Schwarze Räuber
Mit verschieden farbigen Augen, meist eines davon hellblau und einen Blick drauf – zum Steine erweichen.
Am Rande des wilden Hafens von Mesalongi – ich bezeichne ihn mal als wild, obwohl einige Anstrengung unternommen wird, um genau diesen Eindruck zu vermeiden – dort, wo jeder tut was er will und jeder den anderen sein läßt, verwilderte Salzbrachen, Salzgräser, Wiesen, dort leben die wilden Hunde.
Zwei Rudel, nein, Banden sind da unterwegs. Hundebanden, wie Buben Banden bilden und um die Gärten ziehen. Gekläffe, Gebell laut und sehr Respekt erheischend, dabei treffen sie sich einfach dann und wann tagsüber, ziehen aneinander vorbei. Es ist ein beschauliches, sinnliches Hundebandenleben. Zu essen gibt es genug, man muß nicht darum kämpfen. Keiner hat ernstliche Verletzungen oder Kampfspuren. Man zieht eben umher, täuscht Gefährlichkeiten vor. Lagern unter Büschen, am Wegrand, lümmeln sich an Baumstämme.
Einige sondern sich ab, in verschiedene Richtungen, haben Nachwuchs und erinnern sich an Rudelleben. Ein wenig mißtrauisch die Alten, haben die Jungen keinerlei Berührungsangst, suchen geradezu, erforschen Kontakt. Tapsen um den Zweibeiner, verdrehen ihre Köpfe nach oben. Kann eigentlich irgend jemand jungen Hunden widerstehen? Nein, jungen Hunden rennt man hinterher, man wird erlegt von ihnen, wirft sich hin, begreift, begrabscht und zauselt das weiche Hundekinderfell, während sie siegesbewußt auf einem turnen, beschnüffeln und die Ohren lecken.
Man wird erlegt von jungen Hunden, oder gibt den Harten, schüttelt sich den Staub aus der Hose und zupft die Halme vom Pullover. Setzt eiligen, festen Schrittes seinen Weg fort, auch was vortäuschend, ein fernes dringendes Ziel.
Wenn abends dann die Sonne vom winterklaren Himmel getaucht, noch kaum die Dunkelheit erfüllt, kommt noch so eine Erinnerung vom frühen Leben – sie heulen, singen gemeinsam ihr Lied in die Nacht.
All empty, all gone
Meine Gasflasche neigt sich dem Ende, sie leert sich. Besonders unangenehm spürbar ist das, wenn man am Morgen des Badetages merkt, daß schon das Kaffeewasser nicht so recht warm werden will. Außerdem ist es, seit der Isthmus von Korinth durchquert wurde, deutlich kühler geworden, was den Gedanken an so ein heißes Bad gleich noch verlockender macht.
Bei der Besorgung einer frischen Gasflasche – glücklicher Umstand ohnehin, daß es erst in einem Hafen soweit ist – gibt es mehrere Möglichkeiten. Einmal kann man sich die Leere schultern in die Stadt tippeln und nach einem Supermarkt oder sonst einer Verkaufsstelle suchen, mit der Möglichkeit, in einer falschen Richtung zu suchen und so Wege weit, und mehrfach gehen zu müssen. Andernfalls kann man auch erst mal los gehen, um eine Verkaufsstelle zu suchen. Dabei wird man den Weg, vielleicht auch weit, aber mindestens zwei Mal gehen. Fest steht, in der näheren Umgebung des Hafens gibt es keine. Also mehrfach gehen, weit oder nicht weit, mit oder ohne Pulle am Buckel.
Immerhin treffe ich an einer Lagerhalle einen Mann, der,
„nein, Englisch eigentlich nur ein bißchen. Gas, was meinst Du? Ach so, Gaas! Ja, kochen muß ja schließlich jeder mal, selbst Du armer Hund, der offensichtlich kein zu Hause zu haben scheint. Also da vor, …“.
