Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Aus Valletta nach Sizilien

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 18. Dezember 2009 @ 15:23

Am Herd fest gelascht, damit beide Hände frei sind,
die Beine suchen zudem Gleichgewicht zu halten.
Um zwei Tassen Suppe warm zu machen. Aussicht auf eine Stärkung,
welche die Gräfin erst ablehnt, da sie nicht will, daß ich so lange
dort unten hantiere.

Unterdessen, das Boot vollführt Bocksprünge und rollt,
schwer erträglich. Pechschwarze Nacht. Die Nacht ist
wirklich nacht, Neumond, und dicke Wolken verhängen
zudem die Sterne. Keine lichten Begleiter.

Wind und Wellen kommen achterlich, aber da sind Ausreißer.
Ein, zwei Dicke kommen immer wieder von der Seite,
wechselnd, von beiden Seiten. Und die heben nicht das Boot an,
um drunter durch zu gleiten, sie drücken oder explodieren
an der Bordwand. Gischt übersprüht die beiden im Cockpit.
Dabei Kurs zu halten ist schwierig. Die ohnehin schon kleinen Segel
gehen immer wieder back, krachen dabei jämmerlich.

Wind weht mit Stärke 5 – 6, vereinzelt auch mal stärker.
Aber das rechtfertigt doch nicht Wellen mit über zwei Metern.
Wo kommen die her, wie lang, wie weit hatten die Zeit,
so zu werden?

Im Rundumblick sind mehrere Frachter zu sehen. Die wollen
auch irgendwo hin, werden erwartet. Vielleicht zeigt ihr
Radarwarner unser Boot an. Aber vielleicht geht dort
niemand Wache und so zeigt die Warnung niemandem an.
Wie gut, daß die in so großer Entfernung unseren Kurs
kreuzen. Es wäre mühsam, sich jetzt auch noch um
mögliche Kollisionskurse zu kümmern.

Mir kommt die Situation in den Sinn, die Ayten
uns erzählt hat. Sie war mit Sam, ihrem Mann, unterwegs
durch die Biskaya. Auch in der falschen Jahreszeit.
Wütend über seine Nachlässigkeit, als er nachts ohne
Sicherheitsgurt an Deck arbeitete, ging sie bei dem Versuch
ihm den Gurt zu bringen, über Bord.
Zwar zu lang, aber sie war eingepickt und deshalb
konnte sie uns die Geschichte auch selbst erzählen.

Eine Nacht, die vierzehn Stunden währt, in der
die Elemente beanspruchen, scheint unerträglich lang.
Da lohnt jeder Aufwand, um eine Tasse dampfender Suppe
den Niedergang hoch zu reichen.
Immer wieder ein Blick auf die Uhr und rückwärts gerichtet,
nach Osten. Wann kommt der erste Schein,
wann wirkt die Nacht nicht mehr so dicht.