Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Ohne Worte

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 15. April 2011 @ 13:45

Da liegen Yachten für hunderttausende eines Geldwertes,
poliert und herausgeputzt, teuerste Elektronik, Lazy Bags,
Biminis, glanzpolierte Edelhölzer. Festmacherleinen jedoch,
so alt und steif, dass man mit Leichtigkeit einen Meter da-
von aufrecht hinstellen kann, ohne dass sie um- oder in sich
zusammenfallen würde.

Eine ganze Rolle mit hundertzehn Metern einer guten, neuen
Leine haben wir gekauft, zum Preis einer dreißig Meter Fall.
Zwei Stunden hinsetzen, für’s Ablängen und ein paar Aug-
spleiße zu fertigen. Beim Aufrollen der alten Leinen – die Neuen
sind so weich und mühelos um die Klampen gerutscht – wir
mussten loslachen über so langen Geiz und Nachlässigkeit.
Als die Alten weggebracht waren, betrachtete ich am Rückweg
die Festmacherleinen unserer teuerprotzglänzenden Nachbarn
einmal genauer und konnte dabei nur noch den Kopf schütteln
– ohne Worte, überall das Gleiche.

Wasser im Herzen

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 11. April 2011 @ 18:35

Eigentlich wollten wir nun endlich den Rio rauf motoren. Samstag und Sonntag war
uns zu bewölkt und wir wollten ja schon eine schöne Sonnenfahrt. Mit der Flut um
die Mittagszeit hinaus.
Dann würgte der Motor wieder so unerträglich bei den ersten Umdrehungen. Kam
aber schliesslich zum Laufen und hörte sich auch gut an. Ich war früh dran mit dem
Startversuch, denn es sollte dann alles zügig laufen bei der Abfahrt. Nach dem
Warmlauf zog ich den Ölmessstab und damit den Hauptgewinn des Tages: Gehen Sie
nicht über Los, legen Sie schon mal Geld bereit und ziehen Sie den Blaumann über!

Wasser im Öl, und das nicht zu knapp. Das Gleiche hatten wir schon mal am 27. März.
Mit zwei Tagen Verspätung wollten wir auch da los, nach Osten zum Grenzfluss. Beim
Motorstart schaffte dieser noch nicht mal eine Umdrehung. Schock-schwere-Not, was
ist das denn. Es war der Gedanke des Navigators – keine Umdrehung des Motors – mal
nach dem Ölstand zu sehen. Am oberen Ende des Messstabs das schwarze Öl zu sehen,
der untere Teil jedoch bis zur Maximalmarkierung glasklar feucht und schmeckte nach
Salz. Wie sich bald herausstellte, waren die Zylinder drei und vier randvoll mit Wasser,
Zylinder zwei halbvoll. Eine schöne Sauerei gab das beim Abpumpen. Als der Diesel-Rudi
trocken gelegt war und mit neuem Öl befüllt, lief er auch wieder anstandslos. Nach nur
vier Stunden eigentlich abfahrbereit.

Und nun wieder. Dabei keine Erklärung, wie all das Wasser in das Kurbelgehäuse gelangen
konnte. Also, wieder nicht abreisen, den Blaumann übergezogen und die Hände in die
Pampe getaucht. Wir reden in diesem Fall wirklich von Pampe, denn im Gegensatz zum
ersten Mal war der Diesel jetzt schon warmgelaufen. Neuerlich Wasser eingedrungen –
unbemerkt – mischte sich fleißig mit Motoröl. Die Pumpe machte das auch wirklich
gründlich, denn dabei heraus kam: eine graue, dickliche Masse, von keiner anderen
Pumpe mehr wirklich packbar. Ich könnte mir vorstellen, dass auf diese Weise Fensterkitt
hergestellt wird.
Es erforderte vier Stunden, um dieses kittähnliche Gemisch mittels zweier parallel
arbeitender Pumpen abzu……, nein, es war es war schon eher herausbetteln. Kipphebel
und Ventilschäfte waren ebenso verschmiert. Hier konnte man mit einem Kaffeelöffel
hantieren.
Nach sechs Stunden neues Öl auffüllen, warm laufen lassen und danach nochmal Ölwechsel.
Was dabei zum Vorschein kam, war immer noch grau und geschäumt, aber schon so
dünnflüssig, dass es von der Handpumpe leicht bewältigt wurde. Wenig später war noch
einmal frisches Öl warm gelaufen, doch diese Füllung blieb sauber, so sauber sogar, dass
keine dunklen Rückstände mehr zu bemerken waren.

