All empty, all gone
Meine Gasflasche neigt sich dem Ende, sie leert sich. Besonders unangenehm spürbar ist das, wenn man am Morgen des Badetages merkt, daß schon das Kaffeewasser nicht so recht warm werden will. Außerdem ist es, seit der Isthmus von Korinth durchquert wurde, deutlich kühler geworden, was den Gedanken an so ein heißes Bad gleich noch verlockender macht.
Bei der Besorgung einer frischen Gasflasche – glücklicher Umstand ohnehin, daß es erst in einem Hafen soweit ist – gibt es mehrere Möglichkeiten. Einmal kann man sich die Leere schultern in die Stadt tippeln und nach einem Supermarkt oder sonst einer Verkaufsstelle suchen, mit der Möglichkeit, in einer falschen Richtung zu suchen und so Wege weit, und mehrfach gehen zu müssen. Andernfalls kann man auch erst mal los gehen, um eine Verkaufsstelle zu suchen. Dabei wird man den Weg, vielleicht auch weit, aber mindestens zwei Mal gehen. Fest steht, in der näheren Umgebung des Hafens gibt es keine. Also mehrfach gehen, weit oder nicht weit, mit oder ohne Pulle am Buckel.
Immerhin treffe ich an einer Lagerhalle einen Mann, der,
„nein, Englisch eigentlich nur ein bißchen. Gas, was meinst Du? Ach so, Gaas! Ja, kochen muß ja schließlich jeder mal, selbst Du armer Hund, der offensichtlich kein zu Hause zu haben scheint. Also da vor, …“.
Irgendwas mit Kilometer sagt er noch und schnippst dabei mit dem Daumen über die Hälfte seines Zeigefingers – meint also fünfhundert Meter. Das ist ja dann, wenn es stimmt, nicht so weit.
Einschneidender als eine leere Gasflasche ist allerdings die Tatsache, daß seit dem Kanal das GPS Gerät nicht mehr arbeitet. Extra gekauft, das Neueste vom Neuen, portabel und mit allem Komfort, weil sich das alte stationäre Gerät nur noch gelegentlich zur Mitarbeit bewegen läßt. Es beschäftigt sich ansonsten all die Stunden eines Tages mit der Suche nach Satelliten. Und wenn es sich dann mal dazu herab läßt, eine Position abzugeben, so ist das mehr eine Schätzung als Berechnung. Kann ich auch.
Im ersten Moment, wenn man bemerkt, daß man nun wieder gar keines dieser wichtigen Navigationsgeräte zur Verfügung hat,
macht sich schon ein mulmiges Gefühl breit. Ich habe schon gleich den Computerfreak Michl im Ohr, der mir immer von der Redundanz gepredigt hat. Aber nein! Das ist es eben nicht, nein, Michl, hörst Du mich? wahre Redundanz besteht nicht darin, sich einen voll gestopften zweiten Rechner unter´s Bett zu packen. Es sind all die anderen Techniken, deren einzelne von all den seefahrenden Völkern über unzählige Generationen entwickelt und verfeinert wurden und deren Kenntnis eigentlich Pflicht ist.
Glücklicherweise habe ich beste Papierkarten in guten Maßstäben reichlich an Bord und ein Fernglas. Mir kommt wieder lebhaft vor Augen, wie ich mich in der Prüfung mit den Navigationsaufgaben geplagt habe. Das Lesen all dieser Symbole, der Buchstabenkürzel, Linien und geographischer Andeutungen und deren Interpretation ist auf ein Mal wieder wichtig. Uhr, Zirkel, Kartendreiecke, ein paar gespitzte Bleistifte und schon sind wir wieder auf Kurs, und wie.
Nun würde mein Netzmeister, Dr. Betonblog.de sagen, völlig zu Recht übrigens, daß sich eine Gasflasche nicht einfach selbständig leert, genauso wie eine Kugel für sich nicht selbständig jemanden tötet, sondern allenfalls …. Aber das führte jetzt zu weit. Jedenfalls mäht im germanischen Teil Europas auch niemand am 23. Dezember Kleewiesen.



