Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Yachten

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 28. Dezember 2010 @ 23:51

Rolling_001

Yachten, seien sie auch noch so groß, mit vielen Backskisten, haben einiges zu tun,
wenn sie  Welle von der Seite haben.

Rolling_002

Und dann raus

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 20. Dezember 2010 @ 11:39

Leicht lädiert mit allerlei keinen Verletzungen lag ich nach unserer Ankunft in der Bucht von Gibraltar drei Tage mit Fieber herum. Das Liegen und Ruhen war aber insgesamt gut, so daß ich am vierten Tag schon wieder stark und frech war.

Was haben wir uns Gedanken gemacht, über diese Straße von Gibraltar, wie und zu welcher Zeit wir los müssen um da nicht stecken zu bleiben. Freunde befragt, Bootsnachbarn, im Netz rum gewühlt, gemessen, gerechnet, Tabellen gedruckt und verglichen. Schon in Aguadulce habe ich die Gezeitentafel von Gibraltar auf den Rechner geladen – natürlich ebenfalls auf das SmartPhone – einen Monat vorher, und für die ganze restliche Zeit des Jahres.
Was dabei immer wieder Spaß macht, nicht nur britische Seekarten zu benutzen, sondern auch deren Pilot Books, worin, neben ausgezeichneter Beschreibung eben auch deren ureigenes Understatement zugrunde liegt. Da steht dann zum Beispiel über eine schwierige Passage, vor der schon mancher die Hosen voll hat: “… gerade schwierig genug um interessant zu sein”. Oder in unserem Fall: wenn alle Faktoren berücksichtigt, der Zeitpunkt gewählt und die entsprechende Strombahn, und Du bleibst trotzdem stecken, dann dreh ab und wirf hinter Punta Carnero den Anker in den Dreck, und denk noch mal über alles nach”.

Letztlich war alles einfach für uns. Wind genau aus Ost, zwei Stunden nach Hochwasser mit bereits westsetzendem Strom los, etwas mehr als eine Meile vom Land ab, und die Geschwindigkeit erreicht, die wir brauchten um rechtzeitig, vor Einsetzen des Gegenstroms Tarifa zu runden. Fast unglaublich, wie im Rausch, und das bei fast 14 Knoten, durch’s Wasser.
Seit Tarifa ist alles neu, ein neues Meer, ein neuer Duft – Prost, lass die Gläser klingen.

Nach Gibraltar

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 19. Dezember 2010 @ 21:12

Grau, grau, alles grau, Grau in allen Stufen. Regen seit vielen Stunden und dessen Wasser läuft an den Ärmeln herab in die Handschuhe hinein, so dass die Finger bis zum zweiten Glied im Wasser stehen. Kalt, der Wind ist auch kalt. Von Hand steuern, denn der Autopilot macht das schon lange nicht mehr mit – kein Wunder bei den konfusen Wellen und wiederkehrender starker Böen. Dabei übersteuert er immer wieder, und zu lange, und säuft dabei den Strom aus den Batterien.
Die Wellen ungefähr drei Meter hoch, ach, was sind schon drei Meter, in diesen Büchern liest man doch immer von sechs, acht, über zehn Meter hohen Wellen. Und da wird mir schon bei drei Metern mulmig. Egal, im Wellental ringsum gar nichts mehr zu sehen außer Wasser, nur noch Keller, die Wellen dann auch noch von allen Seiten, keine Richtung mehr, kein Rhythmus, jede neunte oder vielleicht auch zwölfte bricht und kommt über, daß das Vordeck – für Sekunden nur, aber es scheint endlos – unter Wasser verschwindet,   und somit sind mir drei Meter entschieden hoch genug.
Hin und wieder trifft die Gischt einer an der Bordwand zerschellten Welle ins Gesicht. Seltsam genug, dieses Wasser ist warm. Der nächste Sprüh kommt vom Regen. Nieselregen, Platzregen, Sprühregen, langsamer Regen, schneller Regen. “Der Elektrische Mönch” von Adams kommt mir in den Sinn. Darin ein Lastwagenfahrer einhundertvier verschiedene Arten Regen erkennt. Für Stunden geht das so – oder wie lang – schon seit morgens, halb Sechs. Also schon den größten Teil des Tages.

