Reggio di Calabria
Am Freitag, spät abends kommen wir an, 20.Nov.2009.
Was gibt es hier bemerkenswertes?
Der kleine Yachthafen am Eingang des Hafens, eng, gut beleuchtet, proppenvoll. Klar, es ist Winter und auch all die sommerlichen Charteryachten brauchen einen Platz. Da bleibt auch kein Bereich mehr für „Yachts in Transit“.
Bei der nächtlichen Suche nach einem Platz winkt eine kleiner alter Mann zu sich her – in eine winzige Lücke. Nach zwei Anläufen gelingt es auch, zwischen zwei Fischern längsseits (Anker im Hafenbecken sind nicht gern gesehen) zu gehen. Bei dreizehn Metern Boot eine Lücke von dreizehn Meter.
Als wir auf die Frage des Mannes „zwei bis drei Tage“ antworten, meint er, das
wäre dann nicht der rechte Platz. Morgen Mittag würde Wind aufkommen, drei
Tage dauern und uns gegen diese Mauer drücken. Danke, das hatten wir
schon mal und das Ergebnis damals – ein aufgescheuerter Rumpf.
Was sonst? „Na gegenüber!“
„Aber ist das denn nicht für Kommerzielle?“
„Nee, nee, das ist genau für Euch. Dort hinter dem Fischer.“
Nun gut, also wieder raus aus dem Loch. Und ohne den Vorderen oder
Hinteren anzukratzen. Drüben ist es dann doch nicht so einfach, denn da
sind jede Menge Angler, und jeder von denen hat wenigstens drei Ruten im
Wasser. Aber etwas abseits findet sich was, nachdem drei Leinen fast
überfahren waren, mit den entsprechenden Kommentaren der Besitzer.
Der alte Mann war in der Zwischenzeit schon auf die andere Seite herüber
gefahren und half auch hier mit den Festmacherleinen. Ein Liebesdienst, bei
einer Molenhöhe von fast Einsfünfzig über Deckshöhe.
Und danach – „Gehts Euch gut, wo kommt Ihr her, braucht Ihr Wein oder
wollt Ihr was essen gehen? Oder braucht Ihr mein Auto, soll ich Euch wo hin
bringen?“
So viel gutes auf einmal vom völlig Fremden, aber, „danke, brauchen wir
nicht. Gut gemeint, aber können wir Dir vielleicht was anbieten für Deinen
Dienst. Hat uns sehr geholfen.“
„Ach, rauchst Du vielleicht?“
„Nein.“
„Na vielleicht bringst Du mir beim nächsten Einkauf ein paar Zigaretten mit?“
„Ist das alles? Klar, mach ich gerne.“
Und sonst noch bemerkenswertes?
Am nächsten Morgen kommt einer von der Küstenwache und will auch wissen
wie lange wir bleiben. Dann wäre es, meint er, besser, wir würden dorthin hinter den Fischer verholen, denn diesen Platz bräuchte man in der folgenden Nacht um die Fähre festzumachen. Die ruht dann für einen Tag.
„Machen wir doch, kein Problem.“ Und wenn er gerade schon mal da wäre, wäre es vielleicht möglich, daß er uns eine Wettervorhersage besorgen könnte?
„ Ja, die kommt aber nur alle sechs Stunden und gilt für einen Tag.“
„Aber Vorhersage für fünf Tage gibt es doch bei jedem Wetterdienst.“
„Ja, dann sehe ich da mal nach und bringe sie dann.“
Man sollte dann meinen, daß er den nächsten Bericht vorbei bringt, weil er
das ja gesagt hat.
Anyway, es bleibt wieder nur der Gang zum nächsten Internet Cafe, was der Sache dienlich aber nicht gerecht wird, da der eigene Wetterdecoder immer noch nicht richtig arbeitet.
Bemerkenswert ist da in Reggio d.C. noch die Pizzeria, wohl bekannt und wohl auch beliebt weil wohl besucht, dessen Bäcker die wohl schlechteste Pizza im ganzen süditalienischen Bereich backen. Eine Tatsache, die auch dadurch nicht kompensiert wird, daß sie Pizze in Wagenradgröße servieren. Denn wie soll das denn schmecken, wenn sie es mit der Normalgröße schon nicht schaffen. Man hat in den letzten Jahren festgestellt, daß zunehmend auch in den ausgesprochenen Gut-Küchen-Ländern mehr und mehr der Quantität auf Kosten der Qualität freier Lauf gelassen wird.
Bemerkenswert auch die prächtigen Bauwerke, manche von verblassendem Charme, Reih an Reih, von architektonischer Finesse – was dem Flaneur sinnenfreudige Lust bereitet.
Und noch bemerkenswert des Hafens (Passage der Straße von Messina) – durch Rod Heikell hinreichend beschrieben, auch im Falle der Nacht. Wenn während der Passage in besagtem Dunkel, bei eingeschaltetem Autopilot, nicht gleich beide Besatzungsmitglieder dem Schlaf nachgeben, ist das von Vorteil.



