Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Aus einem Brief …

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 21. Dezember 2009 @ 10:13

In Sciacca, Südwestküste von Sizilien sind wir seit einigen Tagen. Sciacca sieht nicht aus wie der Nabel der Welt und manche hier leiden etwas unter der Dominanz Taorminas. “Aber 2010, da werden wir weltberühmt”, weiß ein Barbetreiber zu berichten. “Die Musik kommt zu uns, und kennt uns nicht nur Herr Bierhoff”.
Es waren aufregende vierundzwanzig Stunden von Malta kommend. Aufregend deshalb, weil erst der versprochene Wind ausblieb und der, den wir dann bekamen, wuchs sich aus und bescherte uns nachts höhere und sehr konfuse Wellen. Es war anstrengend, weil zum auf und ab der Wellen, die uns antrieben auch noch immer wieder von beiden Seiten welche kamen, was das Boot furchtbar zu den Seiten rollen ließ. Das hat uns aber auch gezeigt, daß das Boot einiges ab kann und bei aller Zuladung doch recht ausgewogen ist. Aber beispielsweise am Herd stehen, nachts, um etwas Essen zu bereiten – das “Haus” geht auf und ab und holt nach beiden Seiten schwer über – das kommt einer sportlichen Übung gleich. Kochen während eines Erdbebens stelle ich mir so vor. Den ersten Hafen, den wir im Morgengrauen anlaufen wollten, haben wir gleich mal verfehlt. Als wir es bemerkten, entschieden wir für den zwanzig Meilen weiter liegenden Hafen von Sciacca. Sciacca ist eine Kleinstadt, die seit frühesten Zeiten für seine Keramiker und die Thermalquelle bekannt ist, welche Ich und Deadalus, Ikarus’ Vater entdeckt haben, als wir auf der Flucht vor König Minos hier durch kamen. Zum Thermalbad gehören zum Meer hin offene Grotten in den Felsabstürzen unterhalb. Das haben dann die nach uns noch ausgearbeitet.
Es nahm natürlich, als wir den Hafen ansteuerten der Wind wieder kräftig zu, stand genau quer zur Einfahrt, so daß wir dort noch aufkreuzen und schwer zielen mußten. Aber man hat unsere Ankunft von einer Anhöhe aus schon zwei Stunden beobachtet und sich schon gedacht, daß wir hier her kommen würden. Es ist ja sonst niemand um die Zeit unterwegs, und so standen, als wir im ruhigeren Hafenbecken unsere Fender ausbrachten und die Leinen bereit legten, um nach einem geeigneten Platz zu sehen, schon vier Männer bereit, uns einzuweisen und beim Festmachen zu helfen. Das war klasse.
Und so ging es gleich seit dem weiter. Die Leute hier sind so freundlich und angenehm zu Fremden, hilfsbereit, als gäbe es die ganzen touristischen Auswüchse nicht. Aber dabei keine Arschkriecher, sondern selbstbewußt und stolz. Einer der vier Festmacher hat einen Laden oben in der Stadt, Herrenausstatter, und als er gestern die Gräfin beim Einkaufen fand, bat er sie in seinen Laden auf einen Schwatz. Sie durfte auf seinem Rechner nach dem Wetter im Internet schauen und schließlich nahm es sie mit in eine Konditorei, erzählte den Leuten dort, daß wir von weit her wären und so stellte man eine Schale sizilianischer Köstlichkeiten aus der Zuckerbäckerei zusammen.
Um die Ecke ist eine Werft und die entsprechenden Werkstätten drum herum, ein heißes Viertel. Dort könnte ich mich tagelang aufhalten, auch wenn ich nix brauche. Bars und Ausrüsterläden sind auch dort und was hier in der Gegend ja noch sehr intakt scheint, es gibt hier richtige Eisenwarenläden, die auch so heißen. Und die Leute lassen einen sein. Wenn man dann irgendwann die Kamera zückt, sie nehmen das Interesse ernst, aber lassen sich auch nicht stören.