Alle Stunde nun macht Suzanne eine Position und gibt den Kurs. Ein paar Meilen nach der Höhe Marbella meint sie, wenn’s nicht mehr gehe, könne ich den Hafen Banús ansteuern, aber acht Meilen entfernt. Was jetzt, weiter diesen unmöglichen Acker abfahren oder einen gemütlichen Hafen aufsuchen, unter die Mauer ducken und schlafen. Wir wenden und steuern den Hafen an, wenngleich, acht Meilen zurück ist nicht gerade eine beglückende Aussicht. Ob das die richtige Entscheidung ist? Der Himmel wird immer dunkler, Sicht immer magerer, vereinzelte Wolken berühren fast das Wasser, ziehen auf Höhe der Reling vorbei.
Nach GPS etwa noch drei Meilen von der Hafeneinfahrt entfernt, weniger als eine Meile vom Strand, aber zu sehen ist nichts, kein Umriss, kein Strauch, kein Feuer. Nur Wasser in all seinen Zuständen, soweit das Auge …. aber weit reicht es ja eben nicht. So nah am Ufer wird mir das zu heiß. Schleunigst wenden wir wieder und begeben uns zurück auf Kurs Europa Point.
Nach weiteren zwei Stunden bricht der Wind ab, von einem Moment zum anderen, als hätte jemand ein Tor zugeworfen. Wind weg, ausgeblasen, die Segel schlabbern. Zurück bleibt die empörte See und wir oben drauf. Der Wind, der weht und alles treibt – weg, nicht ein leisester Hauch. Das fühlt sich an wie ausgespuckt. Aber dann, mit einem Mal, ohne das was bläst oder treibt, in völliger Stille hebt sich die Wolkendecke, rasch nach oben, rasch voran und gibt, acht Meilen voraus, den Felsen frei. Gibraltar liegt direkt voraus, aber so richtig direkt – ein Hoch auf meinen Navigator.
Nun gut, der Diesel wird’s schon machen. Das mag nicht so stilvoll sein wie unter Segel, aber mir ist es egal, da vorn liegt Gibraltar und ich werde mir das nicht eine Nacht lang, oder wie lange auch immer ansehen, romantisierend mich davor ergießen, ohne hin zu gelangen.

Eine Meile vor dem Leuchtturm dann setzt der Wind wieder ein, allerdings aus West, zehn Stunden früher als vorher gesagt, direkt auf die Nase und mit einlaufendem Hochwasser. Die Wellen sind so hoch und das Vordeck mit jeder Überkommenden vollständig überspült.  Diese letzte Meile, das Boot macht nur noch ganz wenig Fahrt voraus. Ich will unbedingt da rein.
Ich hatte nicht die Kraft, zu sagen: Hey, jetzt laufen wir halb ab oder machen einen Schlag von zwei, drei Stunden Richtung Marokko und kommen dann in der Nacht mit halbem Wind zurück. Ich hatte auch gehörig Respekt vor dem vielen Verkehr und  dem Verkehrstrennungsgebiet und den verschiedenen gegenläufigen Strömungbahnen in der Straße.
Beim nächsten Mal aber würde ich etwas in der Art unternehmen. Man muß die Reserven auspacken können.

