Mahon – Palma
Regen, und Wind im Genick und eine kalte Nacht. Und viel zu schnell auf einmal. Nach Porto Colom wollten wir, und da wollten wir zeitig morgens ankommen. Statt dessen standen wir abends um Zehn praktisch schon vor dem Hafen. Nachts wollten wir dort aber wegen der etwas seltsamen Wassertiefen nicht einfahren, und so entschieden wir kurzerhand, daß es uns egal ist, ob dort der angeblich letzte ursprüngliche Fischerhafen der Insel liegt.
Es ist wirklich kalt in dieser Nacht, das fährt in die Knochen. All die hochaktiven, kunststöfflichen Kleidungsneuheiten kommen da gerade recht. Und natürlich Leberwurstbrote. Des Nachts im Cockpit eine Dose Leberwurst vom heimatlichen Metzger aus dem Schwalbennest gezaubert, eine frische Zwiebel dazu und Brot noch vom letzten Tag – das ist schon fast wie im Himmel.
Dann bleibt noch Cabrera, eine geschützte Insel im Südosten Mallorcas – ein paar Tage von der Stille nehmen, bevor wir in den Trubel von Palma stürzen. Aber auch das ließen wir im frühen Morgen liegen, machten uns statt dessen an die letzten 28 Meilen. Der Wind hielt ja die ganze Nacht durch, in Stärke und Richtung, so daß wir glaubten, bis Mittag vor einer der Marinas in der großen Bucht stehen zu können. Aber man soll ja die Rechnung nie ohne den Wirt machen; der Wind drehte in den nächsten beiden Stunden etwas ein, legte auch gleich noch etwas zu, so daß die Strecke bis Cabo Blanco noch gut anzuliegen war, aber die eigentliche Bucht von Palma zum Kraftakt wurde.
„Kreuzen ist etwas für Idioten und Christen“, habe ich da jemand im Ohr, aber wir machten uns trotzdem daran. Ziemlich ernsthaft sogar, für zwei Stunden, von einem Ende der Bucht zum anderen, wieder zurück und gleich noch mal – der Höhengewinn dabei: lächerlich. Dann kam wieder der Motor dran, und der mußte richtig ran. Segel runter und „Hebel auf den Tisch“, wie so manche mit ihren 40 PS Motoren zu sagen pflegen. Aber der Wind nahm stetig zu, die Wasseroberfläche wurde weißlich und unsere 75 PS brachten teilweise nur 1,9 Knoten ein. Die Bucht von Palma sprach ihren Willkommensgruß. Eine ganze Weile ging das so, die Küstenlinie wurde unmerklich schärfer, zeitweise, dann versank sie wieder im Dunst der tief hängenden Wolken und als wir endlich daran gehen konnten, die Koordinaten richtig zu stellen, begann der Diesel wieder Zicken zu machen. Drehzahl und Leistung gingen runter, schwankten, fast genau so wie letztens vor Mahon. Und unter den gleichen Bedingungen.
Weil die Zeit eine neue ist, habe ich alsbald Kontakt zum Statthalter Palmas, welcher mir rät, „Mach es wie die Christen, erstmal, und wenn Du dann vor der Einfahrt bist mach ich Dir was, da fällt mir schon was ein“. Der Hafen von Can Pastilla ist nicht gerade die Tiefe selbst, und mit Zwodreißig Tiefgang wird es dort stellenweise schon knapp. Zusammen mit dem schlaff werdenden Motor – ist das denn nicht eigentlich ein Segelboot? Nein, vergiß es, nostalgischer Quatsch, in solch enge Häfen wie heute segelt man nicht mehr hinein – auf jeden Fall hochinteressant.
Der Statthalter steht bereit an der äußeren Pier, es klappt weiterhin bis zur Einfahrt, erst dort stirbt die Maschine ab und auch das erst, als wir schon auf der erstbesten Untiefe genau in der Einfahrt fest hängen. Ähnlich wie bei einem Fahrgeschäft auf der Kirmes schaukeln wir uns frei, mittels Vorsegel fieren und dicht holen. Anlegen wird durch die geworfene Landleine über eine Winsch besorgt.



