebirge, leere Straßen, wie gut,
daß sie es sind – so schmal und kurvig.

Mittagessen im Lokal, wo auch die Bauarbeiter sitzen, dazu Wein
und Sonne und unvergleichlich blauen Winterhimmel.
Und auch das wäre eine eigene Reise, hinauf ins Tramontana.
Abseits der Straßen, wo die Wege einsam werden und wild,
würde Ludwig-Salvator, der Erzherzog noch mal daher spazieren.
Der mit seinem Geist, seinem Forscherdrang und seiner Liebe
die Balearen ans Licht erhob.

Mahon – Palma

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 30. Januar 2010 @ 11:23

Regen, und Wind im Genick und eine kalte Nacht. Und viel zu schnell auf einmal. Nach Porto Colom wollten wir, und da wollten wir zeitig morgens ankommen. Statt dessen standen wir abends um Zehn praktisch schon vor dem Hafen. Nachts wollten wir dort aber wegen der etwas seltsamen Wassertiefen nicht einfahren, und so entschieden wir kurzerhand, daß es uns egal ist, ob dort der angeblich letzte ursprüngliche Fischerhafen der Insel liegt.
Es ist wirklich kalt in dieser Nacht, das fährt in die Knochen. All die hochaktiven, kunststöfflichen Kleidungsneuheiten kommen da gerade recht. Und natürlich Leberwurstbrote. Des Nachts im Cockpit eine Dose Leberwurst vom heimatlichen Metzger aus dem Schwalbennest gezaubert, eine frische Zwiebel dazu und Brot noch vom letzten Tag – das ist schon fast wie im Himmel.
Dann bleibt noch Cabrera, eine geschützte Insel im Südosten Mallorcas – ein paar Tage von der Stille nehmen, bevor wir in den Trubel von Palma stürzen. Aber auch das ließen wir im frühen Morgen liegen, machten uns statt dessen an die letzten 28 Meilen. Der Wind hielt ja die ganze Nacht durch, in Stärke und Richtung, so daß wir glaubten, bis Mittag vor einer der Marinas in der großen Bucht stehen zu können. Aber man soll ja die Rechnung nie ohne den Wirt machen; der Wind drehte in den nächsten beiden Stunden etwas ein, legte auch gleich noch etwas zu, so daß die Strecke bis Cabo Blanco noch gut anzuliegen war, aber die eigentliche Bucht von Palma zum Kraftakt wurde.

„Kreuzen ist etwas für Idioten und Christen“, habe ich da jemand im Ohr, aber wir machten uns trotzdem daran. Ziemlich ernsthaft sogar, für zwei Stunden, von einem Ende der Bucht zum anderen, wieder zurück und gleich noch mal – der Höhengewinn dabei: lächerlich. Dann kam wieder der Motor dran, und der mußte richtig ran. Segel runter und „Hebel auf den Tisch“, wie so manche mit ihren 40 PS Motoren zu sagen pflegen. Aber der Wind nahm stetig zu, die Wasseroberfläche wurde weißlich und unsere 75 PS brachten teilweise nur 1,9 Knoten ein. Die Bucht von Palma sprach ihren Willkommensgruß. Eine ganze Weile ging das so, die Küstenlinie wurde unmerklich schärfer, zeitweise, dann versank sie wieder im Dunst der tief hängenden Wolken und als wir endlich daran gehen konnten, die Koordinaten richtig zu stellen, begann der Diesel wieder Zicken zu machen. Drehzahl und Leistung gingen runter, schwankten, fast genau so wie letztens vor Mahon. Und unter den gleichen Bedingungen.
Weil die Zeit eine neue ist, habe ich alsbald Kontakt zum Statthalter Palmas, welcher mir rät, „Mach es wie die Christen, erstmal, und wenn Du dann vor der Einfahrt bist mach ich Dir was, da fällt mir schon was ein“. Der Hafen von Can Pastilla ist nicht gerade die Tiefe selbst, und mit Zwodreißig Tiefgang wird es dort stellenweise schon knapp. Zusammen mit dem schlaff werdenden Motor – ist das denn nicht eigentlich ein Segelboot? Nein, vergiß es, nostalgischer Quatsch, in solch enge Häfen wie heute segelt man nicht mehr hinein – auf jeden Fall hochinteressant.
Der Statthalter steht bereit an der äußeren Pier, es klappt weiterhin bis zur Einfahrt, erst dort stirbt die Maschine ab und auch das erst, als wir schon auf der erstbesten Untiefe genau in der Einfahrt fest hängen. Ähnlich wie bei einem Fahrgeschäft auf der Kirmes schaukeln wir uns frei, mittels Vorsegel fieren und dicht holen. Anlegen wird durch die geworfene Landleine über eine Winsch besorgt.