Fast drin, oder wenigstens schon in der Zielkurve, viel zu spät erkenne ich im Augenwinkel die Gefahrentonne, “Südlich Umfahren”, dann aber sofort ist direkt voraus deutlich das hellgrüne Wasser zu sehen. Heiliger Bimbam, betrifft das auch uns, oder nur die Großen? Inzwischen ist das Wasser unter uns auch schon hellgrün. Die Untiefe hat stellenweise nur drei Meter, unser Tiefgang zwei-dreißig, die Wellen haben über zwei Meter. Also, dabei bedacht, daß eine Welle mit zwei Meter Höhe einen Meter rauf und einen runter geht, ergibt: zu wenig. Im gleichen Moment berührt, verfängt oder bremst etwas die Schraube, ein Geräusch oder Druck, als säßen wir auf geht durch das Boot und wie zur Bestätigung dreht der Bug mit dem Wind weg, das Ruder reagiert nicht mehr. Vom Motor ist bei all dem Gesamtlärm nichts mehr zu hören. Gang raus.
Durch all den Lärm schreie ich einen Befehl, mehr zu mir selbst: “und laß Dir bloß den Einholer nicht ausrauschen.Ganz sachte nur nachgeben.” Was heißt schon Sachte bei all dem Tumult. Dabei scheint der Leuchtturm oder vielmehr der ihn tragende Felssockel schon größer zu werden.
Im gleichen Moment greife ich zur Steuerbord Schot und zerre ein Drittel des Vorsegels aus dem Wickel. Sofort steht es back, der Bug wird zurück gedrückt. Nun steht der Wind von der richtigen Seite, das Ruder greift. Die Schot dichtgekurbelt, mit  dem Steuerrad gegen gehalten, das Boot neigt sich, nimmt Fahrt auf und in dem Moment schreit Suzanne: “Ich hör den Motor wieder”.
Irgendeine Hand greift zum Hebel, gibt viel Gas und damit schiebt noch einer mehr zum Moment. Na also, geht doch, war irgendwie alles blitzschnell und genau das Richtige. Noch eine weitere Meile, dann sind wir im ruhigen Wasser. Der Regen hält an. Keine Frage, Gibraltar bekamen wir nicht geschenkt.

Das wars dann also

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 25. November 2010 @ 22:07

Seit zwei Wochen warten auf Wind. Jetzt kommt er, allerdings nur für 26 Stunden
und die wollen genutzt sein. Bis zum nächsten Ost braucht es vermutlich dann
wieder drei Wochen. Aguadulce bleibt zurück, die Leute hier sind schon wieder
ans Herz gewachsen, verdammt. Das gab fast eine große Verabschiedung.
Wir beginnen wieder von vorn.
Der Atlantik ruft nun schon deutlich. Keine Fehler jetzt.

Back In The Track

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 7. November 2010 @ 21:39

Getan und mache das noch, was notwendig ist. Unterwasserbereich alles frisch, aber das müßte wirklich mal gesandstrahlt werden. Überwasser außen herum, soweit es meine Sorgfalt zuläßt, geschliffen und neu gestrichen. Neues Grün. Schablonen für Schrift und Graphik gefertigt, und doch muß dann alles noch von Hand ausgemalt werden. Auf daß ich eine ruhige Hand bewahre. Keine Extras.

Als würde es nie fertig, nie ist es genug, wie es scheint. Für Dienstag einen Lifttermin ausgemacht, jedoch kommt jetzt zum Wind noch Regen, das gefällt der Farbe gar nicht. Dienstag wieder abgesagt.

Um 02.30 von einer starken Bö erwacht, es hat irgendwie gerumpelt. Das Dinghi, bisher flach auf dem Vordeck gelegen, aber nicht mehr festgelascht, liegt jetzt unten, neben dem Boot auf dem Kiesplatz, richtig herum. Ein Flug von, sagen wir mal, gesamt sechs Metern und dann krach auf den Platz, das gab sicherlich mehr als nur einen Kratzer.

Da unten

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 10. Juni 2010 @ 18:27

was denn schlimmer sei, „den Arm brechen, oder von denen da reparieren zu lassen“, oder „ach wie schrecklich! Wie hast Du das bloß überstanden“, wurde ich gefragt, in Telefonaten und aufgrund des voran gegangenen Postings.

