Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Kaputt

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 28. November 2008 @ 22:15

Wir sind nun also, der zweite Anlauf, unterwegs, zwischen den Inseln der Ägäis, all die neuen Sachen ausprobieren. Noch nicht sehr weit – Rhodos, Symi, Thilos, Nisyros und nun Kós, aber wir haben noch Zeit, (gemeinsame) und nehmen uns die Zeit, weil man sich schon mal einen Tag verstecken muß und günstigeres Wetter abwarten. Testen, ansehen, reparieren. Nur wenn man unterwegs ist, haben die Sachen auch die Gelegenheit, kaputt zugehen, und das tun sie auch. Zum Beispiel: zwei Ladegeräte an Bord (verschiedener Art), eins davon tut´s seit dem ersten Einsatz nicht und das andere macht jetzt irgendwie schlapp. Beides waren nagelneue Geräte. Dazu kommt, daß auch bei ganztägigem Motoreinsatz die Batterien anscheinend nicht voll geladen werden. Jedenfalls zeigt der ebenfalls neue Batteriemanager das an. Der Fluxgate Kompass hatte auch schlapp gemacht (wie fährt man eigentlich übers Meer ohne Kompass), tut es aber, wie Wunder, seit gestern Abend wieder, nachdem ich ihn geöffnet und einen Tag (vielleicht austrocknen) offen in der Kabine liegen ließ. Ein neues, neuartiges GPS Gerät haben wir angeschafft, und das gibt, wenn wir uns bewegen, auch den Kurs an und noch vieles mehr. Das tut auch, ohne zu murren, genau was es soll, wohingegen das stationäre GPS tagelang nach Satelliten sucht, ohne je welche zu finden. Der neu besorgte Ankermotor, eigentlich ein Anlassermotor will auch nicht so recht, weil viel zu schwach.
Kommenden Donnerstag sind Stärken von 7 – 8 Bft. angesagt, und wir sind am überlegen, wo wir an dem Tag sein wollen. Stärke 7 hatten wir letzten Samstagnachmittag schon mal, mit mehr als drei Meter hohen Wellen, sind wir im Moment nicht besonders auf eine Wiederholung scharf. Wir hatten aber auch Glück, die richtige Insel (Symi) anzusteuern, da kannte ich von vor zwei Jahren noch eine rundum geschützte Bucht. Es war nur etwas aufregend, so aus der Erinnerung, aus zwei Meilen Entfernung die Einfahrt zu finden. Wollte nicht so schnell unter Land, da der Wind auflandig stand. Aber der neue Motor tat seine Arbeit wunderbar und auch unter großer Last.
Es ist irgendwie nicht die richtige Jahreszeit, um zu segeln in dieser Gegend, aber es geht. Da gibt es jede Menge Platz in Stadthäfen und man wird schon mal auf eine Feier eingeladen, nur weil man da ist. Und da waren noch die beiden Jungs, Adam und Carsten aus Berlin, Anfang zwanzig, auf dem Weg nach Indien, mit den Fahrrädern. Ja, das gibt’s noch, daß jemand unterwegs nach Indien ist. Wir hatten sie auf ein Lunch eingeladen, und als sie uns gegen Mitternacht verließen, irgendwo in der Nähe ihr Zelt aufzubauen, hatten wir uns gegenseitig eine Menge erzählt. Der Wilfried Erdmann hat das ja auch mal gemacht, nachdem er damals aus der neu entstandenen DDR mit dem Fahrrad abgehauen ist. Das war noch fast aus Versehen. Aber als er sich dann diese goldene BRD angesehen hat, und bei sich dachte: ‘ist das eigentlich alles?’, bestieg er erneut sein Fahrrad und fuhr nach Indien, um zu sehen, was da noch so alles los ist. Das war irgendwie 1958 oder so.

Trotz allem, das Boot macht großen Spaß. Schnell, wendig, macht es auch bei viel Wind und Wellen eine starken Eindruck. Aber ich merke auch, daß bei all der Aufmerksamkeit, die ich dem Boot im Lauf des letzten Jahres gegeben habe, dabei ganz vergessen habe, mich um die wesentlichen Dinge, nämlich segeln lernen, zu kümmern. Und all die Einrichtungen, die damit zu tun haben, zum Beispiel Reffeinrichtung. Der Voreigentümer hat nicht gerefft, weil er ja auch nicht gesegelt ist und so schreit das, was dazu vorhanden sein soll, “Aua”. Muß alles noch neu gemacht, neu überdacht werden, und auch dazu sind wir unterwegs, all die Fehler und Mißstände zu finden.

Wieder auf der Werft

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 5. November 2008 @ 17:08

Was gibt es für neue Bilder? Keine neuen Bilder, oder eine ganze Menge, aber es sind auch alte Bilder. An manchen der letzten Tage glaubte ich mich wieder am Anfang und das will bestimmt keiner sehen. Oder ich will es nicht herzeigen.
Es fing mit dem Leck auf Rhodos an, welches ein weiteres zu Tage brachte. Die anschließende Notreparatur brachte erst mal etwas Ruhe in dieser Sache. Zurück in der Marmaris Yacht Marina entbehrte es nicht einer gewissen Komik, als ich im Büro meinen Wunsch nach raus heben vorbrachte, daß man einen Termin im März vereinbaren wollte. „Jetzt ist das vollkommen unmöglich, wenn sie nicht im Sommer schon einen Termin gemacht haben“.
„Ähh, tschuldigung, da ist ein Leck im Rumpf. Das muß schnellstens repariert werden“.
„Das verstehe ich schon, aber sehen sie, wir haben so viele Vorbestellungen, … also im März würde uns das viel besser rein passen“.

Nun also doch, das Boot ist inzwischen an Land, die Arbeiten begonnen und: weiß jemand, wie das ist, wenn man erst einmal einen Arzt aufsucht, der findet auf jeden Fall und immer was. Am Sonntag war es ein Gang durch das Fegefeuer – da glaubte ich doch, den letzten Winter mit wirklich aller Sorgfalt vorgegangen zu sein – am Mittag war die Trennscheibe auf der Flex. Stück raus aus dem Rumpf und nach einem geeigneten Ersatz gesucht. Der Schnitt tat weh, im Hirn, nicht im Herzen. Drüben bei der Werfthalle wo sie den Katamaran gebaut haben, fand sich passendes Material. Da hat mir dann der Türke noch das Blech geschenkt und auch zurechtgeschnitten, „Paßt schon, nimm mal mit, das geht schon in Ordnung. Wenn Du sonst was brauchst, komm ruhig.“
Und weil ich so schön am finden und schneiden war, fand sich gleich noch ein verstecktes Leck – noch ein Blech. Und es war gut so, und es tat auch gut, die Elektroden rein zu braten und zu wissen, das hält, das ist fest und gut, da darf auch mal was dran donnern. Blieb dann aber auch noch, den ganzen Unterwasserbereich abzuschleifen. Dreizehn Meter mal, im Schnitt, einsfuffzig mal zwei Seiten, Kiel und Ruder noch dazu. Eine Arbeit für Straftäter, oder vielleicht gehirngeschädigte Bodybuilder, mit der großen Flex, überkopf Strich über Stich von vorne bis hinten und umgekehrt und rauf und runter. Rot, Blau, Grün, Schwarz, so waren die Schichten und das, von der Schleifscheibe in feine Dreckpartikel zerhackt zentimeterdick auf schwitzender Haut, in den Haaren, um und auf der Schutzbrille, dem Mundschutz.
Also, jede Menge Bilder. Aber wer soll die knipsen.