Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Archäologische Ablagerungen

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 16. Januar 2009 @ 23:01

Rastlos, heimatlos wie Odysseus, und weiter: an Deck der SERAPHINA stehend kommt man sich auch vor wie auf dem Isthmus von Ithaka. An einer Stelle stehend, sieht man zu beiden Seiten das Meer – und dazwischen Müll.
Dabei wollte ich nur mal eben Ordnung machen, bevor das Boot zwei Monate verlassen wird. Und im besonderen: das Foreship Castle noch mal trocken legen. Der Zwangslüfter darüber hat sich als ungeeignet heraus gestellt, da überkommendes Wasser dort rein läuft und alles darin befindliche näßt. Alles darin befindliche meint: es war bisher das Lager für alles, was man irgendwie oder irgendwann noch braucht, aber im Moment aus den Augen haben will – Foreship Castle eben. Ein wenig heldenhaft fühle ich mich schon, da es mir gelungen ist, zwei gefüllte Einkaufswagen voll Zeug wegzuschaffen.
Mit der Umschichtung anderen Materials an geeignetere Stellen sind das bestimmt hundertfünfzig Kilo, die da vorn nun nicht mehr „in´s Gewicht“ fallen. Zeug genug, um vorn den Wasserpass um einen halben Meter zu korrigieren – rekordverdächtig , mir rauschen jetzt schon die Ohren.

Schon so lange

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 14. Januar 2009 @ 20:16

GPS? Ja, hab ich schon da. Portabel aber nur eines und das ist sehr teuer. Aber es ist auch eines der besten.“
„Eines der besten habe ich selber schon, auch teuer. Das ging genau drei Wochen und seit dem tut es was es will – meistens gar nichts.“
Wenn du Montag oder Dienstag wieder kommst habe ich andere da. Einfache Geräte und viel billiger.“
„So lange kann ich nicht warten, da bin ich schon wieder weg.“
Ohne GPS is aber nicht gut. Wo kommst ´n Du eigentlich her?
„Überhaupt, oder jetzt gerade?“
Na ja, so.“
„Überhaupt komme ich von der Türkei hoch und jetzt gerade von Paxos rüber.“
Paxos, die Bucht Lakka – kenne ich gut. Aber ohne GPS, heute bei dem Wetter, das war nicht so lustig, oder? Wie lange hast Du da rüber gebraucht?“
„Fünf und eine halbe Stunde“, sage ich zu ihm.
Das mache ich in genau fünfundvierzig Minuten, mit dem Jet Ski. Das mache ich im Sommer öfter, ich habe da drüben zu tun. Schwimmweste an, ohne Helm und Zack! rüber. Fünfundvierzig Minuten. Was machst Du dann eigentlich den ganzen Tag auf deinem Boot, wenn Du so lange unterwegs bist?
„Segeln.“
Also ich bewundere euch Jungs ja schon. Da nehmt ihr einfach euer Boot und seid weg, einfach so.
„Ja, so ungefähr.“
Hör zu! Ich kenne da einen, der wollte auch los, nach Brasilien. Vom Südpeleponnes nach Brasilien – keine Ahnung, der wußte nichts über Brasilien. Vielleicht gefiel im der Klang so – Brasilien. Der hatte auch ein Segelboot, sechseinhalb Meter. Von Navigation keine Ahnung, hatte auch keine Lizenz, ging ja nur sechs Jahre zur Schule. Das war damals eben so. Der wollte nach Brasilien und wußte nur, daß das im Westen irgendwo hinter dem Mittelmeer liegt. Also ist er los – war eines Tages einfach weg. Ein bißchen Geld in der Tasche und ein kleines Kofferradio. Und weil er von Navigation keine Ahnung hatte, oder auch nur eines dieser Geräte bei sich, hat er jeden Abend kurz das Radio angeschaltet und daran rum gedreht, ob er einen Sender findet. Als er dann in Landnähe kam und einen Sender erwischte, versuchte er so zu steuern, daß der Sender klarer zu hören war. Und dann war er auf einmal in Brasilien. Das gefiel ihm so gut, daß er eine Weile blieb. Stell Dir vor, ein junger Grieche mit seinem sechseinhalb Meter Boot in Brasilien. Aber er kam danach nicht nach Hause, er blieb weg, reiste weiter. So viele Länder – auf den Philipinen blieb er über drei Jahre weil es da so viel zu sehen gab – so viele Länder.
Nach sechzehn Jahren kehrte er wieder heim, und da war dann das erste Mal auf seiner ganzen Reise, daß er Schwierigkeiten bekam, mit Behörden. Zu Hause sozusagen, mit den eigenen Leuten. Und warum? Weil er keine scheiß Steuernummer hatte. Stell dir vor, der hatte keine Ahnung von so was, und bei der Einreise in Griechenland haben sie ihn nach seiner Steuernummer gefragt, aber er hatte ja keine, wußte gar nicht, daß man so was braucht.
Und Du kannst nicht am Montag noch mal kommen und die anderen Geräte ansehen?

