Riss der SY Seraphian
SY-Seraphina

…. how are you?

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 28. März 2007 @ 21:31

Meine Hände schmerzen, sind rauh, rissig und hart wie nie zuvor in meinem Arbeitsleben – wund an Schnitten, Schürfungen und Brandverletzungen. Im Moment dürfte ich keine Frau anfassen, zerreißen würde sie an meinen Händen wie Pergamentpapier.
Und doch bin ich so glücklich wie selten zuvor. Es füllt mich aus, fordert mich – und auch heraus, täglich. Ich arbeitepan03.JPG von früh morgens bis Sonnenuntergang, täglich. Ich bin fit, vielleicht war ich nie (oder lange nicht) in besserer Verfassung. All die kleinen nervigen Schmerzen, die Verspannungen, verschwunden. Ich bin stark und zäh, muskulös auf der ganzen Länge, schwungvoll und geschmeidig wie Pan mit der Flöte. Vielleicht sollte Mann wirklich, wenn er gesunden und den Kopf auf Vordermann bringen will, sich ein Boot besorgen und daran arbeiten. Außerdem ist Eisen immer gut für den Organismus.

Und auf der Baustelle:
Jeden Tag ein Stück weiter, manchmal unbefriedigend, weil ich mir mehr vorgestellt habe, am Abend zu betrachten, aber immerhin.bugneu01.JPG Habe ich schon mal diese 111 Kleinigkeiten erwähnt? Der Bug ist endlich auch wieder vom Deck her zu, das Schanzkleid umlaufend und mit Kantenschutzrand fertiggestellt. Noch nicht zu sehen: Die Rollen für die Ankerkette. Ilhan hat mir gestern beim Bier über die Bar hinweg signalisiert, die Rollen seien fertig. Und er hat sich auch mit dem Preis mal richtig angestrengt.
winschpod01.JPG Cockpitsüll macht sich. Zwei versenkte Winschpodeste je Seite haben mir schon etwas Lob bei den tourisierenden Stegseglern eingebracht. Ich bin immer noch im Rennen und schmeiß mit meiner Energie um mich. Muddy Waters (wanna say Hi to Gondola) trinke ich  und höre dabei Morrisons CD, “A Night In San Francisco”, seit einer Woche jeden Abend (ein Graus für jeden Verbrauchergewohnheitenherausfinder). Lob hin oder her, die Winschpodeste, die eigentlich Teil des Cockpitsülls sind und somit auch Rückenlehnen mit eingebauten Schwalbennestern – das mußte wohl sein, ich wollte es einfach mal wieder wissen.

Der Prügel da vorn ist neu, oder?

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 23. März 2007 @ 22:03

Längere Zeit habe ich mir das Thema Bugspriet verboten, da die Zeit ja nicht reif war. Zu viel anderes war noch zu tun, bevor ich so weit nach vorn komme. Und Bugspriet ist kein Muß sondern Fleißaufgabe, irgendwie.bugspr06.JPG

Aber mit einem Mal ist das Thema heiß. Die Nase abgeschnitten, der dahinter liegende Ankerkasten nach allen Seiten bearbeitet – das alte Dreckloch halbwegs anständig gemacht – der Plattensteven angefertigt, was, nebenbei bemerkt, ein außerordentlich schönes Stück geworden ist, und den selbigen am Bug angebracht, innen und außen verschweißt.

Und da ist es, jetzt ist es! Der Bugspriet muß her und es wird auch höchste Zeit, damit der Großmast wieder ordentlich angehängt wird. Was so lange warten mußte, ist jetzt am dransten.bugspr01.JPG Und schon steigen Ängste auf, denn so ein Stück ist ja irgendwie die Visitenkarte eines Bootes. Man stelle sich nur vor, man “parkt” vorwärts im Hafen ein, ein zufälliger Passant bemerkt einen verpatzten Bugspriet und muß auf der Stelle kotzen.

Schlicht soll er sein, seine Funktion natürlich erfüllen ( in diesem Fall außer dem Vorstag tragen, auch einen Anker) – wie mit allem technischen Gerät, es ist dann am besten, wenn es nichts mehr wegzulassen gibt. Die Linie des Boots unterstreichen usw.

19. März/ Es scheint fast, als möchte mein Bugspriet volle drei Tage brauchen. Zum einen aber ist es mein wirklich erster, der den ich als vorläufige Essenz all derer, diebugspr05.JPG ich je sah, mir an der SERAPHINA vorstellen kann, und dann ist in der Zeit auch die Gestaltung der Form und all der Details einbezogen.

Tatsächlich wurden es fast vier Tage, bevor er fertig verschweißt am Bug prangt und am fünften fielen mir wesentliche Verbesserungen ein. Also, in den nächsten Wochen, in einer freien Zeit zwischendurch werde ich mich nochmal dran machen.

