Opfer für 350
Hinreichend bekannt ist, daß der Autor über ein Stahlboot verfügt. Um einen Metallrumpf im Seewasser vor Korrosion zu schützen, die aufgrund fließender Ströme durch die Materialmischung
von z. B. Bronze, Edelstahl und Schwarzstahl entstehen kann, oder auch durch Verletzung der schützenden Oberfläche im Unterwasserbereich, ist es notwendig vor dem nahenden Wassertermin noch so genannte Opferanoden anzubringen. Opferanoden sind in diesem Fall Klötze aus reinem Zink, welche mittels angeschweißter Gewindestifte angeschraubt werden.
Zink unterliegt im Handel Tagespreisen wie die meisten Metalle und dafür will man am hiesigen Markt im Moment umgerechnet 10,60 € per Kilogramm. Einer der Klötze für dieses Boot hat etwa drei Kilo, sieben Stück davon sind anzubringen plus einige kleinere Pilzanoden. Macht einen Gesamtpreis von (aufgerundet) 350 Euro. Zum opfern, also weg schmeißen praktisch.
Da kam die Idee auf, diese Anoden doch selbst zu gießen, aus Altzink. Ein Italiener hatte etwa 30 Kilo davon und bot sie an, abzugeben., oder aber: „Laß uns das doch zusammen machen“. Gute Idee. Jeder von uns hatte aber noch genügend andere dringende Dinge zu tun, so daß dieses Vorhaben erst mal ruhte. Langsam aber, in der letzten Woche fing es etwas zu kribbeln an, „ diese verdammten Anoden sind ja auch noch zu machen“. Keine Gießform, kein Schmelztiegel, auch eigentlich nicht genügend Altmaterial um für beide zu gießen.
Eines morgens, während Farbe trocknen wollte, machte ich mich dann aber doch dran, erst mal eine Gießform zu basteln. Die erste war dann auch prompt für den Müll – zu groß (verschätzt), nicht dicht und nicht schön außerdem. Der zweite Versuch aber klappte, kann sich sehen lassen. Kaum hatte ich begonnen die erste Schmelze zu versuchen, kam auch schon Marco (besagter Italiener) an – die ganze Zeit dazwischen nicht gesehen oder gehört von ihm – nur mal sehen, ob was geht.
„Na schau her, es scheint zu klappen. Aber das Zink wird wohl nicht reichen und direkt in die Form rein schmelzen scheint auch nicht der Hit zu werden“.
Also mußte dringend Altzink, d.h. alte, runtergeschaffte Anoden, gefunden werden, und zwar viel
davon, denn etwa 20 Prozent vom Altzink ist Mist, der aus der Schmelze abgeschöpft werden muß, und irgend etwas, das für einen Schmelztiegel taugt.
Altzink findet man am ehesten bei ausgedehnten nächtlichen Spaziergängen. Am nächsten Tag hatten wir genug davon, um zwei Boote gut zu bestücken, und Marco hatte noch eine uralte Gasflasche, die schnitten wir mittig durch, brachten zwei Griffe an und aus Winkelstahl einen Ausgießer, schon war der Schmelztiegel da. Also wieder ran an die Schmelze, mal versuchen was nun wirklich geht.
Eineinhalb Tage schmolzen und gossen wir abwechselnd.



