Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Marilyn auf Cabrera

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 18. Februar 2010 @ 10:07

Cabrera, Ziegeninsel. Als solche eingerichtet von den Römern – ein lebender Vorratsschrank in präfrigeratorischer Zeit. Stille, Zurückgezogenheit, der perfekte Gegensatz zur Polis Palma. Wind, Berge, das Meer, alles geht sehr viel langsamer.
Cabrera_001_1 Nationalpark, zu dem man Genehmigung braucht. Wir sehen das nicht so eng, beantragen sie zwar, aber als aus dem zuständigen Büro in Palma keine Antwort kommt,  segeln wir trotzdem hin. Es ist ja Winter und solche Massen werden sich dort wohl nicht aufhalten wollen, nehmen wir an. Als wir uns im Inselbüro anmelden, werden wir nach der Genehmigung gefragt, sagen unser Sprüchlein auf und bekommen mit etwas peinlichem Ausdruck die Antwort, daß das leider sehr normal sei. Alba, eine der Angestellten übersetzt den verantwortlichen Schichtführer.
„Aber wir wollen das auch nicht so eng sehen, und Du hast ein großes Lächeln von mir, wegen der Marilyn“, meint er zu mir gewandt. Was immer da aus einer spanischen Redewendung ins englische übersetzt wurde, es hatte seine Bewandtnis damit, daß ich, sofort nachdem wir den Fuß an Land gesetzt hatten, im offenen Fenster eines Zimmers im ersten Stock des Hauptgebäudes eine Bildserie der MM entdeckte und durch mein Teleobjektiv genauer betrachtete. Das wiederum hat der Schichtführer bemerkt und sich gefreut. Er kam zu dieser Serie vor über fünfunddreißig Jahren, als er als Lehrbub der spanischen Nationalparkbehörde auf Lanzarote arbeitete. Es gibt da eine Verbindung: Marilyn, der Photograph, Lanzarote. Möglich, 1957, als sie mit Arthur Miller nach Europa kam, im Zuge der Dreharbeiten zu “The Prince and the Showgirl” mit Laurence Olivier. Weiß ich aber nichts darüber.
Jedenfalls, wir sind willkommen, man zeigt uns die Wege, welche wir allein gehen dürfen, welche, die nur in Begleitung und, dasSkeltt_oo1_1 Museum ist Winters geschlossen, aber wenn wir wollen sperre man für uns auf. Nach drei Tagen wollen wir und „man“ ist Alba und weiblich.  Auf dem wenigen Raum des ehemaligen Sitzes der letzten auf Cabrera lebenden Familie zeigt architektonischer Feinsinn Geschichte: Von durchgedrehten Mönchen des Mittelalters, die sich gegenseitig abmurksten, napoleonischen Gefangenen, die zu Tausenden – was wirklich schwer  vorstellbar ist anhand der Inselgröße – ohne ausreichend Wasser, Nahrungsmittel und medizinische Versorgung hier gehalten, JBoeckler_001_1 schließlich verscharrt und vergessen wurden. Johannes Böckler, dem Flieger, dessen DO 127 in einer Nacht 1944 an Cabreras Küste runter ging und er wahrscheinlich nicht überlebte, seine Leiche aber als einzige nicht gefunden wurde. Er treibt sich seit dem nächtens um das Kastell herum, wissen die Bewohner, und daß er ein Guter sei, vor dem man sich nicht ängstigen müsse;
Wirtschaft, durch – inzwischen ehemalig – Landwirtschaft, auch mit dem Versuch von Weinbau, Fischerei, durch angestammte Rechte bis in die Gegenwart in einem präzisen Rahmen betrieben;
Flora und Fauna, einst und jetzt, mit den Ergebnissen der wissenschaftlichen und praktischen Arbeit seit zwanzig Jahren. Mehrere natürliche Quellen machen diesen auf den ersten Blick gottlosen Felsen fast zum Paradies.
Ein Fischadler stürzt nicht weit neben dem Boot durch die Wasserdecke und hebt mit Beute in den Fängen gleich wieder ab. Einzig gestört durch die Kostgängerei der Korallenmöven.

Neulich am Markt

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 16. Februar 2010 @ 09:16

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Adios Mallorca

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 6. Februar 2010 @ 08:17

Es gäbe noch so vieles zu sehen, so vieles zu besuchen. Allein, die Frühlingsströme setzen ein und somit ist es Zeit zu gehen. Die sechs Wochen Schonzeit gehen dem Ende zu. Heute morgen um Fünf war von drüben, an der Avinguda etwas Grölen zu hören.
Man sollte sich ein nächstes Mal den Winter reservieren.