Dazu kann ich sagen, daß ich mich in der Universitätsklinik in Sofia zu jeder Zeit gut versorgt fühlte, gut beraten, trotz anfänglicher Sprachbarriere und bei den behandelnden Ärzten gut aufgehoben fühlte. Ein herbei gerufener Narkosearzt, von dem man wußte, daß er Jahre im Augsburger Klinikum gearbeitet hatte, schrieb mir seine private Nummer auf, für den Fall daß es mit der Verständigung schwierig wird.
Schon klar, daß einige vom lokalen Promoter leicht locker gemachte Konzertkarten die Entscheidung für sofortiges Operieren enorm erleichterten und ich somit an ich weiß nicht wie viel mindestens ebenso akuten Fällen vorbei nach vorn geschoben wurde.
Es ist aber auch klar, daß die Umstände himmelschreiend sind, die Ausrüstung auch eines solchen Hospitals unfaßbar dürftig und veraltet. Die später für die Nachsorge konsultierten österreichischen Ärzte bescheinigten unabhängig voneinander den Bulgaren ausgezeichnete Arbeit.

Die offene Ignoranz der Wohlhabenden und Reichen zu allen anderen unterhalb eines entsprechenden Niveau ist eklatant. Ob nun wirklich, oder nur aus dem westlich geprägten Blick des Betrachters resultierend, erscheinen Wohlhabende wohlhabender und Reiche reicher zu sein als andernorts. Und angesichts der vielen Milliarden , die im Westen skandalösen Bankern hinterher geschoben werden – was wären da ein paar Milliarden, zusammen gelegt von den reichen EU-Ländern, um einem neueren Mitglied direkt ein paar moderne Krankenhäuser zu spendieren und so eine gute medizinische Versorgung für alle zu gewährleisten.

Bodenlos

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 6. Juni 2010 @ 09:59

An sich war ich gewillt und genötigt, im Frühling wieder meine Arbeit aufzunehmen. Das Boot in Spanien an Land gestellt, Aufgaben verteilt und weitere notiert – Rückflug nach Deutschland. Somit sind die Geschichten vom Wasser eigentlich bis auf weiteres im Sommerschlaf. Richtig ranklotzen die nächsten vier oder fünf Monate über, damit sich der Spaß auch wieder finanzieren läßt. Für mindestens zwei Monate stand auch schon wage ein Arbeitsplan fest, das Team auch – frohgemut und sorgenfrei in den Sommer.

Am 12. Mai dann der Sturz. Sofia/Bulgarien. Dabei, mit einem Kollegen eine Gefahrenstelle abzusichern – ein falscher Tritt oder auf dem nassen Deck ausgerutscht, wer weiß das schon, stürzte ich durch die Öffnung.  Freier Fall, nein, Aufschlag auf die drunter liegende Gittertraverse.
Und seit dem?

Bergung unter erheblicher Selbstbeteiligung, der rechte Arm hängt dabei wie leblos an mir herab. Kein Gefühl, keine Bewegung möglich, die Gedanken dazu sind schrecklich. Mit der Fahrt ins Krankenhaus kommen auch die Schmerzen. Jede Unebenheit der Straße, jeder Randstein schlägt direkt durch in den Körper. In der Unfallaufnahme viele verletzte, meist ältere Bulgaren. Viel Leiden, Schmerzen, Jammern.
Dann, ein Arzt mit einem Röntgenbild in der Hand, „Ich habe schlechte Nachrichten für Sie. Der Arm ist mehrfach gebrochen, man muß das operieren. Schmerzen. Die Entscheidung, vor Ort operieren zu lassen oder Rücktransport nach Deutschland um dort weiter zu organisieren, wird mir belassen. Ich will von ihm nur wissen, ob sie das hier ohne weiteres machen können und wann. Das mache keine Schwierigkeiten, meint er. Ich stimme zu und so wird ein OP-Termin am nächsten Tag in Aussicht gestellt.