Irgendwas mit Kilometer sagt er noch und schnippst dabei mit dem Daumen über die Hälfte seines Zeigefingers – meint also fünfhundert Meter. Das ist ja dann, wenn es stimmt, nicht so weit.
Einschneidender als eine leere Gasflasche ist allerdings die Tatsache, daß seit dem Kanal das GPS Gerät nicht mehr arbeitet. Extra gekauft, das Neueste vom Neuen, portabel und mit allem Komfort, weil sich das alte stationäre Gerät nur noch gelegentlich zur Mitarbeit bewegen läßt. Es beschäftigt sich ansonsten all die Stunden eines Tages mit der Suche nach Satelliten. Und wenn es sich dann mal dazu herab läßt, eine Position abzugeben, so ist das mehr eine Schätzung als Berechnung. Kann ich auch.
Im ersten Moment, wenn man bemerkt, daß man nun wieder gar keines dieser wichtigen Navigationsgeräte zur Verfügung hat,
macht sich schon ein mulmiges Gefühl breit. Ich habe schon gleich den Computerfreak Michl im Ohr, der mir immer von der Redundanz gepredigt hat. Aber nein! Das ist es eben nicht, nein, Michl, hörst Du mich? wahre Redundanz besteht nicht darin, sich einen voll gestopften zweiten Rechner unter´s Bett zu packen. Es sind all die anderen Techniken, deren einzelne von all den seefahrenden Völkern über unzählige Generationen entwickelt und verfeinert wurden und deren Kenntnis eigentlich Pflicht ist.
Glücklicherweise habe ich beste Papierkarten in guten Maßstäben reichlich an Bord und ein Fernglas. Mir kommt wieder lebhaft vor Augen, wie ich mich in der Prüfung mit den Navigationsaufgaben geplagt habe. Das Lesen all dieser Symbole, der Buchstabenkürzel, Linien und geographischer Andeutungen und deren Interpretation ist auf ein Mal wieder wichtig. Uhr, Zirkel, Kartendreiecke, ein paar gespitzte Bleistifte und schon sind wir wieder auf Kurs, und wie.
Nun würde mein Netzmeister, Dr. Betonblog.de sagen, völlig zu Recht übrigens, daß sich eine Gasflasche nicht einfach selbständig leert, genauso wie eine Kugel für sich nicht selbständig jemanden tötet, sondern allenfalls …. Aber das führte jetzt zu weit. Jedenfalls mäht im germanischen Teil Europas auch niemand am 23. Dezember Kleewiesen.
Mal eben nach Athen
Da habe ich noch erheblich türkische Lira gefunden, nur will die niemand haben. Man schickt mich von einer Bank zur nächsten, aber das Ergebnis ist überall das Gleiche. “Na versuchen Sie´s mal in Piräus”. Also gut, einmal Fährticket nach Athen.
Athen ist unfassbar laut, stinkend vor Abgasen und faszinierend bunt. Und der Erste, dem ich begegnete, ein Sesamkringelverkäufer, fragte mich, als wir uns kaum fünf Minuten später noch mal sahen: “Geht´s Dir hoffentlich gut?” “Ja” sagte ich, “mir geht´s wirklich gut”. “Dann ist es gut”, meinte er. Und er konnte mir dann auch noch, nach kurzer Überlegung, sagen, wo ich in diesem irrsinnigen Gewirr die richtige Bank finde. Was kann man schon machen, wenn eine so herzliche Begegnung die Allererste ist in so einem Moloch von Stadt.
Die kleine Bucht
Da war einmal eine kleine Bucht. So, oder so ähnlich fangen ja immer die Geschichten an. Dabei gibt es besagte Bucht ja immer noch. Also da war mal, und das ist eben in gewisser Weise schon eine Weile her, diese hübsche Bucht. Schön gelegen, umrahmt von Hügeln, an welchen Zitrusfrüchte, und weiter oben Oliven wuchsen. An der Küste entlang, auf halbem Weg zwischen den großen Städten gelegen, unbeachtet von den meisten, auch den allermeisten gar nicht bekannt und gut geschützt vor all zu groben Winden.