Was dabei aber wesentlich zu klären war: wie kommt das Wasser ins Öl? Wohl gemerkt,
kein süßes Glykolgemisch, sondern Brackwasser, also eine Mischung aus Seewasser und
dem der Flussmündung.
Bei einer Zweikreiskühlung befindet sich nach dem Wärmetauscher ein Abgassammler.
Darin wird Abgas mit Seewasser vermischt, um dann, um einiges gekühlt weiter durch
Schläuche, Wassersammler und Schwanenhals nach außen geführt. Dass dabei nach abstellen
des Motors Wasser zurücklaufen, oder gar bei den letzten Umdrehungen über die
Auslassventile angesaugt werden kann, davon habe ich mal gehört, wußte aber nicht wie
und warum.
Die Lösung zeigte mir John auf, ein holländischer Händler, der zusammen mit seiner Frau
vor zwanzig Jahren in Ayamonte hängen blieb und hier eine Ship Chandlery betreibt.
„Deine Reparatur war zu gut, das System ist nun zu dicht“, sagte er. Gemeint war die
Überholung unserer Seewasserpumpe. Seit dem ging absolut kein Tropfen des äußeren
Kreislaufs mehr daneben. Knochentrocken sozusagen, geschlossener Kreislauf. Und das
hat mich auch sehr gefreut. Da war nichts mehr mit Bilge auspumpen nach soundsoviel
Stunden Motorlaufzeit. Aber eben auch so nicht so ganz perfekt.
Abhilfe bringt nun ein kleines Vakuumventil, welches in die Leitung eingefügt wird.
Dazu da, um nach dem Abstellen der Maschine die Wassersäule zu unterbrechen.

Zum Rio

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 3. April 2011 @ 12:42

Um 23.00 am 21. März standen wir vor der Einfahrt zu Fluss, dem Rio Guadiana, so dachten
wir. Einfahrtstonnen, rot und grün, Blinklichter, alles klar, lass uns mal reinschauen,
vielleicht finden wir ja vor oder kurz hinter Ayamonte gleich ein hübsches Ankerplätzchen.

Wie war das noch mit der Einfahrt und der Betonnung, und warum sind eigentlich keine
weiteren Fahrwassertonnen zu erkennen? Genau an die Tonnen halten, denn links und rechts
davon sind reichlich Sandbänke. Aha, Sandbänke, genau das Wort hat mir jetzt noch gefehlt.
Zwei voneinander entfernt liegende dunkle Bereiche, von denen ein jeder der breite Fluss
sein könnte, dazwischen Bereiche mit Massen an Lichtquellen und darin hinein gestreut,
rote und grüne Blinklichter, wie wild durcheinander, vermeintlich an Stellen, wo sie eigentlich
gar nicht sein sollten. Außerdem fehlt die Mauer, der Wellenbrecher, der die Mündung nach
Westen abschirmt, mit rotem Blinklicht an der Kopfseite. In Verlängerung der Mauer, aber an
Land ist der Leuchtturm, 51 Meter hoch, mit weißem Blinklicht. Das alles eigentlich nicht zu
übersehen.