Wie ich später erfuhr: Rich Barr, unser SiteCo, schickte den lokalen Promoter los, alles zu unternehmen, damit „der Mann sofort operiert wird. Einen Tag zu warten ist unverzeihlich“. Eine Stunde später stehen vier Ärzte, einschließlich dem Klinikleiter um das Bett, der Begriff VIP ist heraus zu hören – VIP, das Zauberwort, ansonsten heftiger bulgarischer Wortwechsel aus dem ich nur Dobro (gut) verstehe. Am Ende übersetzt der Ich-werde-Sie-operieren dann ins englische: Man wird Sie jetzt fertig machen, in einer Stunde wird operiert.
Als ich vom Bett auf den OP-Tisch gehoben werde, durchzieht mich rasender Schmerz, als würde ich in Stücke gerissen. Auf dem Tisch liegend, die letzte Wahrnehmung vor der Dunkelheit: über mir an der Raumdecke Blutspritzer, viele hundert. Blutspritzer verschiedener Dichte und Intensität von vielleicht dreißig Jahren.

Beim Erwachen, zurück im Zimmer, der Arm am Bett fixiert. Stef, der Crew Chef, und Tilo stehen am Fußende und sie lächeln. Vielleicht wollen sie damit zeigen, daß ich nicht ganz so schlimm aussehe. Aus beiden Armen führen mehrere Schläuche.

Ans Bett, im Sinn des Wortes , gebunden, nur eine Liegestellung möglich, kommen nach einem Tag schon zu denen im Arm, Schmerzen im ganzen Rumpf.
Nach zwei Tagen, die Kostenübernahme ist wieder ungeklärt, da das Schreiben der Versicherung verschwunden ist. Ein junger Arzt, der sich alle Mühe gibt, blöd und arrogant zu wirken – was ihm auch gelingt – löchert mit Fragen, die längst an anderer Stelle beantwortet wurden. Mehrere der Rückfragen beantwortet er mit „Ich weiß nicht“. Als er dann gefragt wird, wer denn das wüßte, wer denn für Verwaltung und Rechnungsstellung zuständig wäre, antwortet er auch darauf, daß er das nicht wisse. Man sagt ihm nun, langsam und ganz deutlich, wenn er das alles nicht wüßte und eigentlich für das alles nicht zuständig sei, solle er doch bitte jetzt gehen und nicht die wertvolle Genesungszeit verschwenden. Darauf hin verliert er die Fassung und wird laut. Stef und Anna, die Dolmetscherin, haben einiges zu tun, ihn zu beruhigen und aus dem Zimmer zu schicken.

Am Freitag Morgen, kommt nochmal der Operateur, kündigt Verbandwechsel an und stellt in Aussicht, daß ich noch vor Mittag nachhause könne, nicht noch, wie geplant einen weiteren Tag bleiben müsse. „Es liegt bei Ihnen. Ihre Werte sind gut, auch kein Fieber, also spricht nichts dagegen.“
Stef bekommt einen Text mit den Neuigkeiten. Zwei Stunden später steht er mit einem Sack voll Geld im Krankenhaus, Anna im Geleit und beginnt alle Zahlstellen abzuklappern und Rechnungen einzusammeln.

Neue Füllung

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 26. Februar 2010 @ 12:19

Ich weiß ja nicht, wohin das führen wird, aber mein Netzmeister hat zu Beginn dieser Arbeit
unter anderem die Kategorie Technik eingefügt. Und seit heute ist da
nun ein erster, bescheidener Artikel drin.
Mal sehen, ob ich weiterhin auch in Sachen Technik das Eine oder Andere zu sagen habe.