„Nein, das sind ja noch vier Tage, ich will weiter nach Italien.“
Ich weiß auch nicht, irgendwie muß ich mal was tun. Ich sitze schon viel zu lange hier rum.“ Reibt sich dabei ausnehmend über den Bauch. „Vielleicht sollte ich auch mal los.“
Er steht auf, reicht mir die Hand und sagt „freut mich daß wir uns getroffen haben, freut mich wirklich sehr. Paß auf Dich auf und alles Gute.“

Wieder unterwegs

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 9. Januar 2009 @ 10:32

Nach einigen Tagen mit wenig Wind und annähernd glatter See, wenn man morgens aus der geschützten Bucht schaut und weit draußen ausgedehnte Schaumstreifen zu sehen sind, ist man fast versucht, eine Beschäftigung zu finden, noch einen Tag zu bleiben.
Was in dem Fall aber ein grobes Versäumnis wäre, der Wind ist nämlich moderat, mit 4 – 5, und auch noch mit fast 90 Grad zum geplanten Kurs. Aber wo kommt nur diese Welle her? Ein bis zwei Meter – anfangs sind die zwei Meter noch selten, später aber, aus der Landabdeckung heraus, sind schon auch mal höhere dabei.
Um fünf Grad den Kurs ändern, damit sie mehr von schräg vorn kommen – so läßt sich das gut abreiten. Mein Haus, das schwimmt, und manchmal vollführt es Bocksprünge.

Alles gut, solange die Navigation paßt und die Orientierung nachvollziehbar bleibt. Doch die Wolken hängen tief, zuweilen verringern ausgedehnte Regenschleier die Sicht auf unter eine Meile.
Für alle Fälle habe ich nochmal ein GPS Gerät geliehen. Ein sehr altes Gerät, auch ein MAGELLAN wie mein stationäres, welches seine Arbeitstage mit der Suche nach Satelliten verbringt, um dann vielleicht (nicht jeden Tag) eine Position abzugeben, die dann allerdings etwa drei Meilen abseits der tatsächlichen liegen kann. Und auch ein MAGELLAN, wie mein nagelneues, portables. Heiß beworben – TRITON 1500 – es sei das Beste und Feinste vom Besten und Feinsten. Tatsächlich aber ist der TRITON 1500 noch nicht mal den Sauerstoff wert, der nötig, um den Namen auszusprechen.
Viele Stunden hat ein Freund in Lefkas mit seinem Rechner im Netz verbracht, um Software Updates und Verfeinerungen auf das Gerät zu laden, zu reparieren. Mit aller Mühe und Sorgfalt – das Ergebnis: zwei Stunden astreiner Betrieb und dann eine ausgeklappte Fehlermeldung mit der Aufforderung, man möge doch gefälligst der Programmverkäufer kontaktieren. Man stelle sich diesen Moment auf hoher See vor.
Nun, das geliehene Gerät tut es schon soweit, findet nach dem Einschalten innerhalb einer Stunde seine Position, welche dann auch recht exakt ist. Was den MAGELLAN Geräten aber allesamt zuwider zu sein scheint, ist Bewegung, also genau das, weswegen man sich ein auf Signalen von Satelliten beruhendes, weltweit funktionierendes Hilfsmittel zur exakten Navigation oder Ortsbestimmung anschafft. Also, solange man sich mit meinen Geräten still an einem Ort …., aber soll ich den geneigten Leser mit der Ausführung solcher Gedanken langweilen?

In besagtem Fall ist es also schon etwas Nerven aufreibend, sich mit Karte und Fernglas an einer Küste entlang zu hangeln, wenn die Okulare nur graue Suppe zeigen. Das wäre fast zum Mäuse melken, gäbe es nicht da noch, und das fordert jeden Steuermann immer wieder heraus, die Tiefenlinien der Karte. Sehr interessant an der Südostküste von Korfu, da die zehn Meter Linie bis zu zwei Meilen vor der Küste entlang läuft. Und dann sind da noch hingeworfene Steine – das Spiel der Götter.

Lefkas

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 4. Januar 2009 @ 08:10

Ankunft am Tag vor Silvester. Ende des ersten Teils oder nur Station, wer weiß das? Jedenfalls Gelegenheit, inne zu halten und darüber nach zu denken, was denn da eigentlich vor sich geht. Auch Gelegenheit, längst fällige Dinge zu erledigen.
Lange Gespräche mit Freunden, Bestandsaufnahmen. Doch ein Endpunkt, einen Platz für das Boot für die nächsten drei Monate, Flugmöglichkeiten einholen?
Zwei Tage später liegen schon neue Karten auf, der Zirkel wandert, Handbücher aufgeschlagen neben dem Morgenkaffee. Die Angst, fest zu wachsen, nicht mehr los zu kommen sitzt schon im Nacken. Um den Eindruck zu verstärken knallt ein Hoch mit 1031 aufs Wasser, läßt den blanken Winterhimmel auf dem glattesten aller Spiegel prangen – nicht das leiseste Kräuseln.
Zwei Gründe nur, die einen in die Heimat treiben: die Sehnsucht nach dem geliebten Weibe und dann vielleicht, schwindende Barschaft. Der Erste rechtfertigt jede Unvernunft, jede Missetat und jede Flucht; der Zweite, nichts.