Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Schon so lange

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 14. Januar 2009 @ 20:16

GPS? Ja, hab ich schon da. Portabel aber nur eines und das ist sehr teuer. Aber es ist auch eines der besten.“
„Eines der besten habe ich selber schon, auch teuer. Das ging genau drei Wochen und seit dem tut es was es will – meistens gar nichts.“
Wenn du Montag oder Dienstag wieder kommst habe ich andere da. Einfache Geräte und viel billiger.“
„So lange kann ich nicht warten, da bin ich schon wieder weg.“
Ohne GPS is aber nicht gut. Wo kommst ´n Du eigentlich her?
„Überhaupt, oder jetzt gerade?“
Na ja, so.“
„Überhaupt komme ich von der Türkei hoch und jetzt gerade von Paxos rüber.“
Paxos, die Bucht Lakka – kenne ich gut. Aber ohne GPS, heute bei dem Wetter, das war nicht so lustig, oder? Wie lange hast Du da rüber gebraucht?“
„Fünf und eine halbe Stunde“, sage ich zu ihm.
Das mache ich in genau fünfundvierzig Minuten, mit dem Jet Ski. Das mache ich im Sommer öfter, ich habe da drüben zu tun. Schwimmweste an, ohne Helm und Zack! rüber. Fünfundvierzig Minuten. Was machst Du dann eigentlich den ganzen Tag auf deinem Boot, wenn Du so lange unterwegs bist?
„Segeln.“
Also ich bewundere euch Jungs ja schon. Da nehmt ihr einfach euer Boot und seid weg, einfach so.
„Ja, so ungefähr.“
Hör zu! Ich kenne da einen, der wollte auch los, nach Brasilien. Vom Südpeleponnes nach Brasilien – keine Ahnung, der wußte nichts über Brasilien. Vielleicht gefiel im der Klang so – Brasilien. Der hatte auch ein Segelboot, sechseinhalb Meter. Von Navigation keine Ahnung, hatte auch keine Lizenz, ging ja nur sechs Jahre zur Schule. Das war damals eben so. Der wollte nach Brasilien und wußte nur, daß das im Westen irgendwo hinter dem Mittelmeer liegt. Also ist er los – war eines Tages einfach weg. Ein bißchen Geld in der Tasche und ein kleines Kofferradio. Und weil er von Navigation keine Ahnung hatte, oder auch nur eines dieser Geräte bei sich, hat er jeden Abend kurz das Radio angeschaltet und daran rum gedreht, ob er einen Sender findet. Als er dann in Landnähe kam und einen Sender erwischte, versuchte er so zu steuern, daß der Sender klarer zu hören war. Und dann war er auf einmal in Brasilien. Das gefiel ihm so gut, daß er eine Weile blieb. Stell Dir vor, ein junger Grieche mit seinem sechseinhalb Meter Boot in Brasilien. Aber er kam danach nicht nach Hause, er blieb weg, reiste weiter. So viele Länder – auf den Philipinen blieb er über drei Jahre weil es da so viel zu sehen gab – so viele Länder.
Nach sechzehn Jahren kehrte er wieder heim, und da war dann das erste Mal auf seiner ganzen Reise, daß er Schwierigkeiten bekam, mit Behörden. Zu Hause sozusagen, mit den eigenen Leuten. Und warum? Weil er keine scheiß Steuernummer hatte. Stell dir vor, der hatte keine Ahnung von so was, und bei der Einreise in Griechenland haben sie ihn nach seiner Steuernummer gefragt, aber er hatte ja keine, wußte gar nicht, daß man so was braucht.
Und Du kannst nicht am Montag noch mal kommen und die anderen Geräte ansehen?

„Nein, das sind ja noch vier Tage, ich will weiter nach Italien.“
Ich weiß auch nicht, irgendwie muß ich mal was tun. Ich sitze schon viel zu lange hier rum.“ Reibt sich dabei ausnehmend über den Bauch. „Vielleicht sollte ich auch mal los.“
Er steht auf, reicht mir die Hand und sagt „freut mich daß wir uns getroffen haben, freut mich wirklich sehr. Paß auf Dich auf und alles Gute.“