Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Pause

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 15. März 2008 @ 15:48

Nun ist erst mal wieder Schluß, oder wenigstens so was wie Pause. Bin es überdrüssig, hier zu sein, all den Dreck und die nicht erledigten Arbeiten zu sehen. Zwar habe ich hier auf dem absoluten Außenponton wirklich Ruhe und werde von den Foagies nicht belästigt (der Weg ist einfach zu weit, für mal eben vorbei zu gehen und schlau zu schwatzen), aber ich brauche ganz einfach Abstand. Abstand von Marmaris, vom Boot, von all dem Drumherum – bin müde habe keine geraden Gedanken mehr für was ist richtig und notwendig, und was nicht.
Es braucht zwar auch diese Momente um einen Strich zu ziehen, Ordnung zu machen, aufzuräumen. Wenn einfach nichts mehr geht, der nur-noch-weg-Gedanke übermächtig, und doch zu wissen: ohne Segel (noch bei der Reparatur), und ohne Motor (eigenartig, wieviel doch auf einem Segelboot der Motor doch Herz ist und diese Energie nimmt) geht erst mal gar nichts.
Pause
Zweieinhalb Tage in Bayern verbringen, einmal ausschlafen und noch ausgiebig in unserem Möbellager wühlen. Ab Mittwoch aber ist die Pause perfekt und ich bin für die nächsten drei Wochen hier zu erreichen. Wobei erreichen etwas leichtfertig dahin gesagt ist, denn, ich würde ja schon rangehen, aber die D2 Masten sind wohl auf der Strecke zwischen 64°36′53”W, 32°14′26”N und 25°17′12”W, 37°35′20”N eher selten gestellt sein dürften. SERAPHINA bleibt derweil in der Obhut der Yacht Marine. Jetzt, da ich weiß, daß ich gar nicht am Russensteg liege, denn nur der (wahrscheinlich Waffenschein pflichtige) Trimaran aus Odessa, aber die beiden vermeintlichen Russen, deren Sprache ich nie zuvor wirklich vernommen, welche aber so eine schöne Melodie hat – der eine davon, Slavio, ist Kroate und der andere, ein alter Mann, kroatisch sprechender Pole, kann ich dann ja gehen. Eine nette Gesellschaft hatten wir schon, da draußen auf dem verwaisten Steg.

Gewinnspiel

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 7. März 2008 @ 07:18

Wie man gestern erfahren durfte, braucht es auf der SERAPHINA eine umfangreiche Motorinstandsetzung. Wie man bei entsprechenden Leiden und einigermaßen scharfer Eigenbetrachtung meist schon vor der Konsultation eines Arztes genau weiß wo der Haken hängt, so ging es mir auch hierbei mit dem Besuch des Mechanikers. Aber der Schock kam trotzdem, auch wenn keine Überraschung dabei war. Und die angepeilten, jedoch noch nicht genau zu benennenden Kosten sind nicht im Budget dieses Winters und eigentlich schon aus den zukünftig zu erwartenden Ersparnissen der Reisekasse. Das ist in etwa so, wie vor etwas mehr als siebzig Jahren ein nicht näher genannter angelernter – heute würde man sagen – Maler u. Lackierer aus Oberösterreich zur Bank ging und mit zukünftig zu erwartender Kampf- und Arbeitskraft einen nach oben offenen Kredit einforderte um bei eventueller Nichterteilung die gesamte Bankbelegschaft als Volltrottel zu deklarieren in Aussicht stellte.
Doch zurück zu unserem Gewinnspiel. Daß mich der Zusammenbruch der Maschine in ein tiefes Loch wirft ist klar, doch daß mich dieser Umstand fertig macht – Fehlanzeige. Statt dessen: große Klappe, klar, so kennt man mich und schließlich habe ich damit auch einen Ruf zu verlieren. Also habe ich mir gedacht – auch ohne vorherige Absprache mit Stammcrew und Eignergesellschaft – ein Gewinnspiel zu veranstalten.
Auf dem folgenden Photo stimmt eine Kleinigkeit nicht. Bewußt wurde auf Gegenüberstellung (ja wo ist denn auf dem linken Bild der Fehler) verzichtet – hier ist echte Assoziationsfähigkeit gefragt. Garantiert sei: Es handelt sich um eine Original- sozusagen 1:1 Aufnahme aus meiner Küche.
Benennt den Fehler ! und antwortet direkt auf den Kommentarlink oder an waytosail@gmx.com.

gewinnspiel01.JPG

Zu gewinnen gibt es einen Tag auf der SERAPHINA mit umfangreichem Erlebnisprogramm und Vollumsorgung. Aber bitte beachtet das nicht ganz so klein gedruckte folgend.

