Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Mal kurz noch einkaufen

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 19. Oktober 2008 @ 09:57

Es sieht nicht gerade enorm aus, so bei Dunkelheit ein Leinen aufzuziehen, aber kann irgend jemand nachfühlen, wie das ist, nach zwei vollen Jahren wieder ein Segel aufzulegen, so zu tun, als ginge es los. Es ist in der Tat erhebend, aber vielleicht nur der, der die ganzen bangen Stunden im Kreuz hat, fühlt den Moment.
Sonntag zeitig bei Sonnenaufgang raus, bevor der große Trubel los geht, denn Zuschauer wollte ich keine, und so war ich, als die Menschen erwachten, schon draußen in der Ausfahrt der Bucht. Marmaris hinter mir. Erst mal nur Genua und Besan, mal sehen was sie macht und wie sich das an fühlt. Und es war auch wirklich großartig, all das, das tiefblaue Meer, der Himmel, das Boot und die Felsen von der anderen Seite. All die neuen Dinge ausprobieren, schauen, da sein.

Nachmittags dann in Rhodos das Übliche: Stadthafen voll – damit auch niemand auf die Idee kommt, sich in eine Lücke zu quetschen, hat man dann schon auch lange Leinen quer gezogen – schwelliger Fährhafen, und genau dort wird mein Platz sein, offen zu Wind und Schwell zu zwanzig Euro der Tag. Eine Stunde später umparken, weil noch ein kleineres Kreuzfahrtschiff längsseits gehen will und eigentlich stellt sich dabei raus, daß ein anderer Wichtiger mich überhaupt weg haben möchte, da er „expecting tomorrow several VIPs“. Nur der Umstand, daß ich bereits bezahlt hatte und das die Banknote schon weg war, lies ihn Gnade walten.
Oh, was ist das? Um den Ölstand zu kontrollieren ein Blick in die Motorenabteilung – da steht Wasser bis zur Oberkante der Ölwanne. Schmeckt eigentlich gar nicht salzig, also vielleicht aus den Trinkwassertanks was entronnen. Aber gleich fast hundert Liter? Erst mal abpumpen und der Vorsatz, gleich am Morgen der Sache nach zu gehen.
Am nächsten Morgen, das Wasser war wieder da, gleiche Menge etwa. Schon deutlich beunruhigter beschließe ich, erst mal einzukaufen und dann der Sache auf den Grund zu gehen.
Der Einkauf, oder besser die Beute zum Boot zu bringen und dann zu stauen ist eine schweißtreibende Angelegenheit. Danach geht es auf die Suche nach der Quelle. Dabei mußte ich wieder einmal die Säge zu Hand nehmen, um wirklich sicher zu gehen. Aber ich fand sie schon. In der Wüste ist man sicher erfreut über ein Rinnsal von etwa vier Millimeter Dicke, ich dagegen eher  weniger. Nach einigem Überlegen entscheide ich gleich mal vorne bei der Werft anzufragen. Und die meinen dann „Klar, machen wir“, und wir vereinbaren, da sie danach Feierabend machen würden, daß das Boot im Lift hängen bleibt, ich die Arbeit bis zum Morgen aber beendet haben müsse, und dafür würden sie etwas Preisnachlaß gewähren.
Was dann zu sehen war, als der Lift anhob, verschlug mir die Sprache. All die Arbeit am Unterwasserbereich, die ich vermeintlich so sorgfältig ausgeführt hatte – umsonst. Fast das ganze Antifouling von achtern bis vor zum Kiel war verschwunden oder gerade dabei selbiges zu tun. Und zusätzlich, Ruder und Skeg fast blank. Die verwendete Grundierung, fort, war offenbar falsch und die Zinkanoden, nach sieben Monaten im Wasser, fast neuwertig. All meine Gedanken dazu nichtig. Darüber wurde das sofort zu ortende Leck schon fast nebensächlich.
Die Nacht, nach der Arbeit – schwere Gedanken, Selbstvorwürfe.
Am nächsten Morgen, das Boot wieder zu Wasser, ich darf noch etwas bleiben, neben dem Liftbecken vor Buganker um weitere Besorgungen zu tun.
Zwei Stunden später Anker auf und!  kennt jemand diese „nnngh, nnngh“ Geräusche, die auch schnell weniger werden? Wie, kein Saft, aber die Maschine läuft doch – etwas mehr Gas vielleicht.
Das Ergebnis bleibt gleich und so bleibt nur, die Kette von Hand aufzuholen. Sechzig Meter 10er Kette von Hand aufholen ist nicht unbedingt spaßig, das ist ausgesprochene Leibesertüchtigung und man schätzt sich glücklich, das in windstiller Atmosphäre und Null Seegang zu tun.
Die Arbeit am Rumpf war eine schnelle Notreparatur und muß demnächst noch besser gemacht werden, außerdem etwas grundsätzliches wie Sandstrahlen und ganz neuen Farbaufbau läßt sich jetzt nicht mehr hinausschieben. Aber nun auch noch die Ankerwinsch – eine Liste beginnt sich gerade wieder zu verlängern.