Ein steifer Süder

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 22. März 2007 @ 21:06

pontindian02.JPG
Wenn der Wind aus einem südlichen Quadranten bläst im Frühling, und das stark, so tragen enorme Wellen von ich weiß nicht wo hunderte Zitronen an den Strand und Bambusstangen. Und manchmal auch eine Ziege oder eine Kuh.sueder01.JPG

Und auf der Baustelle : Der Bug ist wieder zu. Einen Tag habe ich darauf verwendet, einen Plattensteven herzustellen. Der Länge nach geknickt, leicht geschwungen – damit es auch schön kompliziert wird. Das Ergebnis, einzeln betrachtet, sieht mager aus, aber die Arbeit ist gut.plattensteven02.JPG

Die SERAPHINA erscheint langsam im neuen Gewand. Die alte, verdorbene Haut verschwindet auch mehr und mehr. Dazu, und das zerrt an den Nerven, der Südwind bläst nun schon seit Tagen – schwer erträglicher Lärm rund um die Uhr.

Erik erzählt

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 11. März 2007 @ 15:04

Erik erzählt von der Kneipe in Antwerpen, die Kneipe seines Neffen, in der er mal eine Zeit gearbeitet hat. Erik ist eigentlich richtiger Kapitän, fährt seit langer Zeit immmer große Boote anderer Leute. Öfter schon nahm er sich vor, ein mittleres Segelboot zu kaufen und loszusegeln. Und immer, wenn er fast so weit war, kein aktuelles Engagement hatte und seine Fühler schon nach einem passenden Boot für sich ausgestreckt hatte, kam doch wieder einer, “Erik, ich höre du segelst große Boote, kannst du mal meines … so für ein Jahr oder so …”. Er hat schon tausend mal Häfen allein im Mittelmeer. Dazu kommt noch etwas Karibik und Polynesien. Er ist so ein ruhiger, angenehmer Zeitgenosse, mit dem beim Bier zu sitzen interessante Kurzweil heißt. In dererik_01.JPG
wenigen Zeit, die er in Antwerpen verbringt, weiß dann auch immer einer seiner Verwandten, diesmal der Neffe, etwas zu tun für ihn.”Kannst du mir mal in der Kneipe ein paar Tage zur Hand gehen?” Da waren jedes Wochenende Kämpfe bis dahin. Nicht mehr, seit Erik dort auftauchte. Er hat immer gerochen, wenn irgendwo etwas hitzig wurde. Und er hat einfach angesehen, zugehört, und beschwichtigt.
Die Polizei wurde schon aumerksam, kam unaufgefordert und fragte, Erik, wie machst du das? Hier waren immer Kämpfe, jedes Wochenende und recht heftig. Seit du hier ausschenkst, überhaupt nichts mehr, was geht da ab?
“Keine Ahnung”‚ meint Erik, “ich rede halt mit den Leuten, oder sie mögen mich halt‚ ich weiß auch nicht”.
Egal, die Bullen waren es zufrieden.
Einmal, im letzten Spätherbst war eine ältere Frau in der Bar. Etwas angetüdert schon, als sie ankam, gab sie sich jetzt die Kante. Sie war nett und friedlich, soff so vor sich hin. Irgenwann dann doch wollte sie nach Hause, schickte sich an zu zahlen, um aufzubrechen. Es war aber auch anzumerken, daß sie sich über den Weg dorthin nicht mehr sicher war. Erik sagte zu ihr, daß, wenn sie es weit hätte, das in ihrem Zustand doch sehr gewagt wäre. Man müßte jemanden finden, der behilflich sei. Die Alte wollte aber doch los.
Ängstlich dachte sich Erik, draußen ist es nahe dem Gefrierpunkt und wenn der Alten nun was passierte, dann wäre das gar nicht recht. In seiner Ratlosigkeit, und weil die doch sonst immer so flott wegen jedem Mist auftauchten, rief er bei der Polizei an, schilderte den Sachverhalt und fragte den diensthabenden Offizier, ob er nicht Rat wüßte.
Geht klar, kein Problem, sagte der, das machen wir gleich.

Minuten später, mit großem Blaulüü, tauchten vier Mannschaftswagen vor der Bar auf, fünfzehn Bewaffnete verteilten sich. Der kommandierende betrat, begleitet, die Bar.
Völlig schockiert stotterte Erik, … doch kein Anlaß, …die ist doch völlig friedlich, die Frau….. Hatte er sich denn so falsch, so mißverständlich ausgedrückt? Es war mehr als peinlich.
Kein Grund zur Aufregung, das sei normal, meinte der Kommandierende; schließlich sei Wochenende, nichts besonderes los und bei einem solchen Einsatz gäbe es Zulage.
Ja aber … es geht doch nur um die alte Frau und die ist auch völlig friedlich …, sie muß einfach nur nach Hause. Ratlos, unsicher.
Gar kein Problem, machen wir, kannst beruhigt sein.

