Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Ein steifer Süder

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 22. März 2007 @ 21:06

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Wenn der Wind aus einem südlichen Quadranten bläst im Frühling, und das stark, so tragen enorme Wellen von ich weiß nicht wo hunderte Zitronen an den Strand und Bambusstangen. Und manchmal auch eine Ziege oder eine Kuh.sueder01.JPG

Und auf der Baustelle : Der Bug ist wieder zu. Einen Tag habe ich darauf verwendet, einen Plattensteven herzustellen. Der Länge nach geknickt, leicht geschwungen – damit es auch schön kompliziert wird. Das Ergebnis, einzeln betrachtet, sieht mager aus, aber die Arbeit ist gut.plattensteven02.JPG

Die SERAPHINA erscheint langsam im neuen Gewand. Die alte, verdorbene Haut verschwindet auch mehr und mehr. Dazu, und das zerrt an den Nerven, der Südwind bläst nun schon seit Tagen – schwer erträglicher Lärm rund um die Uhr.

Erik erzählt

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 11. März 2007 @ 15:04

Erik erzählt von der Kneipe in Antwerpen, die Kneipe seines Neffen, in der er mal eine Zeit gearbeitet hat. Erik ist eigentlich richtiger Kapitän, fährt seit langer Zeit immmer große Boote anderer Leute. Öfter schon nahm er sich vor, ein mittleres Segelboot zu kaufen und loszusegeln. Und immer, wenn er fast so weit war, kein aktuelles Engagement hatte und seine Fühler schon nach einem passenden Boot für sich ausgestreckt hatte, kam doch wieder einer, “Erik, ich höre du segelst große Boote, kannst du mal meines … so für ein Jahr oder so …”. Er hat schon tausend mal Häfen allein im Mittelmeer. Dazu kommt noch etwas Karibik und Polynesien. Er ist so ein ruhiger, angenehmer Zeitgenosse, mit dem beim Bier zu sitzen interessante Kurzweil heißt. In dererik_01.JPG
wenigen Zeit, die er in Antwerpen verbringt, weiß dann auch immer einer seiner Verwandten, diesmal der Neffe, etwas zu tun für ihn.”Kannst du mir mal in der Kneipe ein paar Tage zur Hand gehen?” Da waren jedes Wochenende Kämpfe bis dahin. Nicht mehr, seit Erik dort auftauchte. Er hat immer gerochen, wenn irgendwo etwas hitzig wurde. Und er hat einfach angesehen, zugehört, und beschwichtigt.
Die Polizei wurde schon aumerksam, kam unaufgefordert und fragte, Erik, wie machst du das? Hier waren immer Kämpfe, jedes Wochenende und recht heftig. Seit du hier ausschenkst, überhaupt nichts mehr, was geht da ab?
“Keine Ahnung”‚ meint Erik, “ich rede halt mit den Leuten, oder sie mögen mich halt‚ ich weiß auch nicht”.
Egal, die Bullen waren es zufrieden.
Einmal, im letzten Spätherbst war eine ältere Frau in der Bar. Etwas angetüdert schon, als sie ankam, gab sie sich jetzt die Kante. Sie war nett und friedlich, soff so vor sich hin. Irgenwann dann doch wollte sie nach Hause, schickte sich an zu zahlen, um aufzubrechen. Es war aber auch anzumerken, daß sie sich über den Weg dorthin nicht mehr sicher war. Erik sagte zu ihr, daß, wenn sie es weit hätte, das in ihrem Zustand doch sehr gewagt wäre. Man müßte jemanden finden, der behilflich sei. Die Alte wollte aber doch los.
Ängstlich dachte sich Erik, draußen ist es nahe dem Gefrierpunkt und wenn der Alten nun was passierte, dann wäre das gar nicht recht. In seiner Ratlosigkeit, und weil die doch sonst immer so flott wegen jedem Mist auftauchten, rief er bei der Polizei an, schilderte den Sachverhalt und fragte den diensthabenden Offizier, ob er nicht Rat wüßte.
Geht klar, kein Problem, sagte der, das machen wir gleich.

Minuten später, mit großem Blaulüü, tauchten vier Mannschaftswagen vor der Bar auf, fünfzehn Bewaffnete verteilten sich. Der kommandierende betrat, begleitet, die Bar.
Völlig schockiert stotterte Erik, … doch kein Anlaß, …die ist doch völlig friedlich, die Frau….. Hatte er sich denn so falsch, so mißverständlich ausgedrückt? Es war mehr als peinlich.
Kein Grund zur Aufregung, das sei normal, meinte der Kommandierende; schließlich sei Wochenende, nichts besonderes los und bei einem solchen Einsatz gäbe es Zulage.
Ja aber … es geht doch nur um die alte Frau und die ist auch völlig friedlich …, sie muß einfach nur nach Hause. Ratlos, unsicher.
Gar kein Problem, machen wir, kannst beruhigt sein.