1.Der Sieger ist natürlich der erste Einsender (Datum, Uhrzeit) mit der richtigen Lösung. Die Sichtung und Ziehung des/der Gewinner/in findet selbstverständlich parteiisch, unter völligem Ausschluß irgendwelcher Notare durch den Skipper persönlich statt. Gewinner/in gibt es natürlich nur eine/n. Vergeßt auch den olympischen Gedanken, nach dem angeblich dabei sein schon alles sei. Der Zweite ist nicht zweiter Sieger, sondern bereits erster Verlierer, wie mein Kollege Schumacher zu sagen pflegt.
2.Die Positionierung und Benennung des/der Sieger/in kann selbstverständlich durch bestimmende Einflußnahme und Korruptionsversuche gesteuert werden. Aber bitte, bitte, alles hat seinen Preis. Beispielsweise das Angebot, sagen wir mal, via EADS, zur Teilnahme an einem Weltraumflug wäre schon was, auch ähnlich dekadentes, wie Vermittlung mehrtägiger Verfügbarkeit der Kreditkartensammlung eines Mercedes Vorstands, einfach mal um ein Niveau darzustellen.
3.Der Standort der Yacht SERAPHINA ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt für den Tag des Events noch nicht festzulegen. Daher muß auch die Anreise (egal wie weit) vom Gewinner selbst bezahlt werden. Über Organisation der Anreise (Flug, mehrstündige Fahrt im Sammeltaxi und anschließender Fußmarsch mit selbst geschultertem Gepäck) durch unsere Fachabteilung läßt sich natürlich reden.
4.Bei der Rückreise ist wie Punkt „3“ zu verfahren.
5.Der/die Gewinner/in wird öffentlich denunziert und schon jetzt verpflichtet, über sein/ihr Erlebnis auf der SERAPHINA zu berichten.
6.Einsendeschluß ist der 16. März 2008, der Tag meiner vorläufigen Abreise.

Eines ist schon jetzt sicher! Das wird ein unvergeßliches Erlebnis. Also ran an die Tasten und Augen auf. Kleiner Tip am Rande: es ist nicht der Küchenabfall, der nicht ins Bild paßt und nach dem braten sahen die Hühnerextremitäten sehr viel appetitlicher aus.

Herzkrank vielleicht

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 5. März 2008 @ 21:47

Hat irgend jemand gesagt, das Boot wäre fast fertig? Hoffentlich nicht, denn das wäre ein großer Irrtum. Zwei Tage bevor ich mit dem Boot ins Wasser ging lief der Motor noch einwandfrei. Kühlwasserschlauch an das Seeventil geklemmt, mit dem anderen Ende in einem Eimer, der wiederum aus einer Druckwasserleitung gespeist wurde. Im Liftbecken dann, kurz gelaufen, gequalmt, Ölalarm am Kontrollpanel und aus. Gut, Samstagabend, es war die letzte Arbeit des Liftteams, kein Problem vor Montagmorgen.
Am Sonntag lief der Motor für zehn Minuten, aber ich stellte ihn ab, weil die Ölkontrolle einfach nicht abschalten wollte, und danach, jeder weitere Versuch brachte nur ein verhaltenes „Nngh“, nichts weiter. Die Batterien waren schon sehr alt,mußten ohnehin ausgetauscht werden, aufgrund eines schlauen Schweizers, der Mechaniker vor dem Herrn (seine Einschätzung), auch den Anlasser nach Marmaris zum prüfen gebracht, obwohl dieser beim testen lief. Der Anlasser sieht jetzt wieder sehr schön schwarz silber aus, hatte aber keinen Fehler, wie mir der dortige Elektromechaniker gleich sagen konnte. Und der Motor machte immer nur Nngh. Wie mir alle am Liftbecken umstehenden Experten rieten, „…überkleb den Ölalarm einfach, wenn er dich nervt, der hat nichts zu bedeuten.“
Heute, es ist bereits Mittwoch, hat es bis Mittag gedauert, bis ich eine 38er Nuß (von jedem, der mir helfen wollte, für morgens zugesagt:“Hast gleich in der Früh“) hatte, um die Kurbelwelle direkt drehen zu können. Für drei Stunden später hat sich dann ein Mechaniker angesagt, der sich das mal ansehen wollte. Es ist seltsam, wie man doch manchmal, wenn jemand in einer fremden, unverstandenen Sprache mit jemandem spricht, man jedes Wort schon vor der Übersetzung genauestens versteht. Das Ergebnis dann war genauso einleuchtend wie ernüchternd, und erschütternd. Keine Ölförderung, Kolben zu warm, aufgequollen, fest. Hier drin: Unmöglich, die Maschine muß raus. Das Glück: VOLVO PENTA ist sowas wie ein Fake. Volvo Motoren gibt es wahrscheinlich gar nicht. Jeder stellt Motoren her und Herr Volvo kauft das und setzt seinen Namen drauf. Meiner ist ein PEUGEOT und Gott sei Dank in der Türkei sehr geläufig – fast jeder Dolmus fährt damit. Also, die benötigten Teile sind schon im Land und günstig. Und der von Elektrolyse angefressene Ölkühler kann auch repariert werden (aufschweißen, ausfräsen, den Rest aus Mugla schicken lassen, wieder zusammen setzen).
Und die Kosten?, „kann ich noch nicht sagen, dazu muß ich die Maschine erst zerlegen. Vielleicht drei- bis höchstens viertausend Euro.“ Da war es wieder, woher weiß der Mann daß es Euro gibt, sind hier nicht die türkischen Lira (sogar „Yeni …, heißt Neue …)“ aktuell? Und es dauert einen Monat, nämlich hier was hin schicken zum prüfen und von dort was holen, zerlegen, zusammen bauen und dann muß die Maschine schließlich mindestens zehn Stunden in der Werkstatt laufen um sicher zu gehen, außerdem gibt es ja noch andere Patienten. Aber was hilft es, das Herzstück muß raus und revisioniert werden. Da hilft kein Katheter, kein Bypass.
Da glaubte ich doch glatt, ich wäre fast soweit, könnte bald verschwinden – nur noch die Segel und so. Nein, ganz falsch – die Lehre ist irgendwas mit Geduld, Gleichmut oder was auch immer. Aber das Geld der letzten Saison sollte doch bis Juni reichen! Und die Reise auf der „Alexander von Humboldt“ ist doch auch schon bezahlt. Merkt man es, wenn man am Boden aufschlägt, oder selbiger sich einem unter den Füßen entzieht? Wie zum Hohn hängen dicke schwarze Wolken über mir und der Wind bläst.