Eines Tages kam jemand, kaufte ein Grundstück und baute ein Haus. Dann kam noch jemand und wenig später noch jemand. Schöne Häuser, nicht allzu groß, nahe am Strand gelegen, für sich und die Familie, wenn mal jemand zu Besuch kommt. Da läßt sich´s gut sein, in den Hügeln spazieren, auf´s Meer hinaus schauen, in Muse die Tage vergehen lassen.
Vielleicht hat man sein Leben im Ausland verbracht, gearbeitet und geschafft, und mit dem Ersparten ließ sich hier gut was machen. Verwandte kamen und Freunde, „schön habt ihr´s hier, so wunderbar“, sagten die, und, „laßt mich eine Weile bleiben, meine Ferien verbringen.“
Mit der Zeit kamen auch Freunde von den Freunden und wollten auch etwas bleiben. „Schön“ sagten die Leute, „laßt uns zwei, drei Hütten bauen, gleich nebenan. So schön mit Dusche und zwei Schlafräumen in jeder. Dann können die Freunde kommen und bleiben wie sie wollen, und sind auch etwas für sich, sitzen dann nicht ständig bei uns im Wohnzimmer. Das wurde sogleich gemacht, alle packten mit an und den Besuchern, die da kamen, gefiel es.
Eines Tages kamen fremde Leute mit einem schönen großen Boot an der Bucht vorbei. „Ei wie hübsch,“ sagte einer, „schau diese malerische Bucht mit den schönen Häuschen und die hübschen Hütten. Hier könnten wir doch ein schönes Ferienhaus bauen. Dann haben wir ein zweites Zuhause, brauchen nicht immer ein Hotel suchen, wenn wir nicht in der großen Stadt bleiben wollen. Und unser Boot liegt direkt unterhalb der Einfahrt zu unserem Haus.“
Das taten sie dann auch sogleich, und es wurde ein schönes großes Haus. Auch sie wurden von Freunden besucht, die das so wunderschön fanden, daß auch sie bleiben und sich ein schönes Haus an der Bucht bauen wollten. Drei, vier weitere schöne große Häuser entstanden, und als die Bauarbeiten abgeschlossen waren, ließ es sich wirklich gut sein dort und die Tage verbringen.
Eines Tages im Frühling kamen zwei Investoren mit ihrem Boot in die Bucht. „Oh wie schön, schau mal, so friedlich, so malerisch die kleinen Häuschen und auch die Villa dort und dort, schau! Hier könnten wir doch …, nein, kein Hotel, damit ist viel zu viel Umtrieb. Ein paar einfache Wohnungen nur, für Gäste, die das Schlichte, Schöne schätzen und die Ruhe dieser Bucht.
„Au ja“, sagte der andere Investor, „das machen wir. Laß uns gleich im nächsten Winter damit beginnen.“ Und so bauten sie eine hübsche Anlage, mit fünfunddreißig hübschen kleinen Wohnungen an der gegenüber liegenden Seite der Bucht, ganz nah am Strand und so gerichtet, daß alle die kommenden Gäste einen schönen Blick auf die malerische Bucht mit den hübschen Häuschen haben würden.
Dann kam ein Freund der Investoren. „Da habt ihr aber einen schönen Fleck gefunden. So hübsch gelegen und gar nicht weit von der großen Stadt. Hier will auch ich etwas bauen. Ihr werdet sehen, schön wird das werden. An die Landschaft will ich es anpassen, modern, aber doch mit traditionellen Stilelementen versehen. Das wird den Gästen gefallen, die da kommen werden, und eine hübsche Rendite läßt sich auch damit erzielen.“ Schon ein Jahr später, im Frühling, konnte eröffnet werden, und siebzig neue schöne Wohnungen erwarteten ihre Gäste.
Dann kam ein Freund des Freundes der Investoren, danach ein Konkurrent und auch dessen Freund folgten nach. Sie alle bauten schöne neue und auch gediegene Wohnanlagen, natürlich nicht, ohne vorher Kapazitäts- und Auslastungsprognosen erstellt zu haben. Auch Beteiligungsmodelle mit Renditezielen wurden besprochen.
Das Bauland am Strand wurde bald knapp. Man wollte ja auch Strandbereich erhalten, für Badende und Aktivitätsuchende, und so zog man die Hügel hinauf. Vierhundert weitere Wohneinheiten entstanden so und am Strand noch ein hübscher Kiosk für leckere Getränke und andere Erfrischungen. Auch an ein paar Spielautomaten hatte man gedacht, für die man einen hübschen Anbau an den Kiosk fügte. Bojen wurden in der Bucht verlegt, damit ein weiterer Investor mit Motorbooten und anderen Spielgeräten anlegen konnte.
Auf der Höhe eines der Hügel errichtete ein neuer, diesmal fremder Investor eine hübsche, exklusive Anlage, pflanzte Palmen und hoch wachsende Sträucher, auf großem Areal, mit wenigen, erlesenen Einheiten für gut situiertes Publikum – Time Sharing, Vollversorgung, Pflegedienste bei Bedarf, sowie geprüfte und gebriefte Outdoor- und Meditationsspezialisten im Schlepp.
Ein drei Meter hoher Zaun um die gesamte Anlage trägt viel zur Beruhigung der Bewohner bei und an dessen Außenseite sind alle paar Meter hübsche kleine Schilder angebracht, welche eventuelle Passanten über Art und Weise der Zwangsmaßnahmen unterrichten, welche jene bei ungebetenem Zutritt zu erwarten haben.
Etwas Land an der kleinen Bucht scheint noch ungenutzt – der Zaun steht schon.
Aus Tagen der Schöpfung
Dem Menschen seit jeher unergründlich ist göttlicher Wille.
Was wie ein Gewirr kleiner und kleinster Inseln aussieht,
in Wahrheit von Göttern hingeworfene Steine – ein Spiel nur,
noch aus Tagen der Schöpfung
Eine Verbesserung
Die alte Einholerleine unserer Rollreffanlage war schon sehr abgenützt und hielt nicht mehr richtig in ihrer Klemme. Also habe ich eine neue besorgt, und zwar gleich eine 10 mm- anstatt der alten 8 mm Leine. Und genau die sorgte bei ihrem ersten Einsatz für einigen Ärger.
Das die Neue etwas mehr Platz auf der Rolle beanspruchen würde, war mir klar, nicht aber, daß dann die Führung der Leine direkter, d.h. sauber im rechten Winkel zur Rolle fixiert sein muß. So wurde beim Ausrollen des Vorsegels der unter Teil der Rolle schneller voll als der obere, und dadurch sprang an irgend einem Punkt die Leine von der Rolle und vertörnte sich ganz schlimm um, die Basis. So war das Segel nicht mehr einzuholen, auch nur zu reffen – daran war nicht zu denken.
Also machte ich mich auf, den Autopilot eingeschaltet, diese Rolle zu klarieren. Fünfmal war die Leine bereits um die Basis gewickelt und entsprechend verklemmt. Also mußte die Leine von hinten her gelockert und vorn zurück gedreht werden, innerhalb des Rollenkäfigs. Diese Arbeit da vorn, bei etwa zwei Meter Wellen gleicht dem Ritt auf dem Kopf eines tanzenden Rosses, das bei jedem vierten oder fünften Hub sein Gesicht vollständig in einen Wassertrog taucht. Erschwerend hinzu kommt, daß jedes gelockerte Stück Leine entgegen der Zugrichtung durch den schmalen Spalt zwischen Drahtkäfig und Rollenwandung gezwängt werden muß, was bei 8 mm vielleicht gar nicht so schwer gewesen wäre. Nach einiger Zeit waren drei der fünf Törns geschafft und ich unten rum völlig durchnäßt. Aufgegeben, erst mal, aufgeschoben auf später. Raus aus den nassen Klamotten, umziehen. Gegenüber den letzten Tagen sind die Temperaturen deutlich gefallen, was sich bei Wind und Wolken vor der Sonne noch mehr auswirkt.
Noch zwanzig Meilen Zeit, das Problem zu lösen, wenn der Wind so bleibt, in Richtung und Stärke. Aber Wind bleibt nie so, wie man das gerade mal haben will. Und so waren die nächsten Stunden – das Ziel, die Insel Levitha schon deutlich auszumachen – ständiges Höhe schinden. Abfallen, weil eine dicke Wolkenwand wieder ihre eigene Windrichtung mit bringt, und an ihrer Rückseite wieder annähernd auf Kurs hinein lügen.
Drei Stunden später, drei Meilen vor der Bucht für die folgende Nacht, ließ sich das Problem nicht mehr länger aufschieben. Den Gedanken, mit knatterndem Segel mehrere Meilen gegenan zur ruhigeren Bucht zu motoren, das Tuch zu riskieren, schob ich schnell beiseite. Schon in der Abdeckung der Insel war auch das Wellensystem verändert, in der Richtung und vor allem kaum noch Höhe. Mit der Rohrzange ging ich ans Werk, die Kratzer im Aluminiumprofil wollte ich riskieren.
In den Wind gehen, Einholerleine und Schoten lockern, und da vorn auf dem Bugspriet mit der Rohrzange als Hebel das Rollenprofil mit dem knatternden Lappen eindrehen, festhalten und mit einer freien Hand die restlichen zwei Törns aus der Verklemmung lösen und zurück in den Drahtkäfig auf die Rolle stopfen. Das war die Idee. So ganz trocken ging das aber dann doch nicht ab und zur Perfektion bräuchte es eigentlich eine dritte Hand. Aber es gelang.
Nachts im Cockpit verweilen, wenn der Schlaf nicht mehr bleiben mag, den Mond im Angesicht,
die Füße im Schlafsack, ein Glas angewärmten Wein.
Das Boot schwoit im leichten Nachtwind. In den nahen Hügeln blökt ein Schaf seinen Traum.
Nudeln machen glücklich
Den ersten Tag allein, die Kabinen sind leer, keine Fragen mehr und keine Anmerkungen. Überall und zu jeder Zeit freier Durchgang, nirgends muß ich mich mal eben durchdrängen. Alles leer, ich bin einsam, mein Körper, der Geist, leer, verlangen nach Glück. Eine Art Glück jedoch, welche durch Nudeln allein nicht zu befriedigen wäre. Zu schnell, zu flüchtig der Genuss, allenfalls für einen kurzen Fieberanfall tauglich.
Etwas handfestes, bauschigflauschiges, Blickfeld verdeckendes, eine Schüssel voll. Zuhause – wo immer das auch sein mag oder gerade ist – ein wenig Heimat schaffen.
Was für ein schwülstiges Geschwätz, die ganze Kindheit hindurch mochte ich sie nie, konnte sie allenfalls in gerösteter Form ertragen. Aber auch genau so habe ich sie vor ein paar Jahren für mich neu entdeckt. Geröstet in Butter, mit oder ohne Ei, oder mit Speck. Auch frisch, aus siedendem Wasser gezogen, das kommt heute gut. Semmelknödel, und zwar im Plural, so, wie schon vor rund siebzig Jahren der Münchner Magersüchtige sehr treffend doziert hat – Semmelnknödeln. Das geht nur bayrisch. Nicht badisch oder württembergisch, was schon auch süddeutsch, aber der Weck ergibt mit Sicherheit keinen Knödel, und im Plural höchstens ein Alarmgerät. Oder schriftdeutsch Brötchen…, Singular und Plural in sich bindend, zu scheu, klar Standpunkt zu beziehen. Wer würde so was essen wollen?
Nein, es muß schon die Valentinsche Variante sein. Dessen Wortspiel klar in den Ohren, versüßt das Vorspiel, die Zubereitung. Noch nichts ahnend, begann ich schon vor einer Woche helles und weißes Brot zu horten. Die Königstochter wollte das schon den Fischen spendieren. Entrüstung darüber.
Zu sagen, ein Speiseplan vor Augen, wäre sicher zu kühn zu behaupten, aber als ich heute morgen beim Einkauf sah, daß der deutsche Discounter mit dem gelbblauroten Logo auch auf Kos ein Hirschgulasch aus Österreich in der Tiefkühltruhe bereit hält, wurde es klar.
Hirschfleisch, gewürzt auf schon schwarzbraun gebratene Zwiebelhälften geworfen – der Schauspieler Tarrach schwört darauf, weil´s auf einfache Weise dunklen Fond gibt – ebenfalls anbraten dann mit süßem Roten und harzigem Retsina abgelöscht. Kräuter, Nelken, Knoblauch, Karotten dazu, eine Kartoffel klein hacken und auch hinein.
Während das vor sich hin köchelt, muß der Wein schon anfangen zu atmen. Das tut er bestens, während er an meinem Atemorgan vorbei die Speiseröhre hinab gleitet. Dann werden aus dem inzwischen gut geruhten Semmelteig faustgroße (nach der Faust der Königstochter) Knödel geformt und in siedendes Wasser getaucht.
Sobald die letzten Knödeln in dem nur noch leicht siedendem Wasser auftauchen, ist auch die zweite Flasche Wein bereit zu atmen und das Gulasch zart genug, sich auf einem vorgewärmten Teller auszubreiten.
Trennung
Die Königskinder werden getrennt. Mitten am Weg, so war das noch nie. Bisher blieb der Eine nur immer zurück mit einem Buckel voll weiterer Arbeit. Noch viel zu tun, eine Episode nur, das Eine wie das Andere. Jetzt aber, aus dem Weg heraus, muß die Prinzessin fort.
Fahrt zum Flugplatz im Sonntagmorgenregen – ist noch etwas ungesagt, haben wir die Zeit genutzt, uns genug geliebt, befühlt, in des anderen Sinnen gebadet?
Zu abstrakt, zu fremd die Aussicht: Also dann bis zum Frühling.
Near Gale
Force 7 to 8, and in the night is getting worse. Das macht es einem leicht, den Hafen aufzusuchen und alles gut sein zu lassen. Immerhin angesagt und daß alle Fischerboote schon im Hafen sind und bleiben, sei auch ein Zeichen. Bei 21 Grad Celsius ist das auch wirklich leicht zu verkraften, selbst wenn das schon zu den Winterstürmen zählt. Das Ganze soll dann 24 Stunden dauern – also Hafentag. Ein gemütlicher, rumtreiben, die Mole entlang. Alle sind sie im Hafen, schwatzen, basteln oder gucken einfach in die Luft. Kalymnos again, ein freundliches Völkchen, sogar die Leute von der Port Police - läßt sich gut sein, hier.