Wellenkupplung

Abgelegt unter: Technik — Lukas @ 12:11

Bei Umbau und Wiederherstellung der SERAPHINA fiel auf: Korrosionsschäden am Rumpf waren enorm, aber unter Wasserlinie noch erträglich. Daß einerseits das Boot zu dem Zeitpunkt schon 27 Jahre auf dem Buckel hatte, und andererseits bei den Korrosionsschutzmaßnahmen sowohl von der herstellenden Werft, als auch später vom letzten Besitzer vor uns, alles falsch gemacht wurde, was man falsch machen kann, und dann auch die elektrische Installation alt, ewig angestückelt und im Ganzen ungeregelt war; dafür hielten sich die Schäden noch in Grenzen.
Die gröbsten Schäden konnten beseitigt werden, oder fielen ohnehin dem Umbau zum Fraß. Was blieb, war der Verdacht auf Potential am Rumpf, zumal eine Minusleitung vom Motorgehäuse an den Rumpf führte. Noch bevor der Innenausbau erneuert wurde, hielt ich mich glücklicherweise moralisch so gefestigt, um an das Thema Neuinstallation der Elektrik heran zu gehen. Maßgeblich daran beteiligt war Wilhelm Greiffs „Stromversorgung an Bord“.
„Minus gehört auf Masse“, diese Kfz-Elektriker Weisheit war auch auf der SERAPHINA verwirklicht und somit auch immer gleich Teil des Problems.

Nachdem alle Kabel neu und zweipolig verlegt waren, eine Schalt- und Verteilertafel eingerichtet, Kapazitäten ordentlich messbar, kam schließlich noch ein – meiner Meinung nach auf einem Stahlboot unverzichtbar – Rumpfkontrollschalter zum Einsatz. Und der brachte auch gleich die ernüchternde Wahrheit: trotz aller Sorgfalt lag immer noch Minusstrom am Rumpf. Sobald die Starterbatterie abgeschaltet wurde, war er weg.
Wellenkupp Der Motor auf Gummidämpfern, Kabel sorgfältig verlegt, aber aus Ersparnisgründen, und weil so was in der Türkei schon gar nicht zu bekommen war, verblieb immer noch der alte Anlassermotor mit „Minus auf Masse“. Masse in diesem Fall gleich Motor. Das sollte nicht unbedingt sofort zum Problem führen. Jedoch bei genauerer Betrachtung entdeckte ich daß ja die Verbindung Starterbatterie – Motor – Antriebswelle – Schraube einen perfekten stromführenden Kreislauf ergibt. Also trennen !
Eine elastische Wellenkupplung, die zwar noch eine andere Aufgabe übernimmt würde für unsere Welle etwas über 600 € kosten, die aus Ferrozell – ein heute fast vergessener Kunststoff – angefertigte: sehr viel weniger.
Dazu nötig sind Augenmaß, Schieblehre, Zettel Papier und ein vertrauenswürdiger Werkzeugmacher Betrieb nötig, und das sind in unserm Fall die Gebrüder Winkler, die mir schon in der Vergangenheit so manch kniffliges gelöst haben. Die Idee erklären, Vorschläge dazu hören, Material besorgen – nach weniger als einer Stunde konnten sie die Aufgabe angehen. Zwei identische Scheiben aus 20 mm starkem Material, zwischen den Bohrungen mit der Aussparung für den Schraubenkopf nochmal Bohrungen setzen, so daß insgesamt acht Bohrungen im gleichmäßigen Abstand in die beiden Scheiben gesetzt sind. Dann die Scheiben Rücken an Rücken zu einander und um 45° verdrehen, daß einer Bohrung mit Aussparung eine bloße Bohrung gegenüber steht. Zwischen Getriebe- und Wellenflansche setzen, Schrauben stecken, Unterlegscheiben nicht vergessen und Stopmuttern. Wellenkupp03 Spätestens jetzt zeigt sich, ob man ordentlich gemessen hat, denn die Bohrungsdurchmesser des Getriebeflansch sind zu denen des Wellenflansch 0,5 mm unterschiedlich.
Auch wenn die Lage des Motors zur Antriebswelle gut ausgerichtet wurde, ist es von Nöten, die nun acht Verschraubungen nach etwa zehn Betriebsstunden in Fahrt nach zu ziehen. Andernfalls wird sich das Loskommen der Wellenverschraubung durch ein leises aber Zahnweh verursachendes Klingeln Kund tun.

Das Ergebnis der ganzen Aktion ist hervorragend, kein Strom mehr am Rumpf und die zu übertragenden Kräfte werden auch im Vollastbetrieb genommen.