Noch so ‘n Durst

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 23. Januar 2010 @ 16:47

Kann sein, daß ich in letzter Zeit etwas oft die Alexander-von-Humboldt erwähne, aber seit ich auf der De-Store-Björn war, ist sie für mich wieder sehr präsent. Und die 2000 Meilen, die ich vorletztes Jahr im Frühling auf der “ALEX“ über den Atlantik mitsegeln konnte, beeindrucken mich nachhaltig. Das war ein zweieinhalbwöchiger Dauerkick und so was kann ich jedem nur empfehlen.
Und niemand wird, nachdem er (oder sie) zum Beispiel drei Stunden bei Wind der Stärke 7 und rollendem Schiff in einem der Masten gearbeitet hat – die Rahen der Groß-Royal oder Groß-Sky sind immerhin in 25, bzw. 28 Meter Höhe über Wasser – noch ernsthaft behaupten, daß ihm vor Langeweile die Ohren abfaulen.

Aber der Reihe nach, oder, wo es eigentlich her kommt. Aus den beiden Nächten, die wir wieder auf See verbracht haben.
Zu zweit ist auch immer ein wenig Einhand, denn eins von beiden schläft oder wenigsten ruht meistens. Und dann verbringt man große Teile der Tagesstunden mit sich allein. Sinnierend, an Ideen grübelnd, mit sich selbst im Gericht – es kommt da ja so einiges in den Sinn. Auch die immer wieder auftauchenden Fehler.

„Seefahrt. Donnerstag, den 29. März.
Nicht wie bei dem letzten Abgange des Paketboots wehte diesmal ein förderlicher frischer Nordost, sondern leider von der Gegenseite ein lauer Südwest, der allerhinderlichste; und so erfuhren wir denn, wie der Seefahrer vom Eigensinne des Wetters und Windes abhängt. Ungeduldig verbrachten wir den Morgen bald am Ufer, bald im Kaffeehaus; …..“ Das schreibe nicht ich, das schrieb Goethe gelegentlich seiner Überfahrt nach Sizilien, 1788.
Erst zwei, dann vier und schließlich sieben Tage verbrachten wir in Carloforte, auf der Isola di San Pietro, vor der Südwestküste Sardiniens. Sieben Tage warten auf Wind und sechs davon im Regen. Spaziergänge, Essen und Trinken, offen gelassene Netzzugänge finden, 2010. Und dann war es auch wirklich gut, wir wollten ja nicht der übermäßigen Kultur wegen dort sein.
Zu einem versprochenen Nordwind, welcher zwar dann von Stunde zu Stunde schwächer werden sollte, raus – zweieinhalb Meilen gegenan sollten uns dabei nicht stören, danach wäre ja dann fast Halbwind. Nach knapp zwei Stunden ganz frei von der Insel, Motor aus, Wind paßt, hinein in die Nacht. Sternenhimmel, Wind, weit und breit kein anderer zu sehen.
Bald aber zog sich der Himmel zu, der Wind nahm zu statt ab und drehte gegen morgen immer mehr nach Nordwest. Von Stunde zu Stunde höher am Wind um schließlich, nicht mehr haltbar, doch den Kurs zu ändern. Schließlich sollten wir ja in einen Bereich von Westwind kommen, welcher uns dann schon nach Nordwest bringen wird. Mit dem machen wir dann die verlorenen Meilen locker wieder gut.
Vom italienischen Bereich zu den Balearen scheint man sich schon durch unterschiedliche Wettergebiete zu bewegen. Was sich davon schon auf der Wetterkarte zeigt, kann in der Realität etwas frustrierend wirken.
Statt West ging der Wind immer mehr auf Nordwest, die angepeilte Fahrtrichtung.
Dreifacher Weg oder Diesel? Es soll ja welche geben, die nichts lieber tun als aufkreuzen. Das mag auch seinen Reiz haben, wenn man nicht schon gleich um das nächste Starkwetter weiß. Der Löwengolf sollte schon bald seinen schlechten Atem voraus schicken.
Also, hoch an den Wind, soweit es geht, und was dann noch an Tempo fehlt, bringt der Diesel. Und das kann er von mir aus auch vierundzwanzig Stunden machen, wenn es sein muß. Schließlich habe ich Gründe, um eben genau, und genau jetzt zu den Balearen zu wollen. Und im Geheimen verspreche ich mir: wenn erst mal die Balearen erreicht sind, wird sich immer ein Wind finden um den Süden Spaniens zu erreichen und Gibraltar.
But anyway, …. what shell we do with the drunken sailor,
… spend my money on Sally Brown; …
she sleeps all day and works all night,
in the Cally old marina, Serafina,
she smokes just like a chimneys deck, Serafina …

… gute Stunden mit dem Skipper der De-Store-Björn gehabt. Man trifft so Leute, bei denen man denkt: Du triffst die wahrscheinlich nie wieder, aber jede Minute jetzt ist ein Geschenk. Vielleicht Brüder im Geiste. So lange schon wieder her, aber in jedem Fall ist die Trennung, kaum daß man sich getroffen hat, schwer. Vielleicht wenn, im Gegensatz zu den herrschenden Plänen, das Schiff die mediteranen Gewässer verläßt und dann, irgendwo … Karibik, Brasilien oder wer weiß denn schon …
Aber noch sind wir ja auch selbst noch nicht raus. Mahon, Menorca.

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