Kaputt
Wir sind nun also, der zweite Anlauf, unterwegs, zwischen den Inseln der Ägäis, all die neuen Sachen ausprobieren. Noch nicht sehr weit – Rhodos, Symi, Thilos, Nisyros und nun Kós, aber wir haben noch Zeit, (gemeinsame) und nehmen uns die Zeit, weil man sich schon mal einen Tag verstecken muß und günstigeres Wetter abwarten. Testen, ansehen, reparieren. Nur wenn man unterwegs ist, haben die Sachen auch die Gelegenheit, kaputt zugehen, und das tun sie auch. Zum Beispiel: zwei Ladegeräte an Bord (verschiedener Art), eins davon tut´s seit dem ersten Einsatz nicht und das andere macht jetzt irgendwie schlapp. Beides waren nagelneue Geräte. Dazu kommt, daß auch bei ganztägigem Motoreinsatz die Batterien anscheinend nicht voll geladen werden. Jedenfalls zeigt der ebenfalls neue Batteriemanager das an. Der Fluxgate Kompass hatte auch schlapp gemacht (wie fährt man eigentlich übers Meer ohne Kompass), tut es aber, wie Wunder, seit gestern Abend wieder, nachdem ich ihn geöffnet und einen Tag (vielleicht austrocknen) offen in der Kabine liegen ließ. Ein neues, neuartiges GPS Gerät haben wir angeschafft, und das gibt, wenn wir uns bewegen, auch den Kurs an und noch vieles mehr. Das tut auch, ohne zu murren, genau was es soll, wohingegen das stationäre GPS tagelang nach Satelliten sucht, ohne je welche zu finden. Der neu besorgte Ankermotor, eigentlich ein Anlassermotor will auch nicht so recht, weil viel zu schwach.
Kommenden Donnerstag sind Stärken von 7 – 8 Bft. angesagt, und wir sind am überlegen, wo wir an dem Tag sein wollen. Stärke 7 hatten wir letzten Samstagnachmittag schon mal, mit mehr als drei Meter hohen Wellen, sind wir im Moment nicht besonders auf eine Wiederholung scharf. Wir hatten aber auch Glück, die richtige Insel (Symi) anzusteuern, da kannte ich von vor zwei Jahren noch eine rundum geschützte Bucht. Es war nur etwas aufregend, so aus der Erinnerung, aus zwei Meilen Entfernung die Einfahrt zu finden. Wollte nicht so schnell unter Land, da der Wind auflandig stand. Aber der neue Motor tat seine Arbeit wunderbar und auch unter großer Last.
Es ist irgendwie nicht die richtige Jahreszeit, um zu segeln in dieser Gegend, aber es geht. Da gibt es jede Menge Platz in Stadthäfen und man wird schon mal auf eine Feier eingeladen, nur weil man da ist. Und da waren noch die beiden Jungs, Adam und Carsten aus Berlin, Anfang zwanzig, auf dem Weg nach Indien, mit den Fahrrädern. Ja, das gibt’s noch, daß jemand unterwegs nach Indien ist. Wir hatten sie auf ein Lunch eingeladen, und als sie uns gegen Mitternacht verließen, irgendwo in der Nähe ihr Zelt aufzubauen, hatten wir uns gegenseitig eine Menge erzählt. Der Wilfried Erdmann hat das ja auch mal gemacht, nachdem er damals aus der neu entstandenen DDR mit dem Fahrrad abgehauen ist. Das war noch fast aus Versehen. Aber als er sich dann diese goldene BRD angesehen hat, und bei sich dachte: ‘ist das eigentlich alles?’, bestieg er erneut sein Fahrrad und fuhr nach Indien, um zu sehen, was da noch so alles los ist. Das war irgendwie 1958 oder so.
Trotz allem, das Boot macht großen Spaß. Schnell, wendig, macht es auch bei viel Wind und Wellen eine starken Eindruck. Aber ich merke auch, daß bei all der Aufmerksamkeit, die ich dem Boot im Lauf des letzten Jahres gegeben habe, dabei ganz vergessen habe, mich um die wesentlichen Dinge, nämlich segeln lernen, zu kümmern. Und all die Einrichtungen, die damit zu tun haben, zum Beispiel Reffeinrichtung. Der Voreigentümer hat nicht gerefft, weil er ja auch nicht gesegelt ist und so schreit das, was dazu vorhanden sein soll, “Aua”. Muß alles noch neu gemacht, neu überdacht werden, und auch dazu sind wir unterwegs, all die Fehler und Mißstände zu finden.









