Faule Tage in Cagliari
Die faulen Tage in Cagliari waren gut. Schöne Häuser und Paläste. Heimliche Gassen und prächtige Straßen. Botanischer Garten – ein wenig mehr Kultur kann man schon von Zeit zu Zeit brauchen.
Faule Tage – es war auf Wind zu warten. Am 24. Dezember sind wir in Cagliari, der Hauptstadt Sardiniens angekommen. 220 Meilen von Sciacca, die fast durchweg mit angenehmem Wind zu segeln waren. Nur am zweiten Tag mußten wir ab Vormittags motoren. Kein Wind, nicht der leiseste Hauch.
Was muß die Seefahrt in Zeiten vor den Motoren manchmal frustrierend gewesen sein, wenn man, vielleicht schon in Sichtweite des Ziels, vom Wind verlassen wurde. Für uns wäre das dann noch mal einen Tag und eine ganze Nacht draußen zu bleiben gewesen, 24 Meilen vor dem Hafen. Die Nacht zuvor war es rauschende Fahrt und am Morgen dann weniger und weniger.
Am 29. Dezember schließlich entschieden wir, noch über Silvester zu bleiben. Kein Wind, kein Wind, kein Wind, oder Wind aus der Richtung, in die wir wollen – über Tage. Und wer will denn so was schon aufkreuzen?
Viele, wie wir aus Reaktionen heraus finden, hören einfach bei Windstärke 6 spätestens auf, sind in Reichweite eines Hafens oder fahren erst gar nicht hinaus. Natürlich fahren wir auch nicht hinaus, wenn Starkwind angesagt ist, warten lieber erst mal ab. Aber was hilft es, wenn es einen irgendwo draußen erwischt, dann muß man eben damit klar kommen. Und dann ist es aber wieder so, daß, in der zweiten Nacht, von Sciacca kommend – wir waren auf vier bis fünf Stunden starken Wind mitten am Weg eingestellt – ausgerechnet in dem Gebiet beste Bedingungen herrschen, frischer Wind zwar aber bestens für unseren Weg. Und so eine rauschende Fahrt entschädigt für alle Warterei.
Am zweiten Feiertag mußten wir unser Boot verholen in einen anderen Teil des Hafens, weil für den Steg an dem wir lagen noch keine Genehmigung vorlag. Ist alles sehr neu hier. Der öffentliche Hafen ist Marina geworden, man rechnet mit noch mehr Tourismus. Und das heißt auch, daß nachts um 7 Uhr 30 nebenan ein Baukompressor angelassen wurde.
Wir haben am ersten Liegeplatz, noch bevor wir verlegten, den Skipper eines dänischen 50 Meter Schoners kennen gelernt. Er hat uns eingeladen sie zu auf dem Boot zu besuchen und als wir am Ablegen waren, wurden uns noch frisch gebackene Plätzchen gereicht.
Wir waren dann später wieder dort. Er hatte über die Feiertage seine Familie zu Gast und so wurde das in der Messe ein recht bunter Haufen. Mit Plätzchen, Lebkuchenherzen, sardischem Bier und italienischer Puffbrause.
Das Boot – De Store Björn – ist aus Holz gebaut, 110 Jahre alt und war bis zum Umbau 1981 (wie auch ursprünglich die Alexander-von-Humboldt) als Feuerschiff vor der Küste verankert. Ein stark gebautes Schiff mit einigen Eigenheiten, genau wie sein Skipper Klaus Bloch. Eichern, von großer Kraft und tiefer Ruhe mit einer alten Seele.
Solange wir dort, direkt vor dem Schoner, lagen konnte man die Unterschiede recht deutlich sehen. Dem gegenüber macht unser Boot den Eindruck einer winzigen Jolle, und mit fast 170 Tonnen ist De Store Björn auch ziemlich genau zehn mal so schwer wie unseres. Und die zweiunddreißig Meter Masthöhe ist der der Alexander-von-Humboldt gleich.
So ein großes Boot instand zu halten ist schon noch mal eine ganz andere Nummer, aber es sind im Prinzip auch die gleichen Arbeiten wie auf unserem. Nur mehr und größer. Und so waren die faulen Tage in Cagliari angefüllt mit Größeren- und Kleinigkeiten vieler Art.
Am Rigg mußte etwas getauscht werden, und endlich habe ich eine brauchbare Reffeinrichtung an beiden Masten angebracht, Waschkabine und Durchgang bekamen verschließbare Türen und in der Kombüse fand das viele Küchenwerkzeug seegangssicheren Platz. Es läßt sich auch, wie ich feststellen konnte, mit zwei kleinen gelben Plexischeiben und einem 58 Zoll Jagdbogen (Original Fred Bear) eine wunderbare Sperre über zwei Bücherschapps bauen. Das tut den Büchern gut und auch dem Bogen, für den sich bisher kein sicherer Platz fand. Mit Spanngurt befestigt und auf Moosgummi gelagert läßt er sich mit wenigen Handgriffen zum Gebrauch lösen – Pfeile und Sehne lagern nahebei.



