Erik erzählt
Erik erzählt von der Kneipe in Antwerpen, die Kneipe seines Neffen, in der er mal eine Zeit gearbeitet hat. Erik ist eigentlich richtiger Kapitän, fährt seit langer Zeit immmer große Boote anderer Leute. Öfter schon nahm er sich vor, ein mittleres Segelboot zu kaufen und loszusegeln. Und immer, wenn er fast so weit war, kein aktuelles Engagement hatte und seine Fühler schon nach einem passenden Boot für sich ausgestreckt hatte, kam doch wieder einer, “Erik, ich höre du segelst große Boote, kannst du mal meines … so für ein Jahr oder so …”. Er hat schon tausend mal Häfen allein im Mittelmeer. Dazu kommt noch etwas Karibik und Polynesien. Er ist so ein ruhiger, angenehmer Zeitgenosse, mit dem beim Bier zu sitzen interessante Kurzweil heißt. In der
wenigen Zeit, die er in Antwerpen verbringt, weiß dann auch immer einer seiner Verwandten, diesmal der Neffe, etwas zu tun für ihn.”Kannst du mir mal in der Kneipe ein paar Tage zur Hand gehen?” Da waren jedes Wochenende Kämpfe bis dahin. Nicht mehr, seit Erik dort auftauchte. Er hat immer gerochen, wenn irgendwo etwas hitzig wurde. Und er hat einfach angesehen, zugehört, und beschwichtigt.
Die Polizei wurde schon aumerksam, kam unaufgefordert und fragte, Erik, wie machst du das? Hier waren immer Kämpfe, jedes Wochenende und recht heftig. Seit du hier ausschenkst, überhaupt nichts mehr, was geht da ab?
“Keine Ahnung”‚ meint Erik, “ich rede halt mit den Leuten, oder sie mögen mich halt‚ ich weiß auch nicht”.
Egal, die Bullen waren es zufrieden.
Einmal, im letzten Spätherbst war eine ältere Frau in der Bar. Etwas angetüdert schon, als sie ankam, gab sie sich jetzt die Kante. Sie war nett und friedlich, soff so vor sich hin. Irgenwann dann doch wollte sie nach Hause, schickte sich an zu zahlen, um aufzubrechen. Es war aber auch anzumerken, daß sie sich über den Weg dorthin nicht mehr sicher war. Erik sagte zu ihr, daß, wenn sie es weit hätte, das in ihrem Zustand doch sehr gewagt wäre. Man müßte jemanden finden, der behilflich sei. Die Alte wollte aber doch los.
Ängstlich dachte sich Erik, draußen ist es nahe dem Gefrierpunkt und wenn der Alten nun was passierte, dann wäre das gar nicht recht. In seiner Ratlosigkeit, und weil die doch sonst immer so flott wegen jedem Mist auftauchten, rief er bei der Polizei an, schilderte den Sachverhalt und fragte den diensthabenden Offizier, ob er nicht Rat wüßte.
Geht klar, kein Problem, sagte der, das machen wir gleich.
Minuten später, mit großem Blaulüü, tauchten vier Mannschaftswagen vor der Bar auf, fünfzehn Bewaffnete verteilten sich. Der kommandierende betrat, begleitet, die Bar.
Völlig schockiert stotterte Erik, … doch kein Anlaß, …die ist doch völlig friedlich, die Frau….. Hatte er sich denn so falsch, so mißverständlich ausgedrückt? Es war mehr als peinlich.
Kein Grund zur Aufregung, das sei normal, meinte der Kommandierende; schließlich sei Wochenende, nichts besonderes los und bei einem solchen Einsatz gäbe es Zulage.
Ja aber … es geht doch nur um die alte Frau und die ist auch völlig friedlich …, sie muß einfach nur nach Hause. Ratlos, unsicher.
Gar kein Problem, machen wir, kannst beruhigt sein.
Und was gibt´s Neues von der Werft?
8. März, Weltfrauentag – Rappzapp Nase ab
Cockpit ist schon neu – gut der Süll fehlt noch – und frisch gestrichen. Mit der Fußrehling, die am Vordeck mehr und mehr zum Schanzkleid wurde, bin ich auch schon beidseitig durch und dann, heute nachmittag war der Bug dran.
Es gab keinen Grund mehr, das noch länger aufzuschieben. Und doch fand ich Weg und Gelegenheit, oder genoß es einfach noch mal den Moment, bevor der alte Bug fällt. Nur folgerichtig – der Arsch wurde ja auch zersägt – mußte er dran glauben.
Aber da gab es auch nichts schön zu reden. Außenbeplankung, Stringer, Vorsteven und nicht zu vergessen – eine von Willis eingestandenen Jugendsünden – unter dem Ankerkasten eingegossener Teer mußte zerschnitten werden. Im Falle des Teers bedeutet das Schlotze ohne Ende, die Scheibe schmiert voll, arbeitet kaum noch.
Aber dann, so einigermaßen vorbereitet, in nicht einmal einer dreiviertel Stunde, rappzapp war der Französin die Nase ab. Ein halber Meter Bug lag, flotsch! im Dreck.
Allerdings mit dem abgeschnittenen Bug drängt sich auch auch der Ankerkasten mehr in den Mittelpunkt. Dieser, vor Schlotz trotzende Teil wird mich noch Tage halten. Entrostung des Inneren, neu einmessen des neuen Bug, Ankerwinsch neu positionieren, damit auch Verlegung der Kabel- und Kettenführung, Ankerkastenluke neu zu fertigen und daneben noch die schon mal erwähnten 111 Kleinigkeiten, welche einen Tag schnell kurz machen.
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