Wassertiefe plötzlich nur noch zwei Meter. Gut, zwei Meter unter der Kielsohle, aber Land.Eins-fünfzig, eins-zwanzig, null-neunzig, fünfzig, dreißig Zentimeter, gmmpf, aufgesessen. Wellen,
Brandung, Welle und wieder frei. Zwanzig Meter weiter wieder fest. Wieder Welle, wieder
frei. Verdammt, nichts wie rum und weg von hier. Und genau den Weg raus – wer’s glaubt – den
wir rein sind.Das ist oberfalsch, irgendwas war uns da entgangen. Aber ein paar Minuten später
sind wir raus, wieder in tieferem Wasser, die Wellen werden ruhiger – Glück gehabt.

Bevor wir noch so einen halbseidenen Versuch wagen, mit Unkenntnis bei Nacht da einzufahren,
entscheiden wir, bis zum Anbruch des Morgens auf und ab zu segeln. Keine rosige Aussicht,
es bleiben noch über sieben Stunden bis Sonnenaufgang, der Wind hat zugenommen, aber es
hilft ja nichts, andere vor uns mussten das auch schon machen. Bei Helligkeit löst sich das alles
wahrscheinlich wie von selbst.Jeder drei Stunden steuern, der andere kann ruhen. An richtigen
Schlaf ist ohnehin nicht zu denken. Mit kleinen Segeln, nur nicht zu schnell, denn das Ganze
müssen wir ja wieder zurück. Nach vier Stunden Wende. Der Wind hat weiter zugenommen, es
steht schon eine ganz anständige Welle, nein, die Richtung hat er auch etwas geändert,
jetzt müssen wir schon ein Dreieck segeln. Und gegen an ist jetzt schon ganz schön nass. Andererseits, da vorn dürfte schon Faro sein. Da könnten wir rein, gleich hinter dem
Wellenbrecher ankern und bei Helligkeit wieder zurück.


Weit vorn zu sehen ist eine Reihe kleiner Blinklichter, dann noch eine. So klein? Klein, oder
weit weg, am besten ausweichen, landseitig liegen lassen. Ich habe noch zwei Stunden,
schicke Suzanne runter und mich ans Steuerrad.Wieder Blinklichter, kleine, also weit weg,
aber man sieht sie schon tanzen auf den Wellen, nicht darin verschwinden. Kleine Lichter,
nah, Netze? Verdammt, rumpel, rumpel, „Scheiei….!“ und übergelegt, und wieder zurück,
und fest. Keine Fahrt mehr. Links und rechts vom Boot, vielleicht je fünfzig Meter entfernt:
Blinklichter, ein weißes und ein grünrotes, etwas weiter weitere weiße. Fast gleichzeitig sind wir wieder vollzählig an Deck. Was tun? Die Wellen drücken uns nieder, das Netz hält feste, und die daran angebrachten Schwimmer rumpeln am Bootsboden, als wollten sie ihn zerschlagen. Geh runter, zerschneide das Halteseil, und dann mal sehen“, meint Suzanne. Kein Weg, das Seil ist wahrscheinlich ein Stahlseil und wenigstens einen Zentimeter stark. Trotzdem nehme ich den Fischhaken und versuche, das Seil zu fangen.
Gelingt mir aber nicht. Das Boot legt sich immer weiter über, die Wellen drücken auch von
hinten und so kommt es zu Bocksprüngen. Aber keiner reicht aus, um frei zu kommen.

Der erste Mayday-Ruf meines Seglerlebens. Mann, ist das peinlich, und mir wird schlecht.

Wir, die so-und-so, haben die-und-die Position und stecken in einem vermutlich Tunfischnetz.
Der Mann am anderen Ende bleibt aber klar und fragt nach Details. Das war Radio Faro.
Etwas später meldet sich Radio Lissabon, kaum zu verstehen, so schlecht ist die Verbindung,
dann wieder Radio Faro. Vier, fünf Mal geht das so hin und her, dann verspricht man, ein
Boot zu schicken.

