Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Herzkrank vielleicht

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 5. März 2008 @ 21:47

Hat irgend jemand gesagt, das Boot wäre fast fertig? Hoffentlich nicht, denn das wäre ein großer Irrtum. Zwei Tage bevor ich mit dem Boot ins Wasser ging lief der Motor noch einwandfrei. Kühlwasserschlauch an das Seeventil geklemmt, mit dem anderen Ende in einem Eimer, der wiederum aus einer Druckwasserleitung gespeist wurde. Im Liftbecken dann, kurz gelaufen, gequalmt, Ölalarm am Kontrollpanel und aus. Gut, Samstagabend, es war die letzte Arbeit des Liftteams, kein Problem vor Montagmorgen.
Am Sonntag lief der Motor für zehn Minuten, aber ich stellte ihn ab, weil die Ölkontrolle einfach nicht abschalten wollte, und danach, jeder weitere Versuch brachte nur ein verhaltenes „Nngh“, nichts weiter. Die Batterien waren schon sehr alt,mußten ohnehin ausgetauscht werden, aufgrund eines schlauen Schweizers, der Mechaniker vor dem Herrn (seine Einschätzung), auch den Anlasser nach Marmaris zum prüfen gebracht, obwohl dieser beim testen lief. Der Anlasser sieht jetzt wieder sehr schön schwarz silber aus, hatte aber keinen Fehler, wie mir der dortige Elektromechaniker gleich sagen konnte. Und der Motor machte immer nur Nngh. Wie mir alle am Liftbecken umstehenden Experten rieten, „…überkleb den Ölalarm einfach, wenn er dich nervt, der hat nichts zu bedeuten.“
Heute, es ist bereits Mittwoch, hat es bis Mittag gedauert, bis ich eine 38er Nuß (von jedem, der mir helfen wollte, für morgens zugesagt:“Hast gleich in der Früh“) hatte, um die Kurbelwelle direkt drehen zu können. Für drei Stunden später hat sich dann ein Mechaniker angesagt, der sich das mal ansehen wollte. Es ist seltsam, wie man doch manchmal, wenn jemand in einer fremden, unverstandenen Sprache mit jemandem spricht, man jedes Wort schon vor der Übersetzung genauestens versteht. Das Ergebnis dann war genauso einleuchtend wie ernüchternd, und erschütternd. Keine Ölförderung, Kolben zu warm, aufgequollen, fest. Hier drin: Unmöglich, die Maschine muß raus. Das Glück: VOLVO PENTA ist sowas wie ein Fake. Volvo Motoren gibt es wahrscheinlich gar nicht. Jeder stellt Motoren her und Herr Volvo kauft das und setzt seinen Namen drauf. Meiner ist ein PEUGEOT und Gott sei Dank in der Türkei sehr geläufig – fast jeder Dolmus fährt damit. Also, die benötigten Teile sind schon im Land und günstig. Und der von Elektrolyse angefressene Ölkühler kann auch repariert werden (aufschweißen, ausfräsen, den Rest aus Mugla schicken lassen, wieder zusammen setzen).
Und die Kosten?, „kann ich noch nicht sagen, dazu muß ich die Maschine erst zerlegen. Vielleicht drei- bis höchstens viertausend Euro.“ Da war es wieder, woher weiß der Mann daß es Euro gibt, sind hier nicht die türkischen Lira (sogar „Yeni …, heißt Neue …)“ aktuell? Und es dauert einen Monat, nämlich hier was hin schicken zum prüfen und von dort was holen, zerlegen, zusammen bauen und dann muß die Maschine schließlich mindestens zehn Stunden in der Werkstatt laufen um sicher zu gehen, außerdem gibt es ja noch andere Patienten. Aber was hilft es, das Herzstück muß raus und revisioniert werden. Da hilft kein Katheter, kein Bypass.
Da glaubte ich doch glatt, ich wäre fast soweit, könnte bald verschwinden – nur noch die Segel und so. Nein, ganz falsch – die Lehre ist irgendwas mit Geduld, Gleichmut oder was auch immer. Aber das Geld der letzten Saison sollte doch bis Juni reichen! Und die Reise auf der „Alexander von Humboldt“ ist doch auch schon bezahlt. Merkt man es, wenn man am Boden aufschlägt, oder selbiger sich einem unter den Füßen entzieht? Wie zum Hohn hängen dicke schwarze Wolken über mir und der Wind bläst.

Szenenwechsel: Die Bodenplatte in der Plicht, „einlaminiert – überhaupt kein Problem, ist ruckzuck raus“. Zwei Stunden später, heftige Flex- und Meiselarbeit dazwischen, es bleibt eigentlich nur Hechsel von der Bodenplatte über, in Kübeln abtransportiert.

Es ist jetzt dunkel und ich glaube, es ist nun besser, ich besorge mir drei Flaschen Rotwein und ertränke sowohl mich als auch das in Salbei marinierte Huhn damit. Etwas Karotten (in Streifen geschnitten), Zwiebel, jungen Knoblauch dazu und die im Herbst eingelegten Oliven. Ein Schuß leichte Sojasoße noch darüber. Etwas Reis dazu, in Butter gebraten und mit gehackter Petersilie am Schluß durchwirkt.
Auf dem Teller ein Bett aus dem Reis, darin die Hühnerfilets, mit Zwiebeln und den Karottenstreifen bedeckt. Oliven und Knoblauch außen herum. Und zum Nachtisch! Yulafli. Denn das können sie unerreicht, die Türken: Haferkekse (ohne was drin) und sonstige Spezereien (Helva, Baklava, verschiedenste Puddings). Ich rieche nach Diesel und Maschinenöl, und der Abwasch ist dann auch noch zu machen. Der Wind hat nachgelassen aber es regnet trotzdem noch nicht.