Mallorca

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 4. Februar 2010 @ 11:00

Kalt, kalt, kalt. Wäre nicht der Statthalter von Palma
und seine Frau, so hätte ich mich dieses ersten Eindrucks
nicht entledigen können.
Angefangen mit der Ansteuerung am 24. Januar, wobei der Ort
sich gegen unsere Ankunft zu sträuben schien.
Wie ein Trugbild schien die Stadt für Stunden nicht
heran rücken zu wollen, verschwand immer wieder
unter windgepeitschten Wolken.

Erste Begegnung mit Marinapersonal, das nicht eine helfende Hand
als erstes reicht, statt dessen einen Rechnungsblock.
Nur mit Mühe war zu erreichen, daß die beiden wieder abzogen,
uns in Ruhe ließen, da wir zu feiern hatten – Wiedersehen
nach einem Jahr.

Zweite Begegnung mit der Marinaverwaltung, die einen Preis
aus einer Liste zog, der mir die Knie weich werden ließ.
Auf meinen Einwand, daß doch Winter sei und sonst nichts los,
bekam ich nur Schulterzucken. Tumbe, stumpfe Augenblicke,
Befehlsempfänger ohne Reflexion.
Wie einst in der Karibik, als auf den Einwand, daß die
(umgerechnet) vier Euro für zwei Tomaten doch sehr viel Geld sei
geantwortet wurde: Wenn Dir das zu teuer ist,
wozu bist Du dann überhaupt hier?

Ein bißchen Atem holen, sich umsehen, der Maschine
Aufmerksamkeit geben. Kaum an Land, ist immer gleich so viel
zu erledigen. Überwältigt vom Monster Bucht-von-Palma.
Das ist was für Erwachsene, nicht für Träumer, denn das Monster
ist gefräßig.

Und dann die Überraschung, ausgerechnet der Königliche Yacht Club,
direkt in der Stadt, unterscheidet zwischen Winter und Sommer.
Freundlich, kompetent, und auch die Frau, die am Wartesteg
erscheint, abschätzt, hilfreich Anweisungen gibt, dann Aktion
erwartet. Einen Moment später steht sie am Platz und hält
eine Leine bereit. Das macht gleich wieder Freude.

Dreimal, und dreimal unterschiedlich kam ich hier her.
Einmal mit dem Flieger, ein anderes Mal mit dem Laster auf einer Fähre
und nun mit dem eigenen Boot. Jedes hat seine eigene Qualität,
aber immer wieder Palma. Palma ist eine Großartige,
einzig schon eine Reise wert.
Und dann eine Landpartie mit dem Auto, gleich zwei
Tage hintereinander. Geruhsam ins Gebirge, leere Straßen, wie gut,
daß sie es sind – so schmal und kurvig.

Mittagessen im Lokal, wo auch die Bauarbeiter sitzen, dazu Wein
und Sonne und unvergleichlich blauen Winterhimmel.
Und auch das wäre eine eigene Reise, hinauf ins Tramontana.
Abseits der Straßen, wo die Wege einsam werden und wild,
würde Ludwig-Salvator, der Erzherzog noch mal daher spazieren.
Der mit seinem Geist, seinem Forscherdrang und seiner Liebe
die Balearen ans Licht erhob.

Mahon – Palma

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 30. Januar 2010 @ 11:23

Regen, und Wind im Genick und eine kalte Nacht. Und viel zu schnell auf einmal. Nach Porto Colom wollten wir, und da wollten wir zeitig morgens ankommen. Statt dessen standen wir abends um Zehn praktisch schon vor dem Hafen. Nachts wollten wir dort aber wegen der etwas seltsamen Wassertiefen nicht einfahren, und so entschieden wir kurzerhand, daß es uns egal ist, ob dort der angeblich letzte ursprüngliche Fischerhafen der Insel liegt.
Es ist wirklich kalt in dieser Nacht, das fährt in die Knochen. All die hochaktiven, kunststöfflichen Kleidungsneuheiten kommen da gerade recht. Und natürlich Leberwurstbrote. Des Nachts im Cockpit eine Dose Leberwurst vom heimatlichen Metzger aus dem Schwalbennest gezaubert, eine frische Zwiebel dazu und Brot noch vom letzten Tag – das ist schon fast wie im Himmel.
Dann bleibt noch Cabrera, eine geschützte Insel im Südosten Mallorcas – ein paar Tage von der Stille nehmen, bevor wir in den Trubel von Palma stürzen. Aber auch das ließen wir im frühen Morgen liegen, machten uns statt dessen an die letzten 28 Meilen. Der Wind hielt ja die ganze Nacht durch, in Stärke und Richtung, so daß wir glaubten, bis Mittag vor einer der Marinas in der großen Bucht stehen zu können. Aber man soll ja die Rechnung nie ohne den Wirt machen; der Wind drehte in den nächsten beiden Stunden etwas ein, legte auch gleich noch etwas zu, so daß die Strecke bis Cabo Blanco noch gut anzuliegen war, aber die eigentliche Bucht von Palma zum Kraftakt wurde.

