Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Was für eine Hatz

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 31. Oktober 2009 @ 17:14

An einem Montagmorgen, Anfang Oktober, rein in die Stadt, zur Autovermietung, zur Edelstahlschlosserei, zum Werkzeugmacher, zur nächsten Edelstahlschlosserei, Werkzeughändler, Hydrauliker, und die Idee, verschiedene Besuche noch einzuschieben, zumindest wo es am Weg liegt. Schlagmüde am Abend, jedoch, wenn ich auf das Erreicht schaue glaube ich, gar nichts gemacht zu haben.
Weiter, weiter, nächster Tag, Übernächster – Material, Teile, Werkzeuge abholen. Zwischendurch Anrufe, „Nein, das geht so auf gar keinen Fall. Komm vorbei, das müssen wir ändern.“ Zwischendurch Briefe, elektrische, aus Hamburg, aus Calais, Nijmegen, von irgendwo auf Mallorca, weitere Bestellungen, Anfragen. Hydraulik, „Ja, das kann ich; nein, nicht stationär, ein Boot. Nein, ich kann das nicht vorbei bringen. Ja, ich weiß was ich mir dabei gedacht habe; nein, so was gibt’s noch nicht. Deswegen will ich das ja probieren; Ja, natürlich werde ich Sie von dem Ergebnis informieren.“
Zweiter, dritter, vierter Tag, ich fahre. Das Auto ist voll. Es hätte noch mehr rein gepaßt, aber der Rest braucht noch Zeit zum Fertigen. Einen Brief in der Tasche, schon vier Wochen alt, von der Marinaverwaltung, „… sie müssen bis zum 15. Oktober verschwunden sein.“ Auch das noch – Krisengespräch bei der Ankunft. Alle Besuche erledigt? Es muß eventuell für fünf Monate reichen. 1500 Kilometer, schnell, schnell.
Die Fahrt war gut und dann – SERAPHINA liegt im spiegelglatten Wasser, genau da, wo sie sein soll, alles ruhig. Auto abstellen, erst mal mit Gitarre und kleinem Köfferchen ins Büro, noch geschlossen, also gut, eine Tür weiter in die Bar.
Ein paar bekannte Gesichter, Hände schütteln, sich freuen, „ja, mach einen Coretto aus dem Kaffee.“ Ein paar Leute von der Guardia di Finanza, Hafennachbarn, sind auch da. „Ja, der mit dem grünen Boot das bin ich; (der Barkeeper übersetzt, er spricht ein wenig Englisch) …nein, meine Papiere zeig ich Dir erst, wenn wir uns draußen wieder treffen, im Hafen, auf dem Meer, wo auch immer. Das hier ist Privatgelände. Aber da Du gerade hier stehst, Dein Hemd gefällt mir, schöne Stickerei. Willst Du tauschen? – Also gut, dann eben nicht. Los, laß uns noch einen trinken, ich bezahl.“

Am nächsten Tag sieht alles im und auf dem Boot und hinten am Steg aus wie beim Umzug, kurz bevor oder nachdem Möbellaster. Es ist grausam, aber all das Zeug soll ich verbauen und verräumen. War das Boot nicht vorher schon voll? Kabel, Lautsprecher, Knäckebrot und Maststufen, Kaffeebohnen, Trockenkräuter und Leinenrollen, Hydraulikschläuche, Korkplatten. Aha, das Taschentelefon ist kaputt, runter gefallen. Irgendwo muß da doch noch eines auf Reserve sein.

Nachdem sich der Bodennebel verzog, scheint die Sonne wieder. Ich stehe am Bug, etwas Wind kommt auf, das Wasser kräuselt sich – SERAPHINA zerrt an den Leinen, tänzelt wie ein Pferd, das aus der Box will.