Warten. Nach einer Stunde des Schaukelns, Rollens und Rumorens sehe ich plötzlich, dass die
Schwimmerreihe des Netzes nicht mehr unter dem Bootsheck, sondern ein paar Meter
dahinter verläuft. Überraschung, Hoffnung, Unglaube.Unter dem Boden rumort es weiterhin,
aber komisch sieht das schon aus.Nach weiteren fünf Minuten wird es still. Der letzte Schwimmer- ausleger hat sich gelöst, wir sind frei. Letztlich hatte sich das Boot unter dem Druck der Wellen
und des Windes so weit übergelegt, dass die Reling des erhöhten Achterdecks schon an der Wasseroberfläche anstand. Das muss bewirkt haben, dass das Boot frei kam, denn anders
lässt es sich kaum erklären.Nun konnten wir die kleinen Segel einholen, dann starte ich den
Diesel. Springt sofort an, läuft rund, Gang rein. Hört sich etwas seltsam an, aber kein Schlagen
kündet von Unwucht und mit etwas mehr Gas nimmt das Boot Fahrt auf. Schwer zu glauben,
aber es scheint alles heile. Sollen wir schon entwarnen? Nach ein paar Bootslängen Fahrt mit
starken Rudereinschlägen – das Boot reagiert gut – greife ich wieder zum Funk, diesmal
erleichtert.
Eine halbe Stunde später bemerken wir ein Boot, das uns anscheinend folgt. Suzanne
kümmert sich darum, und ich um die Position und einen neuen Kurs.

Das Boot, es ist ein Life-Guard, wird uns schließlich in weiter Umfahrung zu Einfahrt der
Lagune von Faro-Olhao geleiten. Dort, bei nun Wind 5 aus Südost, zwei Meter Wellen, die
über dem flachen Grund höher werden, und ablaufender Tide herrscht direkt in der Einfahrt
Brandung und vier Meter Welle.„Es ist Eure Entscheidung“, sagen die beiden Vom Life-Guard.
„Nach elf Uhr wird es wahrscheinlich ruhiger.“ Wir entscheiden, gegen diese Masse nicht
mit lausigen 75 PS angehen zu wollen.

Seewasserpumpe

Abgelegt unter: Technik — Lukas 1. April 2011 @ 20:19

21103Seewasserpu_002

„Ich habe irgendwann eine Neue gekauft, darum wirst Du einfach nicht herum kommen“, meinte
unser Freund aus Zürich. Weiter mit der ständigen Leckage zu fahren, sei auch keine Lösung.
Die Pumpe hat schon leicht geleckt, nachdem der Motor in der Türkei wieder instand gesetzt war.
Mit der Zeit immer mehr, und schließlich musste nach längerer Motorlaufzeit aus der Bilge abgepumpt werden. Lästig allemal.
In Cádiz war Zeit für all solche Kleinigkeiten, also nahm ich an einem dieser Tage auch die Seewasserpumpe ab und zerlegte sie. Die beiden Simmerringe sahen im Prinzip nicht so schlecht aus, konnten aber ihrer Bestimmung nicht mehr nachkommen, da die Welle schon abgenutzt war. Eine Nachfrage bei der örtlichen Werkstatt nach dem Preis einer neuen Pumpe ergab – dass ich mich erst
mal auf den Hintern gesetzt habe. Ich wollte doch nur so eine kleine Pumpe, ein simples Teil eigentlich, ohne grosses Drumherum. Der Mechaniker machte mir auch wenig Hoffnung, dass, wenn ein Reparatursatz zu besorgen wäre, dieser soviel billiger wäre wie eine ganze Pumpe. Aber dann waren da Feiertage und die Leute bei den entsprechenden Händlern nicht erreichbar.
Also nahm ich die Pumpe beim nächsten Flug mit nach Deutschland und fragte bei einem Händler dort nach den Preisen. Dies ergab einmal, dass die Pumpe auch dort auf den Cent genau so viel kostet wie in Spanien, und andererseits, dass der Reparatursatz einfach zu besorgen und 300 Euro weniger kostet als das komplette Teil.
Das Umbauen mit den neuen Ersatzteilen ist dabei ein Kinderspiel.