Und was gibt´s Neues von der Werft?

8. März, Weltfrauentag – Rappzapp Nase ab

cockpnew04.JPGCockpit ist schon neu – gut der Süll fehlt noch – und frisch gestrichen. Mit der Fußrehling, die am Vordeck mehr und mehr zum Schanzkleid wurde, bin ich auch schon beidseitig durch und dann, heute nachmittag war der Bug dran.dsc06091.JPG Es gab keinen Grund mehr, das noch länger aufzuschieben. Und doch fand ich Weg und Gelegenheit, oder genoß es einfach noch mal den Moment, bevor der alte Bug fällt. Nur folgerichtig – der Arsch wurde ja auch zersägt – mußte er dran glauben.dsc06102.JPG
Aber da gab es auch nichts schön zu reden. Außenbeplankung, Stringer, Vorsteven und nicht zu vergessen – eine von Willis eingestandenen Jugendsünden – unter dem Ankerkasten eingegossener Teer mußte zerschnitten werden. Im Falle des Teers bedeutet das Schlotze ohne Ende, die Scheibe schmiert voll, arbeitet kaum noch.
Aber dann, so einigermaßen vorbereitet, in nicht einmal einer dreiviertel Stunde, rappzapp war der Französin die Nase ab. Ein halber Meter Bug lag, flotsch! im Dreck.
Allerdings mit dem abgeschnittenen Bug drängt sich auch auch der Ankerkasten mehr in den Mittelpunkt.dsc06140.JPG Dieser, vor Schlotz trotzende Teil wird mich noch Tage halten. Entrostung des Inneren, neu einmessen des neuen Bug, Ankerwinsch neu positionieren, damit auch Verlegung der Kabel- und Kettenführung, Ankerkastenluke neu zu fertigen und daneben noch die schon mal erwähnten 111 Kleinigkeiten, welche einen Tag schnell kurz machen.

Das soll alles sein?

Abgelegt unter: Allgemein — Lukas 4. März 2007 @ 18:00

An manchen Tagen frißt mich der Fisselkram schier auf. Da will ich doch großes bauen, und dabei sind so unendlich viele Kleinigkeiten zu tun, bis man an das Gesamtbild kommt.

Also, was ist das denn eigentlich alles – aufschreiben!

Montag: Edelstahl gekauft, Zahncreme und Ladegerät für die Kamera. Rahmen für die Heckluken geschnitten und komplett verschweißt.

Dienstag: Genuaschiene backbords gelöst, verschiedene Deckel aufgeschweißt, Inox Flachstahl für Genuaschiene steuerbords aufgebracht und die dafür nötige Strecke, sowie die Strecke für die Fußrehling von achtern bis zur Mitte freigelegt. Nebenbei noch mein Stübchen in Brand gesetzt. Dachte, ich wäre ganz schlau und lasse die Luke ein wenig offen, damit ich gleich merke, wenn was kokelt. Was ich dabei aber übersah, daß durch die offene Luke auch Schweißperlen nach innen fallen können. Als ich den brandigen Geruch bemerkte, die Luke ganz aufhob, loderte es schon lustig vor sich hin. Wie der Blitz … usw. Ergebnis: Bretonenshirt und eine der Decken weg- dsc05956.JPGwerfen, Gestank.

Mittwoch: Fußrehling an Steuerbord gefertigt und geschweißt. Einen Tag auf Knien verbracht. Wäre da nicht noch das gleiche fertig kopierte Material für die Backbordseite – das Ergebnis wäre wirklich mager.

Donnerstag: Wieder einen Tag auf Knien verbracht. Fußrehling Bb., dazu die Rehlingstützen abgeschnitten, den Untergrund auf der ganzen Strecke freigelegt und bearbeitet. Dasselbe mit der Strecke der Genuaschiene auf dieser Seite. Einige Roststellen ebenso bearbeitet.

Freitag: Die halbherzig, in grauer Vorzeit des Bootes, verschlossenen Seitenfenster, seit jeher zu nichts nütze, richtig verschlossen. Das heißt, zwei von sechs, und da ich schon an der Seitenwand war, gleich noch drei der schrägen Fenster versetzt, in neuer Größe ausgeschnitten und rostbehandelt.

Also, wenn erst mal das erste Fenster rausfliegt, dann sieht das sehr konkret aus. Das hat mich heute fast mehr beeindruckt, als die Sache mit dem Heck abtrennen.dsc05991.JPGdsc06023.JPG

Samstag: Und heute wieder diese Winzigkeiten: neuer Wassereinfüllstutzen (45er Bohrung ausfeilen) an neuer Position einsetzen, Gülletankentlüftung versetzen und die Ränder grundieren. Weiteres Exfenster zuschweißen.

Und das ist wirklich schon alles? Die Woche verflog.

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