Szenenwechsel: Die Bodenplatte in der Plicht, „einlaminiert – überhaupt kein Problem, ist ruckzuck raus“. Zwei Stunden später, heftige Flex- und Meiselarbeit dazwischen, es bleibt eigentlich nur Hechsel von der Bodenplatte über, in Kübeln abtransportiert.

Es ist jetzt dunkel und ich glaube, es ist nun besser, ich besorge mir drei Flaschen Rotwein und ertränke sowohl mich als auch das in Salbei marinierte Huhn damit. Etwas Karotten (in Streifen geschnitten), Zwiebel, jungen Knoblauch dazu und die im Herbst eingelegten Oliven. Ein Schuß leichte Sojasoße noch darüber. Etwas Reis dazu, in Butter gebraten und mit gehackter Petersilie am Schluß durchwirkt.
Auf dem Teller ein Bett aus dem Reis, darin die Hühnerfilets, mit Zwiebeln und den Karottenstreifen bedeckt. Oliven und Knoblauch außen herum. Und zum Nachtisch! Yulafli. Denn das können sie unerreicht, die Türken: Haferkekse (ohne was drin) und sonstige Spezereien (Helva, Baklava, verschiedenste Puddings). Ich rieche nach Diesel und Maschinenöl, und der Abwasch ist dann auch noch zu machen. Der Wind hat nachgelassen aber es regnet trotzdem noch nicht.

Wasser

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 2. März 2008 @ 00:05

Das sich herum drücken hatte heute schier kein Ende, aber jetzt ist es vollbracht. Wasser, das Boot ist wieder Boot. Den ganzen Tag schlichen sie um mich herum, keiner hat einen Ton gesagt, als wäre ich gar nicht anwesend. Dabei müßten doch alle gewußt haben, das trotz der vielleicht zweitausend Boote hier am Platz genau heute nur eines wichtig ist. Aber unbeeindruckt gingen alle Liftarbeiter, als wäre das heute kein Feiertag, ihrer sonstigen Arbeit nach und saßen auch mal herum und tranken Tee.
Als es dann schon auf Feierabend zuging, fragte ich mal an, was denn nun wäre. Sogleich gab es Aufregung, aber nur bei einigen. Yücel sagte nur: “Ahh, geh in´s Büro und hol die Erlaubnis. Ohne Erlaubnis geht gar nichts.”
Ja und warum nicht gleich so, warum muß ich euch da erst wieder beim rumsitzen erwischen? Im Büro dann wieder die alte Leier: ” …hast du überhaupt schon mal daran gedacht, den Liegeplatz für das vergangene Jahr zu bezahlen?”
“Klar, hab ich! Wieso? ”
“Wir können hier im Computer nichts finden”
“Aber das war doch noch nie anders, zumindest nicht seit ich da bin.” Das habe ich aber nur bei mir gedacht und statt dessen irgendwas moderates gesagt. Na und hat man sich darauf geeinigt, daß ich nach dem Wochenende den Überweisungsbeleg bringe.