„Kreuzen ist etwas für Idioten und Christen“, habe ich da jemand im Ohr, aber wir machten uns trotzdem daran. Ziemlich ernsthaft sogar, für zwei Stunden, von einem Ende der Bucht zum anderen, wieder zurück und gleich noch mal – der Höhengewinn dabei: lächerlich. Dann kam wieder der Motor dran, und der mußte richtig ran. Segel runter und „Hebel auf den Tisch“, wie so manche mit ihren 40 PS Motoren zu sagen pflegen. Aber der Wind nahm stetig zu, die Wasseroberfläche wurde weißlich und unsere 75 PS brachten teilweise nur 1,9 Knoten ein. Die Bucht von Palma sprach ihren Willkommensgruß. Eine ganze Weile ging das so, die Küstenlinie wurde unmerklich schärfer, zeitweise, dann versank sie wieder im Dunst der tief hängenden Wolken und als wir endlich daran gehen konnten, die Koordinaten richtig zu stellen, begann der Diesel wieder Zicken zu machen. Drehzahl und Leistung gingen runter, schwankten, fast genau so wie letztens vor Mahon. Und unter den gleichen Bedingungen.
Weil die Zeit eine neue ist, habe ich alsbald Kontakt zum Statthalter Palmas, welcher mir rät, „Mach es wie die Christen, erstmal, und wenn Du dann vor der Einfahrt bist mach ich Dir was, da fällt mir schon was ein“. Der Hafen von Can Pastilla ist nicht gerade die Tiefe selbst, und mit Zwodreißig Tiefgang wird es dort stellenweise schon knapp. Zusammen mit dem schlaff werdenden Motor – ist das denn nicht eigentlich ein Segelboot? Nein, vergiß es, nostalgischer Quatsch, in solch enge Häfen wie heute segelt man nicht mehr hinein – auf jeden Fall hochinteressant.
Der Statthalter steht bereit an der äußeren Pier, es klappt weiterhin bis zur Einfahrt, erst dort stirbt die Maschine ab und auch das erst, als wir schon auf der erstbesten Untiefe genau in der Einfahrt fest hängen. Ähnlich wie bei einem Fahrgeschäft auf der Kirmes schaukeln wir uns frei, mittels Vorsegel fieren und dicht holen. Anlegen wird durch die geworfene Landleine über eine Winsch besorgt.

Noch so ‘n Durst

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 23. Januar 2010 @ 16:47

Kann sein, daß ich in letzter Zeit etwas oft die Alexander-von-Humboldt erwähne, aber seit ich auf der De-Store-Björn war, ist sie für mich wieder sehr präsent. Und die 2000 Meilen, die ich vorletztes Jahr im Frühling auf der “ALEX“ über den Atlantik mitsegeln konnte, beeindrucken mich nachhaltig. Das war ein zweieinhalbwöchiger Dauerkick und so was kann ich jedem nur empfehlen.
Und niemand wird, nachdem er (oder sie) zum Beispiel drei Stunden bei Wind der Stärke 7 und rollendem Schiff in einem der Masten gearbeitet hat – die Rahen der Groß-Royal oder Groß-Sky sind immerhin in 25, bzw. 28 Meter Höhe über Wasser – noch ernsthaft behaupten, daß ihm vor Langeweile die Ohren abfaulen.

Aber der Reihe nach, oder, wo es eigentlich her kommt. Aus den beiden Nächten, die wir wieder auf See verbracht haben.
Zu zweit ist auch immer ein wenig Einhand, denn eins von beiden schläft oder wenigsten ruht meistens. Und dann verbringt man große Teile der Tagesstunden mit sich allein. Sinnierend, an Ideen grübelnd, mit sich selbst im Gericht – es kommt da ja so einiges in den Sinn. Auch die immer wieder auftauchenden Fehler.

„Seefahrt. Donnerstag, den 29. März.
Nicht wie bei dem letzten Abgange des Paketboots wehte diesmal ein förderlicher frischer Nordost, sondern leider von der Gegenseite ein lauer Südwest, der allerhinderlichste; und so erfuhren wir denn, wie der Seefahrer vom Eigensinne des Wetters und Windes abhängt. Ungeduldig verbrachten wir den Morgen bald am Ufer, bald im Kaffeehaus; …..“ Das schreibe nicht ich, das schrieb Goethe gelegentlich seiner Überfahrt nach Sizilien, 1788.
Erst zwei, dann vier und schließlich sieben Tage verbrachten wir in Carloforte, auf der Isola di San Pietro, vor der Südwestküste Sardiniens. Sieben Tage warten auf Wind und sechs davon im Regen. Spaziergänge, Essen und Trinken, offen gelassene Netzzugänge finden, 2010. Und dann war es auch wirklich gut, wir wollten ja nicht der übermäßigen Kultur wegen dort sein.
Zu einem versprochenen Nordwind, welcher zwar dann von Stunde zu Stunde schwächer werden sollte, raus – zweieinhalb Meilen gegenan sollten uns dabei nicht stören, danach wäre ja dann fast Halbwind. Nach knapp zwei Stunden ganz frei von der Insel, Motor aus, Wind paßt, hinein in die Nacht. Sternenhimmel, Wind, weit und breit kein anderer zu sehen.
Bald aber zog sich der Himmel zu, der Wind nahm zu statt ab und drehte gegen morgen immer mehr nach Nordwest. Von Stunde zu Stunde höher am Wind um schließlich, nicht mehr haltbar, doch den Kurs zu ändern. Schließlich sollten wir ja in einen Bereich von Westwind kommen, welcher uns dann schon nach Nordwest bringen wird. Mit dem machen wir dann die verlorenen Meilen locker wieder gut.
Vom italienischen Bereich zu den Balearen scheint man sich schon durch unterschiedliche Wettergebiete zu bewegen. Was sich davon schon auf der Wetterkarte zeigt, kann in der Realität etwas frustrierend wirken.
Statt West ging der Wind immer mehr auf Nordwest, die angepeilte Fahrtrichtung.
Dreifacher Weg oder Diesel? Es soll ja welche geben, die nichts lieber tun als aufkreuzen. Das mag auch seinen Reiz haben, wenn man nicht schon gleich um das nächste Starkwetter weiß. Der Löwengolf sollte schon bald seinen schlechten Atem voraus schicken.
Also, hoch an den Wind, soweit es geht, und was dann noch an Tempo fehlt, bringt der Diesel. Und das kann er von mir aus auch vierundzwanzig Stunden machen, wenn es sein muß. Schließlich habe ich Gründe, um eben genau, und genau jetzt zu den Balearen zu wollen. Und im Geheimen verspreche ich mir: wenn erst mal die Balearen erreicht sind, wird sich immer ein Wind finden um den Süden Spaniens zu erreichen und Gibraltar.
But anyway, …. what shell we do with the drunken sailor,
… spend my money on Sally Brown; …
she sleeps all day and works all night,
in the Cally old marina, Serafina,
she smokes just like a chimneys deck, Serafina …

… gute Stunden mit dem Skipper der De-Store-Björn gehabt. Man trifft so Leute, bei denen man denkt: Du triffst die wahrscheinlich nie wieder, aber jede Minute jetzt ist ein Geschenk. Vielleicht Brüder im Geiste. So lange schon wieder her, aber in jedem Fall ist die Trennung, kaum daß man sich getroffen hat, schwer. Vielleicht wenn, im Gegensatz zu den herrschenden Plänen, das Schiff die mediteranen Gewässer verläßt und dann, irgendwo … Karibik, Brasilien oder wer weiß denn schon …
Aber noch sind wir ja auch selbst noch nicht raus. Mahon, Menorca.

Faule Tage in Cagliari

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 12. Januar 2010 @ 22:11

Die faulen Tage in Cagliari waren gut. Schöne Häuser und Paläste. Heimliche Gassen und prächtige Straßen. Botanischer Garten – ein wenig mehr Kultur kann man schon von Zeit zu Zeit brauchen.
Faule Tage – es war auf Wind zu warten. Am 24. Dezember sind wir in Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens angekommen. 220 Meilen von Sciacca, die fast durchweg mit angenehmem Wind zu segeln waren. Nur am zweiten Tag mußten wir ab Vormittags motoren. Kein Wind, nicht der leiseste Hauch.
Was muß die Seefahrt in Zeiten vor den Motoren manchmal frustrierend gewesen sein, wenn man, vielleicht schon in Sichtweite des Ziels, vom Wind verlassen wurde. Für uns wäre das dann noch mal einen Tag und eine ganze Nacht draußen zu bleiben gewesen, 24 Meilen vor dem Hafen. Die Nacht zuvor war es rauschende Fahrt und am Morgen dann weniger und weniger.
Am 29. Dezember schließlich entschieden wir, noch über Silvester zu bleiben. Kein Wind, kein Wind, kein Wind, oder Wind aus der Richtung, in die wir wollen – über Tage. Und wer will denn so was schon aufkreuzen?

Viele, wie wir aus Reaktionen heraus finden, hören einfach bei Windstärke 6 spätestens auf, sind in Reichweite eines Hafens oder fahren erst gar nicht hinaus. Natürlich fahren wir auch nicht hinaus, wenn Starkwind angesagt ist, warten lieber erst mal ab. Aber was hilft es, wenn es einen irgendwo draußen erwischt, dann muß man eben damit klar kommen. Und dann ist es aber wieder so, daß, in der zweiten Nacht, von Sciacca kommend – wir waren auf vier bis fünf Stunden starken Wind mitten am Weg eingestellt – ausgerechnet in dem Gebiet beste Bedingungen herrschen, frischer Wind zwar aber bestens für unseren Weg. Und so eine rauschende Fahrt entschädigt für alle Warterei.

Am zweiten Feiertag mußten wir unser Boot verholen in einen anderen Teil des Hafens, weil für den Steg an dem wir lagen noch keine Genehmigung vorlag. Ist alles sehr neu hier. Der öffentliche Hafen ist Marina geworden, man rechnet mit noch mehr Tourismus. Und das heißt auch, daß nachts um 7 Uhr 30 nebenan ein Baukompressor angelassen wurde.
Wir haben am ersten Liegeplatz, noch bevor wir verlegten, den Skipper eines dänischen 50 Meter Schoners kennen gelernt. Er hat uns eingeladen sie zu auf dem Boot zu besuchen und als wir am Ablegen waren, wurden uns noch frisch gebackene Plätzchen gereicht.
Wir waren dann später wieder dort. Er hatte über die Feiertage seine Familie zu Gast und so wurde das in der Messe ein recht bunter Haufen. Mit Plätzchen, Lebkuchenherzen, sardischem Bier und italienischer Puffbrause.
Das Boot – De Store Björn – ist aus Holz gebaut, 110 Jahre alt und war bis zum Umbau 1981 (wie auch ursprünglich die Alexander-von-Humboldt) als Feuerschiff vor der Küste verankert. Ein stark gebautes Schiff mit einigen Eigenheiten, genau wie sein Skipper Klaus Bloch. Eichern, von großer Kraft und tiefer Ruhe mit einer alten Seele.

Solange wir dort, direkt vor dem Schoner, lagen konnte man die Unterschiede recht deutlich sehen. Dem gegenüber macht unser Boot den Eindruck einer winzigen Jolle, und mit fast 170 Tonnen ist De Store Björn auch ziemlich genau zehn mal so schwer wie unseres. Und die zweiunddreißig Meter Masthöhe ist der der Alexander-von-Humboldt gleich.
So ein großes Boot instand zu halten ist schon noch mal eine ganz andere Nummer, aber es sind im Prinzip auch die gleichen Arbeiten wie auf unserem. Nur mehr und größer. Und so waren die faulen Tage in Cagliari angefüllt mit Größeren- und Kleinigkeiten vieler Art.
Am Rigg mußte etwas getauscht werden, und endlich habe ich eine brauchbare Reffeinrichtung an beiden Masten angebracht, Waschkabine und Durchgang bekamen verschließbare Türen und in der Kombüse fand das viele Küchenwerkzeug seegangssicheren Platz. Es läßt sich auch, wie ich feststellen konnte, mit zwei kleinen gelben Plexischeiben und einem 58 Zoll Jagdbogen (Original Fred Bear) eine wunderbare Sperre über zwei Bücherschapps bauen. Das tut den Büchern gut und auch dem Bogen, für den sich bisher kein sicherer Platz fand. Mit Spanngurt befestigt und auf Moosgummi gelagert läßt er sich mit wenigen Handgriffen zum Gebrauch lösen – Pfeile und Sehne lagern nahebei.

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