Noch aufgehalten
Morgens, noch dunkel, erwacht, blitzartig aus dem Bett und schon auf der Schüssel. Diarrhoe. Bis zum Hellwerden noch mehrmals, dann steht fest: da ist nichts mit einfach mal wieder abhauen. Und wozu das nun wieder?
Irgendwann ruft draußen jemand was von Guten Morgen, Hallo, Hallo … Ich sehe nach, es ist ein Taxichauffeur, der mir eine Karte überreicht. Die Karte eines Nautic Shops. Was soll das, brauche ich nicht, hab andere Probleme.
Als die Frau erwacht – es geht ihr gut, also nur ich und somit eine Sorge weniger.
Warten bis die Apotheke öffnet.
Auf dem Salonsofa liegend, einmal nichts tun nur liegen und ruhen. Oben im Großmast, am Vorstag weht ein Bändsel aus. Ein Bändsel? Da ist aber kein Bändsel, nichts sonst, was auswehen sollte. Das Vorsegelfall war gebrochen, ohne Vorwarnung, ohne Drama, vielleicht in der Nacht.
Bis man sich’s versah, waren wir auf dem Weg zum Nautic Shop. Wie zufällig taucht auch wieder der Taxichauffeur auf und will uns bringen. Also gut. Aber besagter Shop hat für Segelboote eigentlich gar nichts, für Motorboote jedoch alles und den nautischen Nippes dazu. Aber die versuchen auch nicht, für das Fall irgendwelchen Quatsch zu verkaufen, sondern verweisen uns auf einen Laden in der Nähe.
Was machen wir für einen Eindruck, oder sind diese Leute hier einfach so – der Laden hat, entgegen seinem Schild, noch geschlossen, und so versucht der Nachbar, ein Druckereibesitzer, den vermißten Ladenbesitzer auf allen möglichen Leitungen telefonisch zu erreichen. Das macht er so lange, bis er ihn endlich in seinem Auto den Hügel herunter rollen sieht. Wir bekommen schließlich was wir brauchen und dazu noch gute Beratung und einige Tipps.
Insgesamt sieben mal sollte ich an diesem Tag noch den Mast erklimmen – Sorgleine war nämlich auch keine mehr vorhanden. Die vor kurzem montierten Maststufen kamen keinen Moment zu früh.
Am Tag darauf also kommen wir los, allerdings auch erst beim zweiten Versuch. Beim Verlassen des Hafens – es weht ein frischer Wind – gleich mal das Vorsegel heraus gezogen, hängt auf der Hälfte fest. Das neue Fall hat sich um Vorstag und Profil gewickelt, und läßt sich auch mit Beten nicht mehr entwirren.
Zurück im Hafen, beim Abschalten des Motors, bemerke ich noch ein klingelndes Geräusch, das da auch nicht hin gehört. Einige Schrauben an der neuen Wellenkupplung haben sich gelöst. Das verwendete FerroCell gibt wohl doch ein wenig nach, so daß die Verbindung lose kommt. Also doch Stopmuttern verwenden und deshalb wird die Gräfin noch mal los geschickt um welche zu besorgen.
In der Zwischenzeit ich schon wieder oben im Mast und dort war es ein Leichtes. Danach das Fall noch besser steif ziehen und schon läuft die Sache wieder.



