Eine Verbesserung
Die alte Einholerleine unserer Rollreffanlage war schon sehr abgenützt und hielt nicht mehr richtig in ihrer Klemme. Also habe ich eine neue besorgt, und zwar gleich eine 10 mm- anstatt der alten 8 mm Leine. Und genau die sorgte bei ihrem ersten Einsatz für einigen Ärger.
Das die Neue etwas mehr Platz auf der Rolle beanspruchen würde, war mir klar, nicht aber, daß dann die Führung der Leine direkter, d.h. sauber im rechten Winkel zur Rolle fixiert sein muß. So wurde beim Ausrollen des Vorsegels der unter Teil der Rolle schneller voll als der obere, und dadurch sprang an irgend einem Punkt die Leine von der Rolle und vertörnte sich ganz schlimm um, die Basis. So war das Segel nicht mehr einzuholen, auch nur zu reffen – daran war nicht zu denken.
Also machte ich mich auf, den Autopilot eingeschaltet, diese Rolle zu klarieren. Fünfmal war die Leine bereits um die Basis gewickelt und entsprechend verklemmt. Also mußte die Leine von hinten her gelockert und vorn zurück gedreht werden, innerhalb des Rollenkäfigs. Diese Arbeit da vorn, bei etwa zwei Meter Wellen gleicht dem Ritt auf dem Kopf eines tanzenden Rosses, das bei jedem vierten oder fünften Hub sein Gesicht vollständig in einen Wassertrog taucht. Erschwerend hinzu kommt, daß jedes gelockerte Stück Leine entgegen der Zugrichtung durch den schmalen Spalt zwischen Drahtkäfig und Rollenwandung gezwängt werden muß, was bei 8 mm vielleicht gar nicht so schwer gewesen wäre. Nach einiger Zeit waren drei der fünf Törns geschafft und ich unten rum völlig durchnäßt. Aufgegeben, erst mal, aufgeschoben auf später. Raus aus den nassen Klamotten, umziehen. Gegenüber den letzten Tagen sind die Temperaturen deutlich gefallen, was sich bei Wind und Wolken vor der Sonne noch mehr auswirkt.
Noch zwanzig Meilen Zeit, das Problem zu lösen, wenn der Wind so bleibt, in Richtung und Stärke. Aber Wind bleibt nie so, wie man das gerade mal haben will. Und so waren die nächsten Stunden – das Ziel, die Insel Levitha schon deutlich auszumachen – ständiges Höhe schinden. Abfallen, weil eine dicke Wolkenwand wieder ihre eigene Windrichtung mit bringt, und an ihrer Rückseite wieder annähernd auf Kurs hinein lügen.
Drei Stunden später, drei Meilen vor der Bucht für die folgende Nacht, ließ sich das Problem nicht mehr länger aufschieben. Den Gedanken, mit knatterndem Segel mehrere Meilen gegenan zur ruhigeren Bucht zu motoren, das Tuch zu riskieren, schob ich schnell beiseite. Schon in der Abdeckung der Insel war auch das Wellensystem verändert, in der Richtung und vor allem kaum noch Höhe. Mit der Rohrzange ging ich ans Werk, die Kratzer im Aluminiumprofil wollte ich riskieren.
In den Wind gehen, Einholerleine und Schoten lockern, und da vorn auf dem Bugspriet mit der Rohrzange als Hebel das Rollenprofil mit dem knatternden Lappen eindrehen, festhalten und mit einer freien Hand die restlichen zwei Törns aus der Verklemmung lösen und zurück in den Drahtkäfig auf die Rolle stopfen. Das war die Idee. So ganz trocken ging das aber dann doch nicht ab und zur Perfektion bräuchte es eigentlich eine dritte Hand. Aber es gelang.
Nachts im Cockpit verweilen, wenn der Schlaf nicht mehr bleiben mag, den Mond im Angesicht,
die Füße im Schlafsack, ein Glas angewärmten Wein.
Das Boot schwoit im leichten Nachtwind. In den nahen Hügeln blökt ein Schaf seinen Traum.



