Noch so ‘n Durst
Kann sein, daß ich in letzter Zeit etwas oft die Alexander-von-Humboldt erwähne, aber seit ich auf der De-Store-Björn war, ist sie für mich wieder sehr präsent. Und die 2000 Meilen, die ich vorletztes Jahr im Frühling auf der “ALEX“ über den Atlantik mitsegeln konnte, beeindrucken mich nachhaltig. Das war ein zweieinhalbwöchiger Dauerkick und so was kann ich jedem nur empfehlen.
Und niemand wird, nachdem er (oder sie) zum Beispiel drei Stunden bei Wind der Stärke 7 und rollendem Schiff in einem der Masten gearbeitet hat – die Rahen der Groß-Royal oder Groß-Sky sind immerhin in 25, bzw. 28 Meter Höhe über Wasser – noch ernsthaft behaupten, daß ihm vor Langeweile die Ohren abfaulen.
Aber der Reihe nach, oder, wo es eigentlich her kommt. Aus den beiden Nächten, die wir wieder auf See verbracht haben.
Zu zweit ist auch immer ein wenig Einhand, denn eins von beiden schläft oder wenigsten ruht meistens. Und dann verbringt man große Teile der Tagesstunden mit sich allein. Sinnierend, an Ideen grübelnd, mit sich selbst im Gericht – es kommt da ja so einiges in den Sinn. Auch die immer wieder auftauchenden Fehler.
„Seefahrt. Donnerstag, den 29. März.
Nicht wie bei dem letzten Abgange des Paketboots wehte diesmal ein förderlicher frischer Nordost, sondern leider von der Gegenseite ein lauer Südwest, der allerhinderlichste; und so erfuhren wir denn, wie der Seefahrer vom Eigensinne des Wetters und Windes abhängt. Ungeduldig verbrachten wir den Morgen bald am Ufer, bald im Kaffeehaus; …..“ Das schreibe nicht ich, das schrieb Goethe gelegentlich seiner Überfahrt nach Sizilien, 1788.
Erst zwei, dann vier und schließlich sieben Tage verbrachten wir in Carloforte, auf der Isola di San Pietro, vor der Südwestküste Sardiniens. Sieben Tage warten auf Wind und sechs davon im Regen. Spaziergänge, Essen und Trinken, offen gelassene Netzzugänge finden, 2010. Und dann war es auch wirklich gut, wir wollten ja nicht der übermäßigen Kultur wegen dort sein.
Zu einem versprochenen Nordwind, welcher zwar dann von Stunde zu Stunde schwächer werden sollte, raus – zweieinhalb Meilen gegenan sollten uns dabei nicht stören, danach wäre ja dann fast Halbwind. Nach knapp zwei Stunden ganz frei von der Insel, Motor aus, Wind paßt, hinein in die Nacht. Sternenhimmel, Wind, weit und breit kein anderer zu sehen.
Bald aber zog sich der Himmel zu, der Wind nahm zu statt ab und drehte gegen morgen immer mehr nach Nordwest. Von Stunde zu Stunde höher am Wind um schließlich, nicht mehr haltbar, doch den Kurs zu ändern. Schließlich sollten wir ja in einen Bereich von Westwind kommen, welcher uns dann schon nach Nordwest bringen wird. Mit dem machen wir dann die verlorenen Meilen locker wieder gut.
Vom italienischen Bereich zu den Balearen scheint man sich schon durch unterschiedliche Wettergebiete zu bewegen. Was sich davon schon auf der Wetterkarte zeigt, kann in der Realität etwas frustrierend wirken.
Statt West ging der Wind immer mehr auf Nordwest, die angepeilte Fahrtrichtung.
Dreifacher Weg oder Diesel? Es soll ja welche geben, die nichts lieber tun als aufkreuzen. Das mag auch seinen Reiz haben, wenn man nicht schon gleich um das nächste Starkwetter weiß. Der Löwengolf sollte schon bald seinen schlechten Atem voraus schicken.
Also, hoch an den Wind, soweit es geht, und was dann noch an Tempo fehlt, bringt der Diesel. Und das kann er von mir aus auch vierundzwanzig Stunden machen, wenn es sein muß. Schließlich habe ich Gründe, um eben genau, und genau jetzt zu den Balearen zu wollen. Und im Geheimen verspreche ich mir: wenn erst mal die Balearen erreicht sind, wird sich immer ein Wind finden um den Süden Spaniens zu erreichen und Gibraltar.
But anyway, …. what shell we do with the drunken sailor,
… spend my money on Sally Brown; …
she sleeps all day and works all night,
in the Cally old marina, Serafina,
she smokes just like a chimneys deck, Serafina …
… gute Stunden mit dem Skipper der De-Store-Björn gehabt. Man trifft so Leute, bei denen man denkt: Du triffst die wahrscheinlich nie wieder, aber jede Minute jetzt ist ein Geschenk. Vielleicht Brüder im Geiste. So lange schon wieder her, aber in jedem Fall ist die Trennung, kaum daß man sich getroffen hat, schwer. Vielleicht wenn, im Gegensatz zu den herrschenden Plänen, das Schiff die mediteranen Gewässer verläßt und dann, irgendwo … Karibik, Brasilien oder wer weiß denn schon …
Aber noch sind wir ja auch selbst noch nicht raus. Mahon, Menorca.