Cartagena

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas @ 11:59

Wenn in der Schule – was schon eine ganze Weile her ist – vierunddreißig Mitschüler eine andere Ausarbeitung der Hausarbeiten hatte als ich, so war ich mir immer sicher der einzige zu sein, der richtig lag. Egal, ob das Hausarbeiten oder Schulaufgaben, mathematische oder schriftliche Ausarbeitungen, oft schien es so, daß ich der mit der einzig richtigen Lösung war. Ich war jedoch in Wirklichkeit der einzige mit der falschen Variante.
Wenn ich jetzt die Wettervorhersagen lese, und mir darüber klar werde, daß wir noch eine ganze Woche zu bleiben haben, bevor der Wind wieder dreht, ich gleichzeitig aber mitbekomme, daß drei andere Segler, von denen mindestens zwei in die gleiche Richtung wollen wie wir, überkommt mich wieder das Gefühl von den Hausaufgaben. Aber kann das denn sein, daß die so weit aufkreuzen wollen, bzw. heute Nacht ohne Wind dümpeln wollen?

CartagFassade059_N Derweilen bleibt Cartagena anzuschauen, und das lohnt sich allemal. Geschichtsträchtig, dessen bewußt, neugierig und übermütig – welches Adjektiv paßt da nun nicht zu einer Stadt? Einige hochrangige Museen, daraus hervor zu heben besonders, das MUSEO NACIONAL DE ARQUEOLGIA SUBNAUTICO. Vom Architekt schon gleich in den Keller, gleich Sub, gesetzt, die oberirdischen Gebäudeteile dienen nur der Zuführung von Tageslicht und urbanem Gesamtbild. Auf den ersten Blick nahezu leere Räume, wenige ausgesuchte und teils neu gefertigte Exponate an der lichtgefluteten Seite. Assoziative Lichtführung per LED-Video Panele durch Diffusionsfolie erweckt, wandfüllend, in den niederen, dunklen Raumbereichen. eine solche Wand unterbrochen durch großformatige Bildschirme, welche die unterschiedliche Arbeit der Unterwasserarchäologen zeigen. Auf einander aufbauende Stationen und dann, etwas unvermittelt, ein Schaukasten mit restaurierten Fundstücken. Weiter hinten dicke Glaszylinder, salzwassergefüllt und temperiert, mit Fundstücken im Fundzustand.
Interaktive Bildschirme auf Inseln angereiht, bis hin zur quadratmetergroßen Gesamtansicht des Mittelmeeres mit Stichwortspots, ebenfalls interaktiv per darüber hängendem Videobeamer. Da ist nirgends staubige, muffige Altlageratmosphäre.

CartagFaces_02_N Und dann – Architektur, urbanes Gesamtbild, die hier arbeitenden Planer schrecken wirklich vor nichts zurück. Historisches Stadtbild, ja, aber deswegen darf man ja trotzdem mit heutigem Wissen und zur Verfügung stehenden Technik arbeiten. Lebhafte, lebenswerte Modernität, Architekts Playground. Hier zeigen sie, was möglich ist und dazu gehören schon auch jene, die genehmigen müssen.
Modern, in Form von Moder ansetzen scheint hier wirklich keinen Platz zu haben. Es erfreut, beglückt mein Auge, der ich aus einer Gegend komme, in der Zuständige wie auch Architekten und Bauherrschaften vor lauter Historischen-Gesamtbid-Gequatsche schon in ihre Sessel hinein modern.

Ich verstehe zu wenig davon und es ginge zu weit, sich auch noch über die Kunst auszulassen. Jede Disziplin hat ihren Platz, jedoch die Skulpteure und die Sprayer fallen, weil im öffentlichen Raum, am meisten auf. Wie schon zuvor auf den Balearen auffiel – Spanien scheint seine Künstler nicht nur leben zu lassen, sondern gewährt ihnen auch Brot und etwas drauf zu schmieren.

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