Und was gibt´s Neues von der Werft?

8. März, Weltfrauentag – Rappzapp Nase ab

cockpnew04.JPGCockpit ist schon neu – gut der Süll fehlt noch – und frisch gestrichen. Mit der Fußrehling, die am Vordeck mehr und mehr zum Schanzkleid wurde, bin ich auch schon beidseitig durch und dann, heute nachmittag war der Bug dran.dsc06091.JPG Es gab keinen Grund mehr, das noch länger aufzuschieben. Und doch fand ich Weg und Gelegenheit, oder genoß es einfach noch mal den Moment, bevor der alte Bug fällt. Nur folgerichtig – der Arsch wurde ja auch zersägt – mußte er dran glauben.dsc06102.JPG
Aber da gab es auch nichts schön zu reden. Außenbeplankung, Stringer, Vorsteven und nicht zu vergessen – eine von Willis eingestandenen Jugendsünden – unter dem Ankerkasten eingegossener Teer mußte zerschnitten werden. Im Falle des Teers bedeutet das Schlotze ohne Ende, die Scheibe schmiert voll, arbeitet kaum noch.
Aber dann, so einigermaßen vorbereitet, in nicht einmal einer dreiviertel Stunde, rappzapp war der Französin die Nase ab. Ein halber Meter Bug lag, flotsch! im Dreck.
Allerdings mit dem abgeschnittenen Bug drängt sich auch auch der Ankerkasten mehr in den Mittelpunkt.dsc06140.JPG Dieser, vor Schlotz trotzende Teil wird mich noch Tage halten. Entrostung des Inneren, neu einmessen des neuen Bug, Ankerwinsch neu positionieren, damit auch Verlegung der Kabel- und Kettenführung, Ankerkastenluke neu zu fertigen und daneben noch die schon mal erwähnten 111 Kleinigkeiten, welche einen Tag schnell kurz machen.

Das soll alles sein?

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 4. März 2007 @ 18:00

An manchen Tagen frißt mich der Fisselkram schier auf. Da will ich doch großes bauen, und dabei sind so unendlich viele Kleinigkeiten zu tun, bis man an das Gesamtbild kommt.

Also, was ist das denn eigentlich alles – aufschreiben!

Montag: Edelstahl gekauft, Zahncreme und Ladegerät für die Kamera. Rahmen für die Heckluken geschnitten und komplett verschweißt.

Dienstag: Genuaschiene backbords gelöst, verschiedene Deckel aufgeschweißt, Inox Flachstahl für Genuaschiene steuerbords aufgebracht und die dafür nötige Strecke, sowie die Strecke für die Fußrehling von achtern bis zur Mitte freigelegt. Nebenbei noch mein Stübchen in Brand gesetzt. Dachte, ich wäre ganz schlau und lasse die Luke ein wenig offen, damit ich gleich merke, wenn was kokelt. Was ich dabei aber übersah, daß durch die offene Luke auch Schweißperlen nach innen fallen können. Als ich den brandigen Geruch bemerkte, die Luke ganz aufhob, loderte es schon lustig vor sich hin. Wie der Blitz … usw. Ergebnis: Bretonenshirt und eine der Decken weg- dsc05956.JPGwerfen, Gestank.

Mittwoch: Fußrehling an Steuerbord gefertigt und geschweißt. Einen Tag auf Knien verbracht. Wäre da nicht noch das gleiche fertig kopierte Material für die Backbordseite – das Ergebnis wäre wirklich mager.

Donnerstag: Wieder einen Tag auf Knien verbracht. Fußrehling Bb., dazu die Rehlingstützen abgeschnitten, den Untergrund auf der ganzen Strecke freigelegt und bearbeitet. Dasselbe mit der Strecke der Genuaschiene auf dieser Seite. Einige Roststellen ebenso bearbeitet.

Freitag: Die halbherzig, in grauer Vorzeit des Bootes, verschlossenen Seitenfenster, seit jeher zu nichts nütze, richtig verschlossen. Das heißt, zwei von sechs, und da ich schon an der Seitenwand war, gleich noch drei der schrägen Fenster versetzt, in neuer Größe ausgeschnitten und rostbehandelt.

Also, wenn erst mal das erste Fenster rausfliegt, dann sieht das sehr konkret aus. Das hat mich heute fast mehr beeindruckt, als die Sache mit dem Heck abtrennen.dsc05991.JPGdsc06023.JPG

Samstag: Und heute wieder diese Winzigkeiten: neuer Wassereinfüllstutzen (45er Bohrung ausfeilen) an neuer Position einsetzen, Gülletankentlüftung versetzen und die Ränder grundieren. Weiteres Exfenster zuschweißen.

Und das ist wirklich schon alles? Die Woche verflog.

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Sonntags auf der Baustelle

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 18. Februar 2007 @ 10:13

Da kam Paul wieder an. Paul ist ein ganz netter, er versucht immer harte Schale, und an allem herumzumäkeln, dabei ist er eine grundherzenssgute Seele, interessiert und immer hilfsbereit. Schaut eben wieder mal vorbei und in seiner motzigen Art beginnt er von irgendwas zu schwatzen.

“Geh, red´ nicht immer von den alten Mist, laß uns mal von was Vernünftigem reden”, sag ich zu ihm.

“Wie meinst´n das?”, wirft Paul ein.

“Na zum Beispiel vom bedingungslosen Grundeinkommen”.

“Was´n das nun schon wieder?”

Ich erkläre ihm das wenige, was ich davon weiß, oder eben davon gehört habe, und spare auch mit meiner Meinung dazu nicht.

Da meint Paul, “kannste mir mal erklären, wie de das wieder finanzieren willst?”

“Na ….

Seltsam ist schon, daß ausgerechnet jene, welche am meisten davon profitieren könnten, gleich danach fragen, wie etwas zu finanzieren wäre. “Was geht dich das an”, frage ich, “warum machen sich nicht die, die dafür bezahlt werden, und auch gewählt wurden, dazu Gedanken”.

Seltsam ist auch, daß sich das so ausnimmt, als müssen Bürger ihren Volksvertretern, die ja immerhin von der Mehrheit gewählt wurden, dafür zu sorgen, das es einem gut gehe und auch dafür vereidigt wurden, z.B. Schaden von einem abzuwenden, vorzurechnen, daß so etwas machbar wäre, statt umgekehrt der gewählte Volksvertreter einem das Gegenteil beweisen muß.

heckfert02.JPGHat eigentlich mal wer daran gedacht, den Volksvertreter seines Wahlkreises auf der Schicht anzurufen und zu fragen, ob dieser heute, bespielsweise schon Schaden von einem abgewandt hat, und wenn Nein, ob er das im Laufe des Tages wohl noch vorhabe, bzw. wann er denn das das letzte Mal gemacht habe.

heckfert01.JPGUnd was ist sonst so los in den Geschichten vom Wasser, oder besser Neuigkeiten von der Baustelle ?

So was wie ein Markstein, will mir scheinen. Das neue Heck ist fertig, dicht verschweißt, zwei vorläufige Luken reingeschnitten und gestern habe ich mir außerdem die Muse erlaubt – es regnete in Bindfäden den ganzen Tag – eine feste Fußrehling in diesem Bereich zu beginnen anzupassen. Nicht einfach so Fußreling, sondern Fußreling mit Akzent.

Winds of change …

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 13. Februar 2007 @ 23:28

Neues HeckAuch hier kommt die Viehkälte von den Russen. Mit der Winddrehung von Nordwest auf Südost letzten Dienstag kam mit der Wärme allerdings auch der Regen, Regen satt.
Einhausung, die Zweite, auch das wieder ein unsägliches Werk inkompetenter Baukunst, -art. Keine Ahnung, wie ich das nennen soll. Zuerst traute ich meinen Augen nicht, daß jemand einen solchen Mist auch nur anbieten kann. Zeitweise dachte ich, das kann eigentlich nur ein Scherz von Buddy sein – das Richtige kommt noch – wobei Zeit für Scherze nun wirklich keine ist. Aber es wurde auch keineswegs besser.
Aber statt zu lamentieren, ging ich meiner Arbeit nach. Material war inzwischen angeliefert worden, die Bleche gesandstrahlt. Das Sandstrahlen besorgte auch nicht dieser arrogante Hornochse, der für die paar Quadratmeter 1000 Euro verlangte – daß die Währung hier türkische Lira sind, scheint manchen gar nicht mehr bewußt – sondern anderweitig, für die Hälfte.einbau_lenzrohr01.JPG Und abends, wenn ich frisch gewaschen das Essen bereite, darf der Niedergang offen bleiben, die Heizung aus.
Der Schlosser mußte auch bluten, da er Mist geliefert hatte. Nachdem er mittels hydraulischer Presse versucht hatte die falschen Winkel – anfangs bekam er eine Schablone mit den richtigen Winkeln – zu berichtigen, und dabei nur noch völligen Mist erreicht hat, bot er mir an, wenn ich das nicht akzeptieren könne, würde er neue Stücke fertigen. Na also, und ganz ohne gemeinsame Sprache. Bevor er wieder abfuhr sah er sich noch kurz um, was ich da so baue aus dem Material, das er geliefert hat. Warum hat er nur erst versucht, mir solche Scheiße anzudrehen.
Gut, nun läuft der Laden also und ich bin mehr und mehr an den Dingen, für welche ich eigentlich angetreten bin, sie zu erledigen.
Der sogenannte Manager von Demir Marin kam vor drei Tagen an und meinte, ich wäre ja so fleißig und jeden Tag am arbeiten, das sei doch unglaublich. Und bei der Gelegenheit wolle er mir anbieten, falls ich ihre Werkstatt bräuchte, benutzen wolle, so solle ich nur Bescheid geben. „Geht klar“.einbau_lenzrohr02.JPG
Einige der Liveaboards kommen regelmäßg, nachzusehen was sich bei mir tut und sogar Hilfe anzubieten. Niemand fragt mehr, welche Firma ich denn beauftragt hätte, bei dem was ich alles vorhabe. Ja, der Wind hat sich wirklich gedreht.
Es geht mir immer noch zu langsam, aber es geht voran, und ich bewältige Stück für Stück einen Umbau aus dem Stehgreif ohne vorherige Planzeichnung, da auch keine grundsätzlichen Pläne vorhanden. Ähnlich wie früher die Karosseriearbeiten, Fahrzeugumbauten in einer dörflichen Scheune. Alles im Blickbehalten und keine Bezugslinie vergessen, daß alle Linien sich harmonisch wieder treffen, Übergänge gleiten. Damit auch niemand später mal rufen kann, „ah, sieh hier, da wurde ein Stück eingesetzt“. Es kann ja keine Schande sein, mal was gelernt zu haben.

Der Erste, oder wie eine Idee wirklich wird

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 28. Januar 2007 @ 15:36

ankunft02.JPG“Planen kann man viel, aber im Endeffekt kommt alles anders als man gedacht hat” lese ich da gerade auf auf einer Seite, zum Beginn einer Reise. Das gilt auch schon für das was vor der Reise, unserer Reise ansteht. Geplant war, daß ich im Herbst zu unserem Boot reise um die Renovierung zu machen. Da kamen zwei Monate Arbeit in Australien dazwischen, was aber finanziell sehr förderlich war. Geplant war auch, daß bis zum Herbst das Boot entsprechend frei auf dem Hartplatz steht und eine wetterfeste Einhausung drumherum gebaut wird, damit schon mal alles im Trockenen steht.

Als ich hier ankam war das Boot vollkommen eng eingeparkt und die “Einhausung” bestand aus ein paar Röhrchen und einem Plastikfetzen, der mehr oder weniger drüber gespannt war. An Ausreden, warum dies und jenes nicht möglich war, fehlte es nicht. Und außerdem war da die Feststellung, daß das was ich mir vorgestellt habe nun nicht mehr möglich sei. Travellift käme keiner mehr durch und weiterer Platz sei ja auch keiner, um Boote zu versetzen.

Ich verwendete eine ganze Woche mit reden, reden mit allen möglichen Leuten, die irgendeinen Einfluß auf das Geschehen haben könnten, um die Versetzung der Boote zu erreichen. Eine weitere Woche brauchte es, um die Einhausung zu erwirken. Das Ergebnis schließlich entsprach nicht so sehr meiner Vorstellung von wetterfest und auch nicht der angepriesenen Qualität und Ausführung, aber na ja, vielleicht reicht es ja. Beim ersten frischen Wind flatterte viel und anschließende Regen brachten mir viel Arbeit mit abdichten und drücken von Wassersäcken.

dsc05930.JPGUnd heute morgen kam dann der richtige Wind. Gemessene Stärke um 7, mit Böen um 8. Als die windige Konstruktion dann das Nachbarboot bedrängte, schnitt ich alle Plastikfolien raus und unter Mithilfe von zwei Wachleuten wurde das Restgestell am wegfliegen gehindert. Die Reste bieten einen traurigen Anblick.

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