Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

Hausaufgaben

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 31. Dezember 2007 @ 21:15

Von Anfang an war ich stets unruhig, so unruhig, wie das früher immer der Fall war, wenn ich auf eine Schularbeit nicht gelernt hatte, oder auch nur die Hausaufgaben nicht gemacht hatte. Es gab ja einen engen Zeitplan – von mir erstellt – und dabei eine nicht näher definierte Menge an Arbeiten. Es hört sich einfach an, wenn gesagt wird: wir müssen das Boot noch streichen und auch noch ein paar kleinere Arbeiten erledigen, und dann kann der Kahn eigentlich ins Wasser. Dabei blieb unerwähnt, daß ja noch eine Sprayhood zu fertigen ist, und die nicht näher bezeichneten „kleineren Arbeiten“ nahmen bald Ähnlichkeit mit Hefeteig an.
Da schon anfangs seitens der Marinaleitung erwähnt wurde, daß das Boot wohl noch mal umgestellt werden müsse, traute ich mich erst mal nicht an die Sprayhood. Es war zu erwarten, daß jene Arbeit eher schon ein ganzer Abschnitt werden würde, was sich später auch tatsächlich als solcher rausstellte. Und um so mehr loses Material würde auf und um die Baustelle herum liegen.

Ein ganz heißes Thema waren die auf den ersten Blick unscheinbar wirkenden Luken. Neue Scheiben hatte ich ja zuletzt im Frühjahr noch eingesetzt. Aber da waren bei fast allen noch – unter der Innenverkleidung versteckt – Aluminiumrahmen eingeschraubt, um eben die Innenverkleidung daran zu befestigen. Diese Aluminiumrahmen waren tatsächlich und satt – jenen, mit der elektrischen Spannungsreihe Vertrauten, werden sich spätestens jetzt die Nackenhaare aufstellen – ohne jegliche elektrolytische Trennung mit den Stahlrahmen der Decksdurchdringung verschraubt. Bei zweien hatte ich Glück – sie mußten nur behandelt werden – aber die anderen fünf mußten rausgetrennt und erneuert werden. Das bedeutete: oben herum frei räumen, aber nach innen mittels Sperrholz und Folien möglichst dicht verschalken, damit die Innenräume nicht gleich wieder wie Müllhaufen aussähen.
Aber es lief zügig, parallel dazu wurden die alten gammeligen Lukenrahmen abgeschliffen und neu h02sprayhood01.JPG gestrichen, und das trockene Wetter hielt wirklich bis die letzte Schraube des letzten Rahmens angezogen war. Aber auch wirklich nur genau so lange. Es folgten wieder mehrere Tage Feucht. Das Material für die feste Sprayhood war schon gekauft und vorbehandelt – es mußte nun warten, verarbeitet zu werden. Ich auch – warten.
Beim ersten schönen Wetter, ein paar Tage später begann ich zeitig am Morgen mit der Arbeit an der Sprayhood. Man hätte darauf wetten können, kurz vor Mittag kam die Anweisung zum Standortwechsel. Also, unten alles zusammen räumen, frei machen ringsum, damit die Leute versetzen können. Das Boot wurde hin und her bewegt, betrachtet, hier hin und dorthin probiert, beratschlagt. Nach vier Stunden war die Aktion beendet – das Boot befand sich danach am exakt gleichen Ort, um neunzig Grad gedreht.

Die Idee mit der festen Sprayhood entstand vor allem aus dem Grund, im Dach derselben mindesten drei Solarzellen zur Stromerzeugung unterzubringen. Diese Bauteile haben ein bestimmtes Maß, daran läßt sich nichts biegen oder schnipfeln. Und das war es auch was mir mehrere Tage Bauchweh verursachte. Einerseits bastelt man an einem recht sportlichen Riß herum und möchte diesen auch möglichst erhalten, andererseits soll diesesh03fiakerhaisl.JPG neue Element die erwähnten Zellen beherbergen und aber auch einen gewissen Schutz im Cockpit bieten – sinnvoll.
Nun ist das Ding fertig, es funktioniert, aber ich gerate beim Anblick nicht gerade aus dem Häuschen. Die sportliche Linie des ganzen Bootes leidet mit Sicherheit etwas darunter, was meine Gattin bestreitet, die Unterbringung der Photovoltaik-Zellen hingegen ist perfekt gelungen. Sprayhood? na ja, was auch immer damit gemeint sei, so gleicht dieser etwas fremdartige Aufsatz eher dem, was der Wiener ein Fiakerhaisl bezeichnen würde. Und das wäre dann eine Reminiszenz an die österreichischen Wurzeln meiner Frau Gemahlin.
Ich denke, ich kann mit der Lösung erst mal leben. Für die Verbesserung dieses und anderer möglicherweise nicht so gelungener Dinge hat sich bereits ein geflügelter Spruch heraus gebildet: „Das hebe ich mir auf für Brasilien“. In Brasilien brauche ich ja sicher auch was zu tun, in der Zeit, da ich nicht des Geldes wegen in Europa weile. Brasilien wird für vieles herhalten müssen, aber genauso bin ich mir auch sicher, dort wieder eine wunderbare Werft für uns zu finden.

Zero

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 18. Dezember 2007 @ 15:32

Ohne Bilder, ohne Bewußtheit, blind und taub. Taub vor allem in den Armen. Eine Periode ist vorbei, oder geschafft – keine Ahnung. Vielleicht ist viel geschehen, darüber aber denke ich die nächsten Tage nach.

Und dann gibt es auch wieder genauere Berichte und aktuelle Fotos.

Na Hallo …

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 5. Dezember 2007 @ 12:04
… da bin ich wieder. Nicht ganz der Reihe nach und nicht recht chronologisch, denn ich war ja auch ganz kurz im Sommer schon mal hier. Im Sommer vergnügte ich mich etwas mit schleifen und spachteln des Rumpfes. Mit ein paar Kilo Spachtel, nicht nach Zentnern gerechnet, wie man bei Stahlbooten gemeinhin annimmt.

Seit Ende November sind wir (diesmal beide) wieder angetreten. Angetreten, fertig zu machen, die noch hauptsächlichen Arbeiten um schließlich zurück ins Wasser zu kommen.allesNeuSommer Ich hatte einen Launching Termin festgelegt, der außer mir so niemand gefallen wollte. Den 15. Dezember hatte ich ausgesucht, vier Tage vor dem gebuchten Rückflug. Und das war auch der einzige Grund, warum ich ausgerechnet diesen Tag ausgesucht hatte. Vernünftigen Grund dafür gab es ansonsten dafür überhaupt keinen, und von Anfang an schwirrte mir der Bauch – zu vieles stand an. An sich nur zwei größere Posten und ansonsten die schon früher erwähnten einhundertelf Kleinigkeiten. Genug, um morgens um Fünf zu erwachen und darauf zu warten, daß es endlich hell wird.
Faul waren wir jedenfalls nicht, das ist ein Fakt, hatten alle Hände voll zu tun und einiges zu klären, da es der Marinaleitung gefiel, unser Boot ab und zu umzustellen. Gründe dafür gab es wohl und die wurden auch genannt, genauso wie der Termin, nämlich immer „jetzt“. Daß dadurch dann immer gleich ein ganzer Tag verloren wurde, spielte auch nur für uns eine Rolle.
Fakt ist aber auch, daß eben der Winter beginnt, was immer wieder starke Winde und Regen bedeutet. Wäre ich nicht so ein überaus geduldiger Mensch, ich könnte die Wände hoch gehen.