Mallorca
Kalt, kalt, kalt. Wäre nicht der Statthalter von Palma
und seine Frau, so hätte ich mich dieses ersten Eindrucks
nicht entledigen können.
Angefangen mit der Ansteuerung am 24. Januar, wobei der Ort
sich gegen unsere Ankunft zu sträuben schien.
Wie ein Trugbild schien die Stadt für Stunden nicht
heran rücken zu wollen, verschwand immer wieder
unter windgepeitschten Wolken.
Erste Begegnung mit Marinapersonal, das nicht eine helfende Hand
als erstes reicht, statt dessen einen Rechnungsblock.
Nur mit Mühe war zu erreichen, daß die beiden wieder abzogen,
uns in Ruhe ließen, da wir zu feiern hatten – Wiedersehen
nach einem Jahr.
Zweite Begegnung mit der Marinaverwaltung, die einen Preis
aus einer Liste zog, der mir die Knie weich werden ließ.
Auf meinen Einwand, daß doch Winter sei und sonst nichts los,
bekam ich nur Schulterzucken. Tumbe, stumpfe Augenblicke,
Befehlsempfänger ohne Reflexion.
Wie einst in der Karibik, als auf den Einwand, daß die
(umgerechnet) vier Euro für zwei Tomaten doch sehr viel Geld sei
geantwortet wurde: Wenn Dir das zu teuer ist,
wozu bist Du dann überhaupt hier?
Ein bißchen Atem holen, sich umsehen, der Maschine
Aufmerksamkeit geben. Kaum an Land, ist immer gleich so viel
zu erledigen. Überwältigt vom Monster Bucht-von-Palma.
Das ist was für Erwachsene, nicht für Träumer, denn das Monster
ist gefräßig.
Und dann die Überraschung, ausgerechnet der Königliche Yacht Club,
direkt in der Stadt, unterscheidet zwischen Winter und Sommer.
Freundlich, kompetent, und auch die Frau, die am Wartesteg
erscheint, abschätzt, hilfreich Anweisungen gibt, dann Aktion
erwartet. Einen Moment später steht sie am Platz und hält
eine Leine bereit. Das macht gleich wieder Freude.
Dreimal, und dreimal unterschiedlich kam ich hier her.
Einmal mit dem Flieger, ein anderes Mal mit dem Laster auf einer Fähre
und nun mit dem eigenen Boot. Jedes hat seine eigene Qualität,
aber immer wieder Palma. Palma ist eine Großartige,
einzig schon eine Reise wert.
Und dann eine Landpartie mit dem Auto, gleich zwei
Tage hintereinander. Geruhsam ins Gebirge, leere Straßen, wie gut,
daß sie es sind – so schmal und kurvig.
Mittagessen im Lokal, wo auch die Bauarbeiter sitzen, dazu Wein
und Sonne und unvergleichlich blauen Winterhimmel.
Und auch das wäre eine eigene Reise, hinauf ins Tramontana.
Abseits der Straßen, wo die Wege einsam werden und wild,
würde Ludwig-Salvator, der Erzherzog noch mal daher spazieren.
Der mit seinem Geist, seinem Forscherdrang und seiner Liebe
die Balearen ans Licht erhob.



