Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Nudeln machen glücklich

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 8. Dezember 2008 @ 21:27

Den ersten Tag allein, die Kabinen sind leer, keine Fragen mehr und keine Anmerkungen. Überall und zu jeder Zeit freier Durchgang, nirgends muß ich mich mal eben durchdrängen. Alles leer, ich bin einsam, mein Körper, der Geist, leer, verlangen nach Glück. Eine Art Glück jedoch, welche durch Nudeln allein nicht zu befriedigen wäre. Zu schnell, zu flüchtig der Genuss, allenfalls für einen kurzen Fieberanfall tauglich.
Etwas handfestes, bauschigflauschiges, Blickfeld verdeckendes, eine Schüssel voll. Zuhause – wo immer das auch sein mag oder gerade ist – ein wenig Heimat schaffen.
Was für ein schwülstiges Geschwätz, die ganze Kindheit hindurch mochte ich sie nie, konnte sie allenfalls in gerösteter Form ertragen. Aber auch genau so habe ich sie vor ein paar Jahren für mich neu entdeckt. Geröstet in Butter, mit oder ohne Ei, oder mit Speck. Auch frisch, aus siedendem Wasser gezogen, das kommt heute gut. Semmelknödel, und zwar im Plural, so, wie schon vor rund siebzig Jahren der Münchner Magersüchtige sehr treffend doziert hat – Semmelnknödeln. Das geht nur bayrisch. Nicht badisch oder württembergisch, was schon auch süddeutsch, aber der Weck ergibt mit Sicherheit keinen Knödel, und im Plural höchstens ein Alarmgerät. Oder schriftdeutsch Brötchen…, Singular und Plural in sich bindend, zu scheu, klar Standpunkt zu beziehen. Wer würde so was essen wollen?
Nein, es muß schon die Valentinsche Variante sein. Dessen Wortspiel klar in den Ohren, versüßt das Vorspiel, die Zubereitung. Noch nichts ahnend, begann ich schon vor einer Woche helles und weißes Brot zu horten. Die Königstochter wollte das schon den Fischen spendieren. Entrüstung darüber.
Zu sagen, ein Speiseplan vor Augen, wäre sicher zu kühn zu behaupten, aber als ich heute morgen beim Einkauf sah, daß der deutsche Discounter mit dem gelbblauroten Logo auch auf Kos ein Hirschgulasch aus Österreich in der Tiefkühltruhe bereit hält, wurde es klar.
Hirschfleisch, gewürzt auf schon schwarzbraun gebratene Zwiebelhälften geworfen – der Schauspieler Tarrach schwört darauf, weil´s auf einfache Weise dunklen Fond gibt – ebenfalls anbraten dann mit süßem Roten und harzigem Retsina abgelöscht. Kräuter, Nelken, Knoblauch, Karotten dazu, eine Kartoffel klein hacken und auch hinein.
Während das vor sich hin köchelt, muß der Wein schon anfangen zu atmen. Das tut er bestens, während er an meinem Atemorgan vorbei die Speiseröhre hinab gleitet. Dann werden aus dem inzwischen gut geruhten Semmelteig faustgroße (nach der Faust der Königstochter) Knödel geformt und in siedendes Wasser getaucht.
Sobald die letzten Knödeln in dem nur noch leicht siedendem Wasser auftauchen, ist auch die zweite Flasche Wein bereit zu atmen und das Gulasch zart genug, sich auf einem vorgewärmten